Jugendliche nutzen Social Media intensiv, fühlen sich dabei aber nicht wohlEine aktuelle Studie zeigt: Auch wenn die Jugendlichen in Deutschland Social Media ausgiebig nutzen, sind sie sich der Suchtgefahren bewusst. Als problematisch erweist sich in dieser Hinsicht vor allem eine Plattform.15.07.2026, 11.59 Uhr4 LeseminutenDie meisten Jugendlichen können sich ein Leben ohne Smartphone und Social Media nicht vorstellen.ImagoKaum aus den Windeln und schon Dauernutzer von Social Media - vielen Politikern und Pädagogen ist es ein Dorn im Auge, wenn Kinder bereits im Grundschulalter stundenlang am Smartphone hängen und auf Plattformen wie TikTok und Co unterwegs sind. Die EU-Kommission strebt deshalb nach der Sommerpause ein EU-weites Verbot von Social Media für Kinder und Jugendliche an. Wer jünger als 13 Jahre ist, soll, wenn überhaupt, nur unter elterlicher Kontrolle und pädagogischer Anleitung Social Media nutzen dürfen. Stundenlanges Scrollen auf dem Mobiltelefon führe zu «noch mehr psychischem Schaden, Sucht und Leid», sagt EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch wie beurteilen die Jugendlichen selbst die Nutzung von Social Media? Leiden sie unter der Nutzung, oder profitieren sie davon? Dieser Frage sind Forscher des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) in einer aktuellen Studie nachgegangen, die sie an diesem Mittwoch veröffentlicht haben. Der Forschungsverbund ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks. Seit 1998 veröffentlichen die Forscher regelmässig die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) über die Mediennutzung von Jugendlichen.Um zu erfahren, wie sich Social Media auf das Wohlbefinden der Jugendlichen auswirkt, haben die Medienforscher in der aktuellen Sonderuntersuchung 33 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren aufgefordert, ihren digitalen Alltag zu dokumentieren. Anschliessend haben sie 20 von ihnen einzeln interviewt und auf dieser Basis einen Fragebogen für eine repräsentative Online-Umfrage unter 800 Jugendlichen entwickelt.Zugang zu Wissen, aber KonzentrationsschwächeDie Studie zeigt insgesamt ein ambivalentes Verhältnis der Jugendlichen zu Social Media. Auf der einen Seite schätzen sie die Internet-Plattformen als Informations- und Kommunikationsmedium, das ihren Horizont erweitert. So gaben 82 Prozent der Befragten an, Social Media böte ihnen Zugang zu Wissen und Informationen, den sie sonst nicht hätten. Fast die Hälfte erklärt zudem, Social Media motiviere sie, besser und produktiver zu sein.Auf der anderen Seite beklagen 72 Prozent der Jugendlichen, dass sie das Scrollen auf den Plattformen von Dingen abhält, die sie eigentlich tun sollten. 55 Prozent monieren, dass ihnen durch das Surfen auf den Plattformen Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten verlorengeht. 40 Prozent klagen, ihre Konzentrationsfähigkeit lasse nach, wenn sie längere Zeit im Internet scrollen.Die Ambivalenz bei der Nutzung von Social Media wird besonders deutlich, wenn die Jugendlichen danach gefragt werden, was ihre Hobbys sind und bei welchen Aktivitäten sie sich wohl fühlen. So geben 76 Prozent an, sie seien regelmässig auf Social Media unterwegs, doch nur 19 Prozent von ihnen fühlen sich dabei besonders wohl. Zum Vergleich: Fast ebenso regelmässig wie sie im Internet surfen, treffen sich die Jugendlichen mit ihren Freunden. Dabei aber fühlen sich deutlich mehr von ihnen (64 Prozent) wohl als beim Surfen auf den Internet-Plattformen.Zwei von drei Jugendlichen geben an, bereits vor dem zwölften Lebensjahr ein Smartphone benutzt zu haben. Die in diesem Alter am häufigsten besuchte Plattform (54 Prozent der Nennungen) war YouTube. Mit deutlichem Abstand folgten Snapchat (19 Prozent) und TikTok (16 Prozent).Die meiste Zeit auf TikTokDie Plattform, auf der sie derzeit die meiste Zeit verbringen (mehr als 3 Stunden täglich) ist TikTok. Die Plattform gehört zum chinesischen Konzern ByteDance, an dem die Kommunistische Partei Chinas Sonderstimmmrechte und einen Sitz im Aufsichtsrat besitzt. TikTok ist zugleich die Plattform, zu der die Jugendlichen ein besonders gespaltenes Verhältnis haben.Gefragt danach, wie sehr ihnen die Nutzung einer Plattform gut tut, schneidet TikTok am schlechtesten von allen Kanälen bei den Jugendlichen ab. Der Anteil negativer Bewertungen beträgt 39 Prozent. Am besten schneidet hier Pinterest ab (Anteil negativer Bewertungen: 9 Prozent). Auf der anderen Seite geben 37 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Jungen an, sie würden TikTok am meisten vermissen, wenn sie es eine Zeitlang nicht benutzen könnten.Mit Blick auf die Themen, die sie auf Social Media interessieren, dominieren bei den Mädchen die Themen Mode, Styling, Filme, Serien und Schminktipps. Bei den Jungen sind es Gaming, Fitness und Sport sowie Comedy-Content.Problematische InhalteGefragt danach, mit welchen problematischen Inhalten sie auf den Plattformen bereits in Kontakt gekommen sind, nennt die Mehrheit der Jugendlichen Fake News, extreme politische oder religiöse Inhalte, Hassrede und diskriminierende Inhalte sowie gefährliche Challenges. Das sind Aufgaben, die Mutproben ähneln. Am häufigsten begegnen den Jugendlichen Fake News auf TikTok. Das gilt auch für gefährliche Challenges sowie Aufrufe zu selbstverletzendem Verhalten.Meistens scrollen die befragten Jugendlichen einfach weiter, wenn ihnen solche Inhalte begegnen. 45 Prozent geben an, sie erinnerten sich später gar nicht mehr, was sie alles beim Scrollen gesehen haben. 36 Prozent sagen, sie hätten sich an problematische Inhalte auf Social Media gewöhnt.Wie aber stehen die Jugendlichen zum diskutierten Social-Media-Verbot für Kinder? 52 Prozent glauben, dieses werde nichts bringen, weil es leicht zu umgehen sei. 45 Prozent der Befragten sehen die Plattform-Betreiber in der Verantwortung gegenüber jungen Nutzern. Gleichwohl sprechen sich 43 Prozent dafür aus, die Nutzung von Social Media unterhalb eines bestimmten Alters zu verbieten.Als Mindestalter für die Nutzung von Social Media empfehlen die Jugendlichen bei TikTok und Instagram 14,5 Jahre, bei Snapchat 14 Jahre und bei YouTube 12,5 Jahre. Bei allen vier Plattformen spricht sich eine Mehrheit für einen späteren Einstieg aus, als sie ihn selbst hatten.Nach Ansicht der Studienautoren zeigt die Befragung, dass den Jugendlichen die Schattenseiten einer exzessiven Nutzung von Social Media durchaus bewusst sind. Gänzlich verzichten aber wollen sie auf die Plattformen nicht.Passend zum Artikel
Studie: Jugendliche lieben Social Media, doch TikTok sorgt für Unbehagen
Eine aktuelle Studie zeigt: Auch wenn die Jugendlichen in Deutschland Social Media ausgiebig nutzen, sind sie sich der Suchtgefahren bewusst. Als problematisch erweist sich in dieser Hinsicht vor allem eine Plattform.











