Der Sommer ist die schönste Zeit – zumindest in unseren Erinnerungen. Einem kommt der Geruch von Pinienwäldern in Italien in den Sinn, endlose Sommerferien und Apérol auf der Terrasse. Dabei ist der Sommer, den man gerade erlebt, oft so: Man schwitzt im Büro, vom Apérol in der Sonne kriegt man Kopfweh, und die Kinder wollen sechs Wochen lang beschäftigt werden. Richtig schön scheint der Sommer erst, wenn er vorbei ist. Nun kennt die Wissenschaft gute Gründe, warum wir im Sommer zufriedener sind: Sonnenlicht verbessert den zirkadianen Rhythmus. Wir verbringen mehr Zeit unter freiem Himmel, was die Stimmung aufhellt. Schon ein 20-minütiger Spaziergang reduzierte in einer Studie Stresshormone. Warum die vergangenen Sommer schöner erscheinen, kann Kognitionspsychologe Karl-Heinz Bäuml erklären. Er forscht an der Universität Regensburg zum episodischen Gedächtnis. Das wiederum ist der Grund dafür, dass wir die Augen schließen und gedanklich wieder im Ferienlager an der Nordsee sein können. Hier werden auch Begleitumstände eingespeichert wie: Wonach hat es gerochen? Schien die Sonne? Solche Details merkt sich das Gehirn nicht, wenn es nur um Informationen geht.Keiner weiß, ob ein Hauch von Lindenblüten in der Luft lag, als er gelernt hat, wie Onlinebanking funktioniert. Nahezu jede Person hat besonders viele Erinnerungen an die Zeit zwischen dem zehnten und dreißigsten Lebensjahr. Psychologen sprechen vom Reminiscence Bump. Das Gehirn und damit das Gedächtnis ist in dieser Zeit am leistungsfähigsten. Zudem erlebt man vieles zum ersten Mal. Wir erinnern uns besser an besondere Erlebnisse, die mit Emotionen verbunden sind, wie der erste Campingurlaub oder die Abiturfeier. Solche Ereignisse häufen sich im Sommer. „Das Gedächtnis hat so etwas wie einen Konkurrenzmechanismus“, sagt Bäuml. Dass uns vergangene Sommer als besonders schön erscheinen, ist auch dem Pollyanna-Prinzip zu verdanken. Jeder kennt es: Leute kommen aus dem Urlaub zurück und klagen über den Müll an den Stränden und die schwüle Hitze in Thailand. Doch ein Jahr später war die Reise perfekt, und sie reden nur noch von den phantastischen Sonnenuntergängen. Das Gedächtnis pickt sich positive Dinge heraus, sagt Bäuml.Studienteilnehmer können spontan schneller und detaillierter positive Erlebnisse abrufen als negative. Dazu kommt der Fading Affect Bias: Die Emotionalität reduziert sich in der Erinnerung an negative Dinge stärker als an positive. Darum erinnert man sich daran, wie lecker die Pommes im Freibad waren, aber nicht, wie lästig es war, dafür eine Stunde am Kiosk anzustehen. Dieser Effekt zeigt sich in einer Studie schon zwölf Stunden nach dem Erlebnis. Was wir im Gedächtnis behalten, wird außerdem von unserer Stimmung in dem Moment beeinflusst: Wenn wir gut drauf sind, erinnern wir uns eher an Positives. „Man hat das Gefühl, das Gedächtnis tut viel dafür, dass unser psychischer Zustand möglichst angenehm bleibt“, sagt Bäuml. Wer sich häufiger an Positives erinnert, hat Studien zufolge ein geringeres Risiko für Depressionen. Ob man noch weiß, wo man 1996 Urlaub machte, hat Bäuml zufolge nichts mit der Erinnerungsfähigkeit zu tun. „Individuelle Unterschiede spielen über so lange Zeiträume eine geringe Rolle.“An wie viel man sich erinnert, hängt vielmehr davon ab, wie oft man daran denkt. Jedes Mal wird die Erinnerung neu konsolidiert. „Das wird dann auf gleiche Weise abgespeichert wie bei einem neuen Erlebnis“, sagt Bäuml. Er hat dies etwa in einer Studie in „PNAS“ 2022 bei Studierenden gezeigt, die sich Wörter einprägen sollten. Sie erinnerten sich besser, wenn einige der Wörter immer wieder abgerufen wurden. Dieser Mechanismus könnte auch dazu führen, dass wir uns an schöne Sommer besonders gut erinnern: Man spricht bei jeder Familienfeier davon, hat Urlaubsfotos an der Wand hängen. Durch solche Schlüsselreize kann man auch versteckte Erinnerungen hervorkitzeln: Man redet mit anderen darüber, liest Reisetagebücher, tastet sich gedanklich von den Umständen aus heran. Auch wenn Sie den Sommer gerade nicht so schön finden: Ihr Gedächtnis macht bestimmt das Beste draus. Und wenn nicht: Einfach nicht mehr drüber sprechen!Paradoxer Effekt des AlkoholsEin kühles Pils im Biergarten ist bei Hitze besonders schön. Unglücklicherweise scheint man es jedoch genau dann schlechter zu vertragen. Hitze belastet den Kreislauf: Die Blutgefäße sind erweitert, um Wärme abzugeben. Alkohol verstärkt diesen Effekt. Der Blutdruck sinkt, einem wird schwindelig. Alkohol hemmt zudem die Produktion des Hormons ADH, das Flüssigkeit im Körper zurückhält. Das Ergebnis: Die Nieren scheiden mehr Wasser aus – und wir müssen häufiger pinkeln. Ungünstig, wenn man eh schon viel schwitzt. So viel zur Theorie. Genauer untersucht haben das 2024 Wissenschaftler in Australien, wo bei Wüstenhitze britische Trinkgewohnheiten herrschen. Sie fanden nur acht Studien, die sich dem Zusammenspiel von Alkohol und Hitze widmeten. Und eine dehydrierende Wirkung, die zu Veränderungen im Blut führte, sahen sie nur bei sehr großen Mengen Alkohol. Auch störte Alkohol in Maßen die Kühlungsmechanismen des Körpers nicht. Dennoch ist im Biergarten Vorsicht geboten: Den Trinkern war weniger heiß. So könnte Alkohol dazu verleiten, zu lange in der Sonne sitzen zu bleiben.
Warum Urlaube in der Erinnerung noch viel schöner sind
Wie ungesund ist Schwimmbadwasser? Wieso schützt grüne Kleidung vor UV-Strahlen? Und wonach riecht Sommerregen? Die Wissenschaft hat viel zum Sommer erforscht. Hier kommen die nützlichsten Fakten.









