Werden wir den Sommer je wieder lieben? Oder geht das nur noch mit Klimaanlage?Die Kolumne der «Scharfen Zungen».Patti Basler und Corinne Sutter12.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenHitze macht bisher Selbstverständliches zum luxuriösen Genuss: Zum Beispiel ein Bad im kühlen Fluss. Hier im Rhein in Basel.Georgios Kefalas / KeystoneEndlich können wir unserer Bestimmung folgen als scharfzüngige Ratgeberinnen für das besorgte Lesepublikum. Diesmal zum Sommer, einst die unbeschwerteste Jahreszeit überhaupt. Das scheint nun anders. Jeder Hitzetag wird zum düsteren Vorboten des Klimawandels, jeder Sonnenstrahl erinnert an die Apokalypse. Viele Leserinnen und Leser fragen sich: Werden wir den Sommer je wieder lieben? Oder geht das nur noch mit Klimaanlage?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Corinne SutterNatürlich werden wir den Sommer weiterhin lieben, gerade die Hitze verhilft uns zu ungeahnten Genüssen. Zuerst sieht das Auge nur braune Wiesen. Die Schweiz wirkt wie eine halbe Portion Rösti, die auf der besonnten Bundeshausterrasse vergessen wurde.Fundiert und bodenständig betreiben wir Forschung und Forstwirtschaft. Frost kommt dadurch nicht zurück. Der Wald selbst würde es richten, wenn wir ihn denn liessen. Back to the roots! Lassen wir den Wald sich ausbreiten wie ein Gerücht auf der Bundeshausterrasse. Nur nachhaltiger. Bloss Bäume mit Tiefgang und Wurzeln bis zum sinkenden Grundwasserspiegel trotzen dem Klima. Zartere Pflänzchen gehen beim ersten Hitzetag ein wie unsere Klima-Vorsätze in Ferienzeiten.Persönlicher Genuss ist uns wichtig. Karnivore Exzesse, Ferienflüge, schneller, höher, weiter. Nur beim eigenen Impact aufs grosse Ganze geben wir uns nichtig und klein. Was cha dr chli Ma gäg s’gross Klima? «Jede einzelne Stimme zählt» ist zwar die Wurzel unserer Demokratie. Doch die politische Verzichtskeule taugt nicht zum Stimmenfang: Wer keine Wahl lässt, gewinnt keine Wahl.Statt von Regulierungspolitik wird die Natur neu von der Wirtschaft inspiriert. Verknappung zieht! Je exklusiver ein kühler Genuss, desto mehr sind wir on fire!Der Wert des Baumes im begrenzten Gärtchen stellt jede ausverkaufte Klimaanlage in den Schatten.Das weniger werdende Quellwasser lässt als exquisiter Genuss den Wein im Keller alt aussehen. Exklusiv eingeflogene Flaschen haben ja auch beim WEF längst keine Hochkonjunktur mehr.Fahrtwind auf dem eng bemessenen Radstreifen wird ein knappes Gut. Mit jeder Brise werden gesammelte Flugmeilen links überholt.Die Hitze zwingt uns also nicht zum Verzicht, sondern macht bisher Selbstverständliches zum luxuriösen Genuss. Künstliche Knappheit weicht natürlicher Coolness. Und wer tief wurzelt, muss andern nicht das Wasser abgraben.Patti Basler«Wann wird’s mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war?», fragte einst Rudi Carrell und fuhr weiter: «Wir brauchten keine grosse Reise, wir wurden braun auf Borkum und auf Sylt. Heute sind die Braunen nur noch Weisse . . .» Endlich ist mal wieder richtig Sommer, auf Sylt trifft man bereits vorgebräunt ein, was Nazi-Schlachtrufe beweisen, und die Braunen sind nur noch Weisse. Alles erfüllt!Und jetzt ist es doch wieder nicht recht.Lasst uns dem Untergang heiter entgegensehen. Wie Slam-Poet Kilian Ziegler einst kalauerte: «S glasse neh, s’ Glace näh.»Als hotten Sommertrend tanzen wir den Apocalypso auf dem heissen Vulkan. Eine im Gleichtakt zusammengeschweisste Schweiz, instagramable!Der Hitze fieberten wir einst entgegen mit teuren Reisen in den Süden. Völlig unnötig! Neu reist der Süden zu uns! Samt Klimaflüchtlingen im Gepäck, was den überhitzten Städten noch die passende exotische Atmosphäre verleiht.Sparen wir uns Spenden für Sterbetourismus. Die Hitze rafft grenzüberschreitend Alte, Schwache, unheilbar Kranke dahin – zuverlässiger als Suizid-Beihilfe.Ich widerspreche Corinne in einem Punkt: Politik inspiriert die Temperatur. Mit kurzer Zündschnur statt Kaltem Krieg. Das aufgeheizte politische Klima verheisst ein 1.-August-Feuerwerk ohne China-Import.Selbst AKW-Befürworter erhalten Aufwind. Kostspielige Kühltürme dienen dem Volk als Swimmingpool im strahlendsten Badewetter!Windkraftanlagen finden willige Anleger seit der anhaltenden Windstille. Diese nachhaltigen Wirtschaftsrotoren werden mit Solarenergie vom Dach angetrieben. Wozu Klimaanlagen, wenn ein überdimensionierter Ventilator im Garten steht?Den ersehnten Regenschauer bringen die Deutschen. Mit ihren Tränen. Sie haben wirklich keinen Grund, den Fussballsommer so heiss zu lieben wie einst.Böse Zungen sagen: Die Hitze ertragen wir nur mit Klimaanlagen!«Scharfe Zungen» sagen: Die besten Klima-Anlagen sind Gelder, welche klimafreundlich angelegt werden.Patti Basler ist Kabarettistin und Autorin und lebt in Baden, Corinne Sutter ist Künstlerin und multidisziplinäre Performerin. Zusammen sind sie das Podcast-Duo «Scharfe Zungen».Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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Die Kolumne der «Scharfen Zungen».












