Die Halbjahreszahlen der deutschen Zulassungsstatistik lassen sich nicht ohne die Meldungen der vergangenen Tage betrachten. In der Branche ist die Hölle los. Zeitarbeitskräfte kommen überall zu tausenden unter die Räder. Dieses Arbeitskräftereservoir wurde stets als atmend eingestuft, was an sich positiv gedacht ist, nun allerdings kennt die Industrie nur die Richtung Ausatmen. Und das genügt noch nicht.Porsche wollte bislang rund 2000 feste Stellen streichen, zuletzt war in der Gerüchteküche von bis zu 4000 weiteren die Rede. Bei BMW sollen 7500 Arbeitsplätze zur Disposition stehen. Mercedes-Benz hat schon 5500 Mitarbeiter abgefunden, will das Homeoffice abschaffen und fordert höhere Wochenarbeitszeit, 40 Stunden sollen in der Fläche drin sein. Bei VW sind weltweit 100.000 Arbeitsplätze und vier Werke gefährdet. Audi verringert um 7500 Stellen. Opel schickt 650 Ingenieure fort. Bosch hat unter dem Druck überraschend seinen Chef verloren.15 Prozent weniger Neuzulassungen als 2019Nun meldet der Verband der Automobilindustrie VDA zu Ende Juni, dass im bisherigen Jahresverlauf 2,109 Millionen Personenwagen in Deutschland hergestellt wurden, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit liege die Produktion nach einem halben Jahr um 15 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2019. Schwierige Standortbedingungen, vor allem hohe Lohnzusatzkosten und Steuern sowie die im internationalen Vergleich hohen Energie- und Bürokratiekosten setzten den Standort Deutschland weiterhin und zunehmend unter Druck.Entspannung ist nicht in Sicht. Zwar legten die Auftragseingänge aus dem Inland im Monat Juni um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu, was auf kurzfristig stimulierende staatliche Kaufanreize zurückzuführen sein dürfte. Die Bestellungen aus dem Ausland lagen derweil um zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Insgesamt wurden damit im Juni sechs Prozent weniger Orders registriert als im Juni 2025. Als Indikator für die Wirtschaftslage dient auch die Zahl der Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen, sie lag zum Halbjahr um 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.Die vollelektrischen Personenwagen erleben einen signifikanten Aufschwung, 368.006 Stück wurden im ersten Halbjahr zugelassen, das ist eine Steigerung um 48 Prozent. Sie wird begleitet von Subventionen, über deren Nachhaltigkeit wird man erst später urteilen können. Der Marktanteil beträgt nun 24,8 Prozent. „Nach wie vor sind die Ladestrompreise in Deutschland zu hoch und müssen dringend gesenkt werden, um die Attraktivität der E-Mobilität weiter zu steigern“, konstatiert der VDA. Im weiteren Jahresverlauf ist gleichwohl mit fortgesetzter Dynamik zu rechnen, da die elektrischen Volumenmodelle VW Polo und VW Cross samt ihrer Schwesterversionen von Škoda und Cupra auf den Markt kommen werden. Von BMW heißt es, die Auftragslage für die elektrische Limousine i3 sei vielversprechend.Freilich sind noch immer rund 75 Prozent der Neuzulassungen mit einem Verbrennungsmotor verbunden. Der Gesetzgeber in Berlin und Brüssel wird sich womöglich etwas mehr als de facto wirkungslose kosmetische Korrekturen einfallen lassen müssen, sofern Friedrich Merz und Ursula von der Leyen die heimische (Auto-)Industrie nicht gleichgültig sein sollte.