Technik bedeutet Fortschritt! Was mit dem Eierkocher, dem Sprungfeder-Toaster, dem Mähroboter und der Einparkhilfe begann, das findet in U1 dieser Tage eine beeindruckende Fortsetzung. Der neue humanoide Roboter aus China „läuft“, „tanzt“ und „ist präsent“, wie das Computermagazin Chip auf seiner Webseite jubelt. Noch mehr: Der „hyperrealistische“, aufladbare Zweibeiner halte gar „ein Leben lang“ und erkenne bei Menschen „mehr als 20 emotionale Zustände“. Und damit deutlich mehr als jeder andere, mit dem man bisher Küche, Bad und Bett geteilt hat.Klar, Sex bleibt vorerst ein Problem. Denn wie der britische Independent zu berichten weiß, ist U1 zu intimen Beziehungen bislang nicht fähig. Aber das wird schon noch. Über „biometrische Haut“ verfüge er bereits. Zwischen Touchscreen und Parmesanhobel lässt sich die zur Bewältigung des ein oder anderen emotionalen Zustands sicher schon bald gewinnbringend einsetzen. Ab September soll U1 dann für nur 15 415 Euro in der Grundversion zu haben sein. In China hofft man nun, so ein Gerät könne langfristig die Lebenserwartung von Alleinlebenden erhöhen. Also ähnlich wie vielleicht der „Empathie-Roboter“, den die Münchner CSU-Fraktion im Stadtrat gerade erfolgreich für den Einsatz in Seniorenheimen beantragt hat. („Er kann plaudern“ und „Witze erzählen“, heißt es in der Pressemitteilung.)Wäre U1 nicht auch was für die nächste Papstaudienz?Ob Robert und Matilda Sex hatten, in der Hochzeitsnacht? Die russischen Roboter haben soeben in der Moskauer Puschkin-Bibliothek geheiratet. Ihre Trauung könne zum intensiveren Umgang mit Technologie anregen, meinte Anna Baghdasaryan von der Firma, die sie gebaut hat. Ihre Ehegelübde hatte zuvor künstliche Intelligenz generiert. Eine schöne Idee am „Russischen Tag der Familie, Liebe und Treue“! Endlich dürfen auch Roboter in Russland den Bund fürs Leben schließen. Zumindest, wenn sie heterosexuell sind. Zwar erinnerten Robert und Matildas Köpfe den ein oder anderen westlichen Beobachter an jene Düsen, mit denen man neben dem Waschbecken seine Hände trocknen kann. Aber das könnte natürlich auch böse Propaganda gewesen sein.Wer statt eines chinesischen oder russischen Roboters übrigens einen aus den USA bevorzugt, der kann sich dieser Tage Isaac liefern lassen. Isaac kostet rund 8000 US-Dollar und soll mittlerweile nicht nur Wäsche falten, sondern auch Kissen aufschütteln und den Boden saugen können, was ihn zu einem beliebten WG-Mitbewohner machen dürfte.Da wird es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die jährliche Militärparade am Roten Platz, der chinesische Volkskongress oder die nächste Trump-Feier in Washington, D. C., ausschließlich mit Roberts, Matildas und Isaacs stattfinden wird. Und wäre U1 nicht auch was für die nächste Papstaudienz oder den großen FIFA-Sport-Event? Als Mensch sollte man halt nur fürchterlich aufpassen, dass die Roboter dort ganz unter sich bleiben. Denn in einem chinesischen Vergnügungspark in Xinjiang hat gerade einer von ihnen während einer Kampfkunst-Darbietung einem Kind recht empathielos in den Bauch getreten. Aber wahrscheinlich hat das Kind der KI seinen emotionalen Gemütszustand zuvor auch nicht adäquat vermittelt.