Gebaut, umgebaut, verschiedene Pächter gesehen, dann kamen die richtigen: So lässt sich die Geschichte des Restaurants Main Nizza zusammenfassen. Den Kubus am Mainufer hatte 2004 das Bankhaus Metzler bauen lassen, als Kantine, die abends zum Restaurant wurde. Als das Haus verkauft wurde, vergab der neue Eigentümer das Lokal an Hardy Schranz und Uli Mlcoch. Beide waren zu der Zeit erfahrene Gastronomen, beide hatten ihre Erfolge, das Main Nizza wurde ein gemeinsamer. Seit einigen Jahren führt Schranz das Lokal allein, Ulrich Mlcoch ist 2023 gestorben.Einfache Gerichte aus besten Zutaten, so hieß von Anfang an das Rezept für das Main Nizza. Das Restaurant hat viele Stammgäste, Besucher von Schauspiel und Oper fast direkt gegenüber mögen es, Frankfurtbesucher haben es im Reiseführer, der Ort ist schön. Das Essen aber hat Schwächen zurzeit, der Umgang mit Gästen auch; abends zumindest war das jetzt zu erleben.Wer durch die Tür trat, wurde zwar begrüßt, aber denkbar knapp. Selbst wenn die Terrasse noch halb leer war, wurden eintreffende Gäste von der wortkargen Frau am Empfang in deren unattraktivste Ecke geführt, wo der Blick auf das Biergartendach unterhalb des Hauses fällt. Ganz so, als habe man für ein Kultrestaurant reserviert, das nach zeitlichem Eingang der Buchungen gerade nicht jene bevorzugt, die besonders früh waren, sondern die besten Tische in der Hinterhand hält für Man-weiß-ja-nie-wer-kurzfristig-kommen-will. Wer sich beschwerte, bekam einen besseren Platz zugewiesen. Was aber nicht davor schützte, dass man das ein paar Abende später noch einmal genauso erleben konnte und an anderen Tagen zusehen, wie es anderen so erging. Dabei zeichnete sich ein Muster ab: je offensichtlicher Tourist, desto weniger Klagen. Gefallen haben muss das den Leuten trotzdem nicht.Lieber Handkäs als WolfsbarschGut, wenn sich Stärken und Schwächen in einem Team ausgleichen. Der Empfang mag stoffelig sein, der Service ist zugewandt, freundlich und gelassenen Geplauders fähig. Und die Sicht auf den Main, wenn man sie dann einmal hat, ist einfach nur attraktiv. Am besten nimmt man einen großen Schluck von was immer man bestellt hat und genießt ihn (kleine, gute Weinkarte mit guten Weißen aus der Region).Schöne Vorspeisen: das Handkäs-Tatar mit Apfel-Zwiebel-Marmelade und Kürbis-Kartoffelplätzchen und der Salat mit Roter Bete und karamellisiertem Ziegenkäse. Bei beidem fällt eine milde, sorgfältig balancierte Vinaigrette auf. Das sind solide, gut gemachte und ansprechend arrangierte Gerichte, genau richtig im Grunde für einen Ort, der fast den ganzen Tag geöffnet ist. Nicht zu empfehlen ist hingegen das Ceviche vom Wolfsbarsch. Dicke Fischbrocken liegen auf dem Teller, Säure, Schärfe und Kräuteraromen sind so schwach, dass sie kaum ins Gewicht fallen, der für Ceviche typische Frischeton fehlt.Besser, weil auch wieder mit gutem Dressing: der Caesar-Salat mit gebratener Maispoularde; bei der mit Pilzen gefüllten Maishuhnbrust fällt die schwache Würzung auf. Sehr angenehm: dass Wünsche wie die nach einem Austausch von Beilagen umstandslos erfüllt werden, dass zum Getränke-Angebot ein guter Prosecco gehört und dass der Service auch lange Stunden hindurch angenehm und nie drängend ist. Wieder nicht überzeugend: ein Wiener Schnitzel mit einem großen Abschnitt, der sehnig und zäh war. Lieber wählen, falls noch im Angebot: den rosa gebratenen Hirschrücken mit Pfifferlingen (Hauptgerichte bis etwa 45 Euro).Main Nizza, Untermainkai 17 in Frankfurt. Telefon: 069/26 95 29 22. Öffnungszeiten: täglich von 11.30 Uhr an, Küche mittags bis 15 Uhr und abends von 17 Uhr an.