Erst haben die großen Hechte tot an der Wasseroberfläche getrieben. Dann hat der ganze See zu kippen gedroht. Den Mitgliedern des Angelsportvereins Beuerbach (ASV) und der Gemeinde Hohenstein ist es nun gelungen, das Ökosystem des Beuerbacher Sees zu stabilisieren. Auslöser der Misere ist eine fatale Kombination aus Umweltkriminalität und Klimawandel. Fürs Erste ist das Naherholungsgebiet gerettet, eine dauerhafte Lösung aber noch nicht gefunden.Es ist Mittwochmorgen, und Markus Kaczmarek, erster ASV-Vorsitzender, Franz Schiffer, Vorstandsmitglied, und Axel Rothe von der Gemeinde Hohenstein beobachten, wie ein Oberflächenbelüfter Sauerstoff in den etwa 1,8 Hektar großen Teich einbringt. „Vor einigen Wochen hat jemand sein altes Asbestdach im See verteilt, sodass am Ufer und im Wasser Asbestmüll lag“, berichtet der Vorsitzende. Um das giftige Material von einer Spezialfirma fachgerecht entsorgen zu lassen, mussten die Angler mehrere Tausend Kubikmeter Wasser ablassen, sodass der Wasserstand um etwa 70 Zentimeter sank.Der Oberflächenbelüfter läuft mit einem Dieselgenerator„Das bricht uns in diesem Jahr das Genick“, sagt Kaczmarek. Beide Zuflüsse zum See, der der Gemeinde Hünstetten (Rheingau-Taunus-Kreis) gehört und von den Anglern gepflegt wird, führen derzeit aufgrund der Trockenheit fast kein Wasser. „Der Klingelbach und der Schornbach sind nahezu trockengefallen“, ergänzt Schiffer. Als dann noch die große Hitze kam, war das zu viel für den kleinen See. „Vor etwa zwei Wochen hatten wir hier das erste große Fischsterben“, berichtet der Vorsitzende und klagt: „Die großen Hechte sind alle tot.“ In dem warmen Wasser sei viel weniger Sauerstoff als üblich, und dieser Mangel habe die Hechte getötet.Als die Angler die toten Fische treiben sahen, gelang es, mithilfe der Gemeinde Hohenstein sofort, einen Oberflächenbelüfter im See einzusetzen, der für mehr Sauerstoff sorgt. Das Gerät benötigt Strom, den es aber dort nicht gibt. In der Folge wurde ein mobiler Generator in Betrieb genommen, der am Tag etwa 60 Liter Diesel verbraucht. Das ist auf Dauer für den kleinen Verein mit rund 80 Mitgliedern unbezahlbar, auch wenn das Aggregat mittlerweile nur noch nachts läuft.Verendet: Ein toter Fisch liegt noch im Beuerbacher See.Ben KilbIn ihrer Not haben die Angler einen Spendenaufruf auf Facebook veröffentlicht und einen Flyer erstellt. Die Resonanz ist laut Schiffer „wahnsinnig“, es sind bereits mehrere Tausend Euro eingegangen. Das ist aber auch nötig, denn eine umweltschonende und nachhaltige Lösung könnte nach Einschätzung des Vorstandes bis zu 50.000 Euro kosten. Die Angler diskutieren aktuell, eine Photovoltaikanlage zu installieren, die dann das Stromaggregat und einen Kompressor mit Energie versorgt. Allein den ausgeliehenen Oberflächenbelüfter zu ersetzen, kostet rund 12.000 Euro.Das Feuchtbiotop ist die Heimat zahlreicher Vögel und AmphibienEs wird aber nach Einschätzung von Schiffer nicht ausreichen, nur Sauerstoff in den See zu pumpen. Daher wird überlegt, den im Schnitt etwa drei Meter tiefen Teich auszubaggern und angespültes Sediment zu entfernen. Der See ist 1982 gebaut worden. Schiffer weist darauf hin, dass sich das Klima seitdem geändert hat. Daher müsse überlegt werden, wie das Gewässer an die Klimaveränderungen angepasst werden kann. „Die Bevölkerung sieht den See nach wie vor als Erholungsgebiet und weiß, wenn der umkippt, ist hier in der Nähe nichts Vergleichbares zu finden“, sagt Schiffer.Auf Kritik, man könne doch jetzt kein CO₂ in die Luft blasen, um den See zu retten, antwortet Schiffer: „Wir hatten keine andere Wahl, um zu verhindern, dass der See kippt.“ Das bestätigt Rothe, nach dessen Auskunft bereits Faulgase aufgestiegen waren. Ein gekippter See wäre auch das Ende des Naherholungsgebietes gewesen, weil die Schwefelwasserstoffgase wie faule Eier riechen, gibt er zu bedenken.Der Teich mit seinem Feuchtbiotop ist zudem die Heimat zahlreicher Vögel und Amphibien. Die Erdkröte und der Springfrosch sind dort zu Hause, ebenso wie Libellen, Schmetterlinge, Korn- und Ringelnattern. Im Wasser schwimmen Barsche, Forellen, Karpfen, Hechte und Zander sowie Aale.Die Beuerbacher Angler sind mit ihren Sorgen nicht allein. Aktuell drohen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg mehrere Gewässer zu kippen, meldet die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“. Und am Steinhuder Meer in Niedersachsen sowie am Maschsee in Hannover wurden Hunderte Kilo toter Fische aus den Gewässern geholt, weil diese ebenfalls zu warm waren, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat eine Broschüre mit dem Titel „Hilfe für Seen im schlechten Zustand – ein Leitfaden“ veröffentlicht, die Kommunen, Behörden und Angelvereinen helfen soll, die Probleme in den Griff zu bekommen. Der Leitfaden kann unter www.igb-Berlin.de heruntergeladen werden.Wer den Anglern beim Kampf um den Erhalt des Sees helfen möchte, kann sich auf ihrer Homepage unter https://asv-beuerbach.jimdosite.com informieren.
Hohenstein: Beuerbacher See vor dem Kippen gerettet
Der Beuerbacher See drohte zu kippen. Der Angelsportverein hat ihn gerettet und sucht nun nach nachhaltigen Lösungen, um das Naherholungsgebiet dauerhaft zu schützen.






