Der Fortschritt nimmt oft seltsame Wege. Aber wenn sie zum Ziel führen, ist das kein Schaden. Für die nun – endlich – geplante Kapitalrente nach schwedischem Vorbild ist es sogar ein Glücksfall, dass es hierzulande schon seit 2017 den Staatsfonds Kenfo zur Finanzierung der Atommüllendlagerkosten gibt.Nur auf den ersten Blick haben Rente und Atommüll wenig miteinander zu tun. Tatsächlich erfordern beide eine langfristige, renditeorientierte Kapitalanlage. Und der Kenfo führt seither ganz nüchtern und professionell vor, dass dies trotz aller Schlachtrufe gegen „Kasinokapitalismus“ mit Erfolg gelingt. Bringt die Koalition nun die Kapitalrente auf den Weg, kann sie daran anknüpfen.Der Kenfo liefert ihr viele gute Argumente – auch gegen Finanzlobbyisten, die einen Staatsfonds für die Rente aus Geschäftsinteresse bekämpfen. Ja, dieser darf kein Monopol haben, der Weg zu privaten Fonds muss offen sein. Aber eine obligatorische Kapitalrente braucht eine solidere Basis als das, was Banken und Versicherungen bisher als freiwillige Riester-Renten angeboten haben.