Nora Gomringer hätte sich in jungen Jahren auch vorstellen können, Nonne zu werden. Und wurde dann doch Dichterin – so wie ihr Vater Eugen Gomringer.

taz: Frau Gomringer, als Tochter aus einem Literatenhaushalt waren Sie im oberfränkischen Dorf Wurlitz eine Exotin. In Literaturkreisen sind Sie es wohl heute noch – anders als viele Ihrer Dichter-Kolleg:innen sind Sie nicht in eine Großstadt gezogen, sondern Ihrer Heimat treu geblieben.

Nora Gomringer: Ja, ich bin seit meinem Fünfzehnten in Bamberg, bin dort vom äußersten Rand, wo die working people leben, reingezogen ins Herz und damit auch in eine ganz andere Lebensform und Situation.

taz: Seit 2010 sind Sie Direktorin der Künstlerresidenz Villa Concordia, ein Schloss, in dem Sie auch selbst leben.

Gomringer: Ja, an einem Tag geh ich als Direktorin für eine Lesung ins Gefängnis, an dem anderen trete ich als Dichterin beim Bundespräsidenten auf. Das ist spannend und anregend für mich, und ich bin sehr dankbar, dass mir das beschieden ist.