Bandar Abbas brennt, in Kuwait heulen die Sirenen, und über dem Persischen Golf steigt schwarzer Rauch in den Morgenhimmel. In der Nacht zum Donnerstag hat der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran eine neue, gefährliche Stufe erreicht: Zwei Angriffswellen der US-Streitkräfte trafen iranische Küstenverteidigungen, Raketenstellungen und den strategischen Marinehafen Bandar Abbas – während Teheran mit Drohnen und Marschflugkörpern gegen US-Stützpunkte in Kuwait und Jordanien zurückschlug.

Öl steigt zum vierten Tag in Folge, die Straße von Hormus ist praktisch dicht, und in Berlin, Paris und Brüssel wächst die Nervosität. Der Iran-Krieg, der am 28. Februar begann, ist nach dem Zusammenbruch einer brüchigen Waffenruhe zurück – und diesmal geht es um mehr als militärische Symbolik. Es geht um die Kontrolle jener 33 Kilometer breiten Meerenge, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels floss.

Was in dieser Nacht geschah, lässt sich nicht mehr als Randnotiz eines fernen Konflikts abtun. Es ist der Moment, in dem der Krieg beginnt, europäische Tankstellen, deutsche Fabrikhallen und die Konten der Sparer zu erreichen.

Chronologie einer Nacht: Zwei Wellen, ein Ziel