Während Cyberkriminalität längst als eine der größten Bedrohungen für die deutsche Wirtschaft gilt, tappt der Freistaat Sachsen bei der Erfassung der tatsächlichen Schäden weitgehend im Dunkeln. Das offenbaren zwei Kleine Anfragen des BSW-Abgeordneten Bernd Rudolph an die sächsische Staatsregierung.

Die Dimension des Problems ist gewaltig. Der jährliche Schaden durch Erpressung, Sabotage und Hackerangriffe wird bundesweit auf mehr als 200 Milliarden Euro geschätzt. Die Vizepräsidentin des Bundeskriminalamtes, Martina Link, spricht von einer „erheblichen volkswirtschaftlichen Dimension“. Besonders schwere Cybercrime-Delikte hätten zuletzt deutlich zugenommen.

Eine aktuelle Bitkom-Studie aus dem Jahr 2025 unterstreicht die Brisanz: 61 Prozent der Internetnutzer in Deutschland waren demnach in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Cyberkriminalität – von Betrug beim Onlinehandel über Datendiebstahl bis hin zu Schadsoftware-Attacken. Zwei Drittel der Bevölkerung halten Deutschland für unzureichend auf Cyberangriffe vorbereitet. Als größte Bedrohungsquellen gelten ausländische Geheimdienste, organisierte Kriminalität und Extremisten.

Sachsen: Viele Fälle, aber keine Schadensstatistik

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) in Sachsen weist unter dem Summenschlüssel „Cybercrime“ für das Jahr 2022 insgesamt 3.457 Fälle aus, 2023 waren es bereits 4.444, 2024 dann 3.983 und 2025 wieder 4.410 Fälle. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein Defizit: Die Statistik unterscheidet weder danach, ob Unternehmen, Behörden oder Privatpersonen geschädigt wurden, noch erfasst sie die Höhe der verursachten Schäden.