Am kommenden Wochenende wird in Deutschland der Höhepunkt der Sommerreisewelle erwartet. Mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg haben dann alle Bundesländer Sommerferien. Wer mit dem Auto in die Ferien startet, wird vermutlich nicht nur sorgenvoll auf die zu erwartenden Staus blicken, sondern auch auf die ohnehin heiß diskutierten Preise an den Tankstellen. Ausgerechnet jetzt ist der Ölpreis von einem Tag auf den anderen um bis 12 Prozent ungewöhnlich deutlich nach oben gesprungen. Noch am Montag kostete etwa ein Barrel (rund 159 Liter) der Ölsorte Brent zeitweise 77 Dollar. Am Dienstag waren es erstmals seit einem Monat in der Spitze wieder mehr als 86 Dollar.Auslöser des Preissprungs war neben der abermaligen Eskalation im Irankonflikt auch die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, für die sichere Durchfahrt durch die Meerenge von Hormus Gebühren in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes verlangen zu wollen. Nur einen Tag später rückte dieser offenbar nach Geprächen mit verschiedenen Ländern der Region von dieser Idee plötzlich wieder ab, um stattdessen ein Handels- und Investitionsabkommen mit den Golfstaaten anzustreben. Er möge das Konzept einer Gebühr nicht. Trump hatte am Montag auch die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuerten oder von diesen abfuhren.Vor Beginn des Irankriegs wurde etwa ein Fünftel der Lieferungen an Rohöl- und Flüssiggas auf der Welt auf diesem Handelsweg transportiert, aber auch viele andere wichtige Waren. Zuletzt hatten die Märkte einen wie auch immer gearteten Kompromiss eingepreist, nun sind aber Unsicherheit und das Risiko wieder gestiegen. Die Aktienmärkte auf der Welt schwankten am Dienstag zwischen Gewinnen und Verlusten. Der Dax pendelte rund um 25.000 Punkte.Benzinpreis deutlich gestiegenMit dem Wiederaufleben des Konflikts zwischen den USA und Iran sowie immer neuen Wendungen rund um die so wichtige Handelsstraße ist nicht nur der Ölpreis wieder gestiegen. Auch an der Tankstelle dürften die Turbulenzen nicht ohne Folgen bleiben, nachdem die Kraftstoffpreise in Deutschland zuletzt unter anderem durch das Auslaufen des Tankrabatts in den ersten Julitagen schon deutlich gestiegen waren (siehe Grafik). Nach Zahlen des Internetportals Clever Tanken vom Dienstagmorgen kostete der Liter Diesel am Vortag in Deutschland im Durchschnitt 2,015 Euro, für Super E10 waren es 2,044 Euro. Am Dienstag selbst dürfte es mehr sein. Anfang April waren die Preise durchschnittlich auf bis zu 2,436 Euro für Diesel und 2,184 Euro für Benzin gestiegen.In der Regel bewegten sich Öl- und Benzinpreise im Gleichschritt, sagt Pascal Kielkopf von HQ Trust. Doch nach dem Schock durch den Irankrieg und zeitweiligen Markterholungen liege die Preisentwicklung von Benzin noch immer deutlich über der des Rohöls. Das Ende des Tankrabatts hierzulande erkläre nur einen Teil des aktuellen Aufschlags der Kraftstoffpreise, der so hoch sei wie selten zuvor, sagt der Kapitalmarktstratege des Family Offices. Denn es gebe einen Markteffekt, der stärker wirke als die Steuerpolitik.Kielkopf hat für seine Analyse den Preis für ein Barrel der US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) und den entsprechenden Großhandelspreis für Benzin seit 1983 verglichen und aus der Differenz den „Crack Spread“ errechnet. Dieser beschreibe den Aufschlag von Benzin gegenüber Rohöl und gelte als wichtiger Indikator für die Knappheit von Kraftstoffen und die Margen der Raffinerien, sagt er. Aktuell kostet WTI rund 80 Dollar je Barrel, vor dem Ausbruch des Krieges waren es 67 Dollar, später bis zu 119 Dollar.Der Blick auf die vergangenen vier Jahrzehnte zeige, dass dieser Aufschlag in normalen Zeiten typischerweise weniger als 20 Dollar je Barrel betrage und über weite Strecken sogar im niedrigen Zehn-Dollar-Bereich gelegen habe, sagt Kielkopf. In Krisenphasen hingegen steige der Crack Spread deutlich: „Etwa während des Arabischen Frühlings 2011/2012 oder nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022, als die Aufschläge zeitweise deutlich über 40 Dollar kletterten.“Der Benzinpreis wird bekanntermaßen nicht allein vom Ölpreis bestimmt. Zwar sei Rohöl derzeit ausreichend verfügbar, doch die Raffinerien könnten ihr Angebot kurzfristig nicht in gleichem Maße ausweiten, sagt Kielkopf. Die knappen Verarbeitungskapazitäten hielten die Benzinpreise hoch. So sei der Benzinpreis zwischenzeitlich bei Weitem nicht so stark gefallen wie der Ölpreis. Dadurch sei der Aufschlag der Benzinpreise deutlich gestiegen. Mit aktuell 56 Dollar je Barrel erreiche dieser ein Niveau, „das wir seit 1983 erst in drei ausgeprägten Krisenphasen beobachtet haben“. Das Ende des Tankrabatts habe den Literpreis zwar wieder um rund 17 Cent erhöht. Der hohe Benzinpreis erkläre sich aber vor allem durch den deutlich ausgeweiteten Aufschlag des Benzinpreises gegenüber dem Ölpreis.Aufschläge dürften sich wieder normalisierenWas heißt dies für Verbraucher? Der Aufschlag des Benzinpreises sei in erster Linie Ausdruck eines Produktionsschocks auf der Welt, sagt Kielkopf. Der von wenigen großen Ölkonzernen dominierte Markt könne die Margen in der Spitze zwar verstärken, dominierende Preistreiber seien jedoch die Rohölpreise, die Angebotsbedingungen in den Raffinerien und das staatliche Steuerregime. Beobachtungen aus früheren Krisen sprächen dafür, dass sich die Aufschläge wieder normalisierten. Sobald Raffinerien ihre Produktion wieder ausweiteten und Lieferketten neu organisiert seien, gingen diese zurück. Erfahrungen und aktuelle Kapazitätsprognosen sprächen aber eher für eine zähe Normalisierung innerhalb der kommenden Monate. Die Urlauber der diesjährigen Sommerreisewelle dürften davon kaum profitieren.Laut Automobilclub ADAC werden auf den Autobahnen vor allem am Freitagnachmittag und Samstagvormittag lange Staus erwartet, wenn neben den Reisenden auch Tagesausflügler unterwegs seien. Mit einem erhöhten Reiseaufkommen durch Urlauber aus Nachbarländern sei zudem zu rechnen. Und nicht zu vergessen: Rund 1000 Baustellen dürften den Verkehr auf der Fahrt in den Urlaub überdies behindern.