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Rossmann steht bereit – die Drogeriekette will eine eigene Versandapotheke eröffnen. Foto: PR Versandapotheken: DocMorris bekommt mitten in der Erholung neue Konkurrenz Vor allem Drogerieketten drängen in das Geschäft mit Versandapotheken. Gegen die etablierten Anbieter kommen sie aber nur schwer an.

In einigen Monaten geht es los: Ende des Jahres startet die Drogeriekette Rossmann ihre eigene Online-Apotheke. Kundinnen und Patienten sollen dort auch ihre E-Rezepte einlösen können, kündigte das Unternehmen vor wenigen Tagen an. Beliefert werden sie dann aus dem niederländischen Emmen, einige Kilometer hinter der deutschen Grenze gelegen.Der Konkurrent dm ist bereits Ende vergangenen Jahres mit seiner Online-Apotheke gestartet. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen zwar nicht. Man sei „zufrieden“, lässt Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, ausrichten: „In einzelnen Produktgruppen konnten wir zeitweise eine besonders hohe Nachfrage verzeichnen, beispielsweise bei Antiallergika im Frühjahr oder aktuell im Bereich Reiseapotheke.“Der Markt für Versandapotheken nimmt Fahrt auf – auch weil Rezepte mittlerweile bequem digital eingelöst werden können. Rossmann und dm dürften nicht die letzten Newcomer bleiben. Auch die Drogeriekette Müller und der Lebensmittelhändler Rewe gelten als interessiert. Über Pläne von Amazon, eine eigene Versandapotheke zu gründen oder zu übernehmen, wird immer mal wieder spekuliert. Laut der Beratung Sempora könnten die neuen Player in einigen Jahren einen Marktanteil von 30 bis 40 Prozent im Versandapothekengeschäft kommen.Gesundheitskosten Gesundheits-Sparpaket vor dem Ziel – was steckt drin? Sie treffen dann allerdings auf zwei etablierte Konkurrenten, die sich nicht ohne Weiteres das Geschäft wegnehmen lassen – die Shop Apotheke und DocMorris.Beide zusammen beherrschen etwa zwei Drittel des Versandapotheken-Geschäfts in Deutschland. Beide sind schon seit Jahrzehnten am Start, beliefern ihre Klientel aus der niederländischen Grenzregion und verfügen über reichlich Know-how bei Logistik und IT. Rossmann und dm wollen dagegen mit ihrer besseren Kundennähe punkten.Marktführer ist die Shop-Apotheke mit einem Jahresumsatz von fast drei Milliarden Euro. Für deren Bekanntheit sorgt seit Jahren auch das Werbegesicht von Günther Jauch, der im TV beharrlich erklärt, wie einfach sich das E-Rezept über die App der Shop-Apotheke einlösen lässt. Etwa vierzehn Millionen Kundinnen und Kunden nutzen den Service inzwischen.Auf und Ab für DocMorrisDocMorris, das einst als erstes Unternehmen den tradierten Apothekenmarkt aufmischte, kommt zwar nur auf einen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro. Doch inzwischen steht das Unternehmen – nach Jahren des Niedergangs – vor einem Turnaround. Noch in diesem Jahr soll die Gewinnschwelle erreicht werden. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab. Für die Deutsche Bank ist die Aktie inzwischen eine klare Kaufempfehlung. Insbesondere die IT-Infrastruktur – mit dem Videosprechstunden-Anbieter Teleclinic – gilt den Analysten als vorbildlich. Die digitale Kompetenz der etablierten Anbieter dürfte den neuen Konkurrenten noch zu schaffen machen.Freilich: Vom Image des einstigen Apotheken-Schrecks war bei DocMorris lange Zeit kaum etwas übrig geblieben. Zuletzt verschreckte das Unternehmen vor allem die eigenen Aktionäre. Die Aktie war lange Zeit nur wenige Euro wert.Der Abstieg begann vor über einem Jahrzehnt. 2007 kaufte der Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio DocMorris, der charismatische Gründer Ralf Däinghaus trat bald darauf ab. Celesio hatte große Pläne mit DocMorris. In den Innenstädten entstanden auf einmal klassische Vor-Ort-Apotheken mit dem DocMorris-Logo. Die niederländische Versandapotheke wollte fortan nicht nur im digitalen, sondern auch im stationären Geschäft erfolgreich sein.Dann allerdings rebellierten die Kunden von Celesio – die Apothekeninhaber, welche DocMorris immer noch in inniger Feindschaft verbunden waren. Sie liefen Sturm gegen die Neuerwerbung; viele drohten mit Kündigung.Zu viele Übernahmen, zu wenig Geld2012 stand DocMorris wieder zum Verkauf. Den Zuschlag erhielt die Schweizer Versandapotheke Zur Rose. Unter dem neuen Eigentümer ließ es sich zunächst gut an. 2017 brachten die Schweizer DocMorris an die Börse, ab 2018 kauften sie zahlreiche andere, kleinere Versandapotheken (apo-rot, medpex) sowie mit Teleclinic, einen Pionier für Videosprechstunden, hinzu.Versandapotheke So wurde DocMorris vom Apotheken-Schreck zum Sanierungsfall DocMorris schreckt keine Apotheken mehr, nur noch seine Aktionäre. Der große Rivale ist enteilt. Nun droht ein zäher Machtkampf. von Jürgen SalzDas Problem war nur: Es gab nicht genug Geld, um das Wachstum der zugekauften Unternehmen anzustoßen. Zudem hatten die Schweizer ihre teuren Akquisitionen mit Wandelanleihen finanziert, die dann in den wirtschaftlich schwierigen Folgejahren zurückgezahlt werden mussten. Die Zukäufe wurden zur Last, die Verluste weiteten sich aus, an der Börse ging es immer weiter abwärts.Zudem hatte DocMorris, viel stärker als die Shop-Apotheke, auf die Einführung des elektronischen Rezeptes gesetzt, dessen Start der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn für 2022 avisiert hatte. Fortan sollten Kunden ihre Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente einfach digital schicken, statt sie auf Papier einzureichen. 2021, mitten in der Corona-Pandemie, lancierte DocMorris eine teure Werbekampagne („Warum ist 2021 und mein Rezept ist noch so Achtziger?“). Doch kurz vor dem geplanten Termin zog Spahn wieder zurück, das Werbegeld versickerte. Mit DocMorris ging es nun noch weiter abwärts.Stellenabbau und Kürzungen„Rückblickend weiß man es immer besser und würde teilweise sicherlich anders entscheiden“, sagte CEO Walter Hess der WirtschaftsWoche im Frühjahr. „Aus heutiger Sicht hätten wir vermutlich weniger Übernahmen von Online-Apotheken gemacht und uns stärker auf organisches Wachstum fokussiert.“In jüngster Zeit hellte sich die Lage etwas auf. Nach den großen Investitionen der Vergangenheit reduzierte und optimierte DocMorris die Marketingausgaben, die Verluste wurden geringer. Ende Juni kündigte DocMorris den Abbau von 100 Vollzeitstellen an – durch die Automatisierung von Arbeitsprozessen sollen die Kosten weiter gesenkt werden.Krankschreibung Attest ab dem ersten Tag? Diese Digitalunternehmen können es kaum erwarten Die geplante Attestpflicht könnte Telemedizin zur attraktiveren Wahl machen. TeleClinic, Doctolib und CompuGroup setzen auf die Videosprechstunde – verdienen ihr Geld aber an anderer Stelle. von Alana DiderichsIn ihrem Report schreibt die Deutsche Bank, dass es nach einer Phase, die etwa „von Bedenken hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs“ geprägt war, nun wieder aufwärts gehe „in Richtung Gewinnwachstum, Verbesserung des Cashflows und Monetarisierung des digitalen Gesundheitsökosystems von Doc Morris.“Teleclinic – ein versteckter EdelsteinDigital will DocMorris jetzt vor allem mit seinem neuen KI-basierten Gesundheitsberater punkten. Wer die DocMorris-App heruntergeladen hat, kann dort etwa seine Krankheitssymptome checken und sich über die hauseigene Telemedizin-Plattform an einen lokalen Arzt oder eine Ärztin weiterleiten lassen. „Das sucht in Europa seinesgleichen, so etwas hat sonst nur noch Amazon in den USA“, sagt CEO Hess.Besondere Stücke halten die Analysten der Deutschen Bank auf den zu DocMorris gehörenden Videosprechstunden-Anbieter Teleclinic. Der sei ein „versteckter Edelstein“, schreiben sie. Bei dem führenden Telemedizin-Anbieter sind bereits 7000 Ärztinnen und Ärzte am Start, die dort etwa digitale Sprechstunden abhalten. Insgesamt gab es bereits vier Millionen Konsultationen. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibungen, schreiben die Analysten, könnte das Geschäft von Teleclinic noch befördern. Denn statt sich krank zur Praxis zu schleppen, würden wohl viele Patientinnen und Patienten die nach wie vor erlaubten Videokonsultationen nutzen.Mit Verweis auf die zunehmende finanzielle Solidität und die digitalen Möglichkeiten konnte CEO Hess seine Aktionärinnen und Aktionäre auf der Hauptversammlung im Mai auf seine Seite ziehen. Eine Attacke des Großaktionärs Pelion, den Verwaltungsrat von DocMorris neu zu besetzen, schlug jedenfalls fehl.Nun muss Hess allerdings auch liefern und bald die Gewinnschwelle erreichen. Mitte August möchte sich DocMorris konkret dazu äußern, wie es weitergeht. Denn die nächsten Herausforderungen warten schon – etwa neue Konkurrenten wie dm und Rossmann. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick