Ein typischer Tag in Atlanta verläuft derzeit so: Morgens scheint die Sonne, mittags bilden sich die Wolken und nachmittags entlädt sich das Gewitter. Kurzzeitig überflutet der Starkregen die Straßen von Downtown. Die gute Nachricht: Die Wetterkapriolen können dem WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien am heutigen Mittwochabend (15. Juli, 21 Uhr MESZ) nichts antun. Das Atlanta Stadium verfügt über ein verschließbares Dach und einen gewaltigen Kühlapparat. Was aber nicht daran ändert, dass diese Partie ähnlich aufgeladen wie die Gewitterwolken über dem Bundesstaat Georgia rüberkommt. Und das liegt nicht an der feuchten, heißen Luft vom Golf von Mexiko, sondern an der Geschichte. Eine der intensivsten Rivalität im Weltfußball, weil die große Politik und die Hand Gottes reinspielen.Alles führt auf den Falklandkrieg zurück, als 1982 die argentinische Militärjunta die seit 1833 von den Briten verwaltete Inselgruppe besetzte und die Rückeroberung viele Menschenleben kostete. Diego Armando Maradona sprach von „Vergeltung“, als er sich im WM-Viertelfinale 1986 in der dünnen Luft von Mexiko-Stadt gegen England in die Luft schraubte, um „mit der Hand Gottes“ den Ball ins Tor zu stupsen. Der Wunderknabe sollte noch ein Solo zum „Jahrhundert-Tor“ folgen lassen. Die Neuauflage im WM-Achtelfinale 1998 brachte David Beckham eine der größten Hasskampagnen im englischen Fußball ein, nachdem die „Three Lions“ nach seiner Roten Karte eine flirrende Begegnung im Elfmeterschießen verloren. Vier Jahre später sollte die Popikone einen Strafstoß im Gruppenspiel verwandeln – und die Argentinier heimreisen.