PfadnavigationHomeICONISTFitness & WellnessAugen-Yoga im MuseumOmm vor dem ÖlgemäldeVon Frank LorentzStand: 09:37 UhrLesedauer: 3 MinutenMatte vor dem Kunstwerk ausrollen, atmen – und den Rubens anstarrenQuelle: Visual Arts Yoga, Foto: Anne OrthenDer Düsseldorfer Kunstpalast lädt zum Augen-Yoga. Was nach einem weiteren Wellness-Trend klingt, folgt einer simplen Idee: Kunst kann Stress reduzieren – vorausgesetzt, man schaut richtig hin.Lust auf eine Runde Yoga im Museum? Dann auf in den Düsseldorfer Kunstpalast. Dort startet in der kommenden Woche ein Angebot namens „Visual Arts Yoga“. Übersetzt: Bildende-Kunst-Yoga. Ein anderer Begriff lautet: „Augen-Yoga“. 90 Minuten dauert eine Session. Geplant sind zwei bis drei Termine pro Monat. Interessenten werden zu verschiedenen Stationen der Sammlung geführt. Matte vor dem Kunstwerk ausrollen, tiefe Atemzüge nehmen, Gedanken wie Wolken ziehen lassen, Wahrnehmung schärfen, ein Detail auf dem Ölgemälde von Peter Paul Rubens anstarren – und dann ganz gechillt in den herabschauenden Hund gehen. Omm!Die Yoga-Begeisterung kennt keine Grenzen, die Zahl der Unterformen ist unüberschaubar. Lach-Yoga ist längst ein Klassiker. Welpen-Yoga ist noch relativ neu, aus Tierschutzgründen sollte man es tunlichst boykottieren. Eine besonders süffige Form ist Bier-Yoga, das in Kneipen und bei Festivals entstanden sein soll: Flasche neben die Matte stellen, und dann während der Übungen ein Schlückchen nehmen. Das entspannt zusätzlich.Lesen Sie auchAugen-Yoga – das klingt trotzdem erst mal nach einer extravaganten Idee. Typisch für das schicke Düsseldorf mit seiner Königsallee, wo die Optik wichtiger ist als alles andere und der Schein das Bewusstsein bestimmt, insbesondere der Geldschein. Im Übrigen: Gibt es eigentlich auch Hals-, Nasen- oder Ohren-Yoga? Doch Spaß beiseite: Augen-Yoga ist als Prinzip schon tausende von Jahren alt, und das Museumsangebot hat einen ernsten Hintergrund.Die Weltgesundheitsorganisation kam auf Grundlage von Studien zu dem Schluss, dass Kunstbetrachtung das Wohlbefinden fördert und Stress reduziert. Kunst lenkt ab und bringt auf Ideen: Je nachdem, wie man ein Werk anschaut, schaut es zurück und setzt im Gehirn etwas in Bewegung. Neugierig, wie die Menschen sind, pilgern sie gern in Museen. Das Dumme ist: Die meisten nehmen sich kaum Zeit, wirklich etwas zu sehen. Sie schauen nur kurz hin.Der Kunstpalast will noch einen draufsetzen Laut dem Wiener Gesundheitspsychologen David Brieber beträgt die Verweildauer vor einem Kunstwerk durchschnittlich 20 Sekunden. Das sind gerade einmal vier Atemzüge. Vier von täglich 20.000. Aber wie viel Zeit und Energie hat der Kunstschaffende in sein Werk gesteckt? Und wie oft stockte ihm der Atem?Lesen Sie auch„Der Kunstpalast wird zu einem Ort der Verlangsamung und Regeneration“, heißt das Versprechen in Düsseldorf. Der Blick soll wieder verweilen lernen, zur Ruhe kommen und nicht ständig nervös hin- und herwandern. Entstanden ist die innovative Yoga-Initiative in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das auf die Behandlung psychischer Erkrankungen spezialisiert ist. Was Kunstbetrachtung zu Heilungszwecken betrifft, so wird auf dem Gebiet schon länger experimentiert. Lesen Sie auchVor vier Jahren zum Beispiel, auf dem Höhepunkt der Coronazeit, verschrieb die Ärzteschaft eines Brüsseler Krankenhauses depressiv gestimmten Patienten kostenlose Museumsbesuche. Ziel: die mentale Gesundheit zu verbessern. In Montreal startete man 2018 ein ähnliches Programm. Es richtete sich auch an Schmerzpatienten und Schwerstkranke.Im Herbst will der Kunstpalast noch einen draufsetzen und in seiner Sammlung einen Sportparcours errichten lassen. Ringe. Rudergerät. Tischtennisplatte. Balanceboard. Nie war der Museumsbesuch so gesund wie heute.