„Für die meisten deutschen Komiker“ sei es „bereits schwer genug, lustig zu sein. Da sollten sie sich nicht zusätzlich noch mit Politik und Geschichte belasten“, sagte der AfD-Politiker Rüdiger Lucassen dem Portal The Pioneer. Und für „deutsche Politiker“ gelte: „Wir sind in Zeiten schwerster Herausforderungen, denen wir mit eiserner Ernsthaftigkeit begegnen müssen. Es sind genug Witze gerissen worden.“Die „Witze“ mit „Geschichtsbezug“, auf die sich Lucassen bezieht, hatte der „Kabarettist“ Uwe Steimle am vergangenen Dienstag bei einer Veranstaltung der AfD in Dessau mit dem Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Ulrich Siegmund, und dem AfD-Parteisprecher Tino Chrupalla gerissen. Mit Blick auf den Bundeskanzler hatte Steimle gesagt: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Zur früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er „das“ Merkel nennt, bemerkte Steimle, sie werde „bald sitzen“, müsse aufgehängt oder „an die Wand gestellt“ werden – er bezog sich auf das kürzlich vorgestellte Porträt der Altkanzlerin im Bundeskanzleramt.Stauffenberg: „Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen“Die Gleichsetzung des Bundeskanzlers mit Adolf Hitler wertet Karl von Stauffenberg, der Enkel des von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfers und Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, als „Geschichtsklitterung par excellence“. Merz mit Hitler gleichzusetzen sei eine „Verharmlosung des Dritten Reichs“, sagt er der „Bild“-Zeitung: „Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft.“Die mordsmäßige „Witzigkeit“, für die Steimle in Dessau Applaus und Jubel und das Grinsen des AfD-Chefs Chrupalla bekam, entspricht dem Duktus seiner Vorträge. Auf seiner Website hat er sich mit der Warnung in die Sommerpause verabschiedet: „Sie führen uns in den Krieg und sagen auch noch, der Russe ist schuld.“ Gemeint ist die Bundesregierung. Ihr Fett bekommen bei Steimle auch die „Öffentlich-Restlichen“ weg, der Klimawandel heißt bei ihm „Klimahandel“ und ist ein Problem des „Raubtierkapitalismus“.Man müsse auf die Barrikaden gehen und in den Generalstreik treten, damit „uns diese Regierung“ nicht in den Krieg führe. Der Osten stehe auf und sei wieder einmal Vorbild für die BRD. „Wir werden von Wahnsinnigen regiert“, sagt Steimle, der früher einmal beim MDR einen TV-Kommissar im „Polizeiruf“ spielte. Und vielleicht finde die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ja gar nicht statt, weil der „Kriegsnotstand“ ausgerufen werde. Dass Steimle all dies „witzig“ meint, ist nicht zu erkennen. Es ist ihm ernst.Die Staatsanwaltschaft Dessau ermittelt nun wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ gegen Steimle. Sollte es zu einer Anklage kommen, passte dies perfekt in seine Erzählung.