„Die Stadt ist meine Bühne“, sagt Dragqueen Gaby Tupper und führt durch den ältesten queeren Kiez Europas – und die Geschichte homosexuellen Lebens.
Dragqueen Gaby Tupper bei ihrer Stadtführung durchs queere Berlin in der Motzstraße im Nollendorfkiez
Stefanie Loos
Gaby Tupper ist eine Person, die schon von Weitem zu sehen ist. In allen Farben des Regenbogens leuchtend, steuert sie auf das Café Ulrichs in Berlin-Schöneberg zu. Hier, vor den Fenstern des gemeinnützigen, queeren Etablissements, in dem es Kaffee, Kuchen und ein Aids-Testzentrum gibt, hat sich an diesem Freitagnachmittag bereits ein Grüppchen zusammengefunden. Gerade noch pünktlich trifft Tupper am vereinbarten Treffpunkt ein, küsst Wangen, schüttelt Hände, rückt sich die aufwändig toupierte blonde Perücke zurecht.
Seit über 10 Jahren bietet die selbsternannte Polittunte Gaby Tupper ihre Kieztour an: „Ich möchte queeres Leben öffentlich zeigen“, sagt die 50-Jährige, die über die Hälfte des eigenen Lebens in Schöneberg verbracht hat. Jetzt steht sie auf der Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße, hochgewachsen und majestätisch überblickt sie die Gruppe, die sie für die nächsten drei Stunden durch ihren Stadtteil und seine queere Geschichte führen wird. Eine klassische Stadtführerin sei Tupper jedoch nicht, vielmehr begreife sie sich als Künstlerin und Communityqueen, die auf offener Straße für die Sichtbarkeit der LGBTQ-Gemeinschaft einsteht.












