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Erholung: „Unser Gehirn schaltet nicht automatisch ab, nur weil es 17 Uhr ist“ Forscher in den USA haben ermittelt, wie Beschäftigte sich im Feierabend möglichst gut erholen. Das sind ihre Tipps.
Im Feierabend abschalten? Gar nicht so einfach Foto: Rolf Vennenbernd/dpaWirtschaftsWoche: Herr Grant, Sie haben in einer Studie untersucht, wie sich Menschen nach der Arbeit am besten erholen, um am nächsten Tag wieder motiviert zu Werke zu gehen. Wie sieht der perfekte Feierabend aus?Ryan Grant: Es kommt vor allem auf das Timing an: Menschen, die direkt nach Feierabend mental abschalten und ihre Erholung sofort starten, fühlen sich am nächsten Arbeitstag besser und leisten mehr.Also so früh wie möglich, Feierabend machen? Nein. Nach Feierabend so schnell wie möglich abschalten.Wie gelingt das? Das ist sehr individuell. Ich würde empfehlen: Etablieren Sie eine Feierabendroutine. Schreiben Sie auf, was sie heute geschafft haben, was sie morgen erledigen wollen. Hören Sie auf dem Heimweg ihren Lieblingspodcast statt Mails zu schicken oder mit Kollegen oder Kunden zu telefonieren. Wenn Sie das Büro verlassen, sollten Sie nicht mehr arbeiten. Um sich zu signalisieren: Die Arbeit ist vorbei, jetzt startet das Leben.Gerade im Homeoffice fällt das schwer. Stimmt. Wenn man am Küchentisch arbeitet, ist die Arbeit auch nach 17 Uhr immer noch in greifbarer Nähe. Umso wichtiger ist der mentale Übergang in den Feierabendmodus.Ein populärer Ratschlag lautet, dass es sich im Homeoffice lohne, nach Feierabend kurzum den Block zu spazieren. Um den Arbeitsweg zu simulieren. Das ist eine gute Idee, ja. So fällt der Wechsel von Arbeit zu Feierabend nicht so abrupt aus – das hilft vielen Arbeitnehmern. Zur Person Ryan Grant lehrt und forscht als Assistenzprofessor für Psychologie an der Universität von North Carolina in Charlotte. Seine neue Studie ist gerade im Journal of Applied Psychology erschienen.Nur wird das nicht jeden Tag möglich sein. Manche Tage sind stressiger als andere. Was hilft da? Dann sollten Sie an den Tagen, an denen es möglich ist, so viel Erholung wie möglich einplanen – und die Arbeit abends völlig aussperren. In unseren Daten zeigt sich, dass das erfolgsversprechender ist als verstreute Erholungsphasen: Wenn Sie etwa nach Hause kommen, eine Stunde Sport machen, dann wieder arbeiten, dann eine Serie schauen, dann noch kurz Mails schreiben. Große Erholungsblöcke sind viel besser als einzelne Häppchen. Ja, das ist nicht immer realistisch. Umso mehr hilft es, am Sonntag auf die Woche zu schauen und zum Beispiel den Dienstag und Donnerstag zum Erholungsabend zu erklären.Jetzt würden viele Manager und Führungskräfte erwidern: „Bei meinem Arbeitspensum kann ich mir keinen Abend komplett blocken.“ Die Forschung zeigt: Bei extremer Arbeitslast und viel Stress ist es viel schwieriger abzuschalten. Dann hilft Struktur. Denn viel beschäftigte Menschen schieben ihre Erholung auf, weil sie ständig über die Arbeit grübeln. Wenn Sie zu Beginn des Feierabends notieren, was Sie morgen alles erledigen wollen, reduzieren Sie die Grübelei. Weil sich unser Gehirn stark an Zielen orientiert. Und: Selbst ein Erholungsabend pro Woche ist besser als keiner. Wenn sich Beschäftigte über Monate nicht ausreichend erholen, beeinträchtigt das Gesundheit und Leistung langfristig, zeigen Studien. Das ist wie bei einem Profisportler, der stundenlang trainiert, aber nie pausiert – und sich am Ende verletzt.Was empfehlen Sie noch? Wenn es Ihr Job zulässt: Organisieren Sie Ihren Arbeitstag wie eine Bergwanderung. Erledigen Sie die komplexen Aufgaben – also den Aufstieg – so früh wie möglich und im Tagesverlauf dann immer einfachere. So endet man idealerweise am Abend – im Abstieg – mit ein paar unkritischen Mails, wenig Stress, und die negativen Gedanken bleiben im Büro. Denn: Unser Gehirn schaltet nicht automatisch ab, nur weil es 17 Uhr ist.Kraft finden in der Krise Von diesen Menschen lässt sich Resilienz lernen US-Zölle, KI-Disruption, Iran-Krieg – auf eine Ausnahmesituation folgt die nächste. Wie werden Unternehmen und Führungskräfte widerstandsfähig? Vier Menschen, für die der Notfall Routine ist, verraten ihre Geheimnisse. von Jannik Deters, Leonard Knollenborg und Dominik ReintjesIhre Studie zeigt auch, dass das Gefühl, bei der Arbeit einen Unterschied zu machen, helfen kann, sich zu erholen. Wenn Menschen überzeugt sind „Ich habe heute etwas geschafft“, erholen sie sich früher. Halten Sie deshalb fest, was Ihnen heute während der Arbeit gelungen ist. Wir sind schlecht darin, die guten Dinge zu sehen, weil wir sofort zur nächsten Aufgabe springen. Aber wenn Sie sich hinsetzen und merken: „Ich habe heute sechs Dinge erledigt“, fühlen Sie sich besser, können sich erlauben, abzuschalten – ohne Schuldgefühle. Und: Auch die richtigen Hobbys können helfen.Wie meinen Sie das? Ein hartes Workout, eine Stunde Klavierunterricht, schwere Holzarbeiten geben Ihnen eine direkte Rückmeldung über Ihre Leistung und vermitteln ebenfalls das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Auch Hausarbeiten erfüllen diesen Zweck.Also lieber Wäsche machen und Küche aufräumen statt mit Netflix auf die Couch? Ja, gerade unmittelbar nach Feierabend ist das viel ratsamer.Wir denken beim Feierabend meist an die Zeit zwischen Arbeit und Schlafengehen. Was ist mit dem Morgen vor der Arbeit – kann ich da auch noch Erholung für den Tag aufbauen? Ja, total. Wir haben dazu noch unveröffentlichte Daten erhoben, die zeigen: Wer morgens vor der Arbeit trainiert, bringt ein Erfolgsgefühl mit in den Arbeitstag. Das kann die Leistung verbessern und schützt gegen Stress, weil wir uns kompetenter fühlen und konstruktiv mit Stress umgehen.Was können Unternehmen und Führungskräfte ganz praktisch tun, damit Beschäftigte so schnell und so gut wie möglich regenerieren? Vorgesetzte sollten die Erholung aktiv unterstützen und sie vorleben. Also nach Feierabend selbst abschalten, keine Mails mehr schicken – oder wenn doch, dann den Versand so timen, dass sie erst morgens rausgehen. Wenn möglich, sollten Sie auch um 16.45 Uhr nicht noch ein großes, stressiges Thema aufmachen. Das nehmen Mitarbeiter mit in den Feierabend. Und gut möglich, dass sie am nächsten Tag weniger motiviert sind.Hier finden Sie eine Auswahl der Summer-School-Artikel:Arbeitsmarkt: Achtung, die Alphas kommen!Diese 31 Faktoren entscheiden über die VeränderungsfähigkeitUnsere Buchempfehlungen für den SommerurlaubWas hilft Ihnen, um abends abzuschalten? Ich schreibe auf, was ich tagsüber geschafft habe und was ich morgen erledigen muss. Ich gehe direkt nach der Arbeit spazieren oder mache Sport, um den Übergang in den Feierabend zu erleichtern. Mir hilft es zu kochen: Es erfordert Aufmerksamkeit – ich will ja nicht, dass etwas anbrennt. Dann denke ich automatisch weniger an Arbeit.In der WiWo Summer School liefern wir Ihnen Inspiration, die Ihren Managementalltag verändert. Hier finden Sie alle Lektionen. 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