Der deutsche Hotelmarkt wird um einige Namen reicher. Schon bald können hierzulande Reisende in „Brown Hotels“ der Israel-Canada-Gruppe sowie in Häusern mit dem Namen „Belvilla“, einer Marke des indischen Prism-Konzerns, übernachten. Möglich wird dies durch die Zerlegung der Revo-Gruppe, die die einst 175 Standorte des deutschen Unternehmens HRG Hospitality führte. Nach der Großinsolvenz zu Jahresbeginn wagen sich die internationalen Konzerne erstmals nach Deutschland vor.Die Israel-Canada-Gruppe und Prism sind zwei Hotelbetreiber unter mehreren, die Teile aus dem bisherigen Revo-Portfolio übernehmen. „Wir haben mit fünf größeren Investoren Lösungen gefunden“, sagt Benedikt de Bruyn, der zusammen mit Gordon Geiser in den Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zum Geschäftsführer bestellt wurde. „Die Verträge für fast 90 Standorte sind nun unterschrieben, weitere folgen in den nächsten Tagen. Der größte Teil der 5450 Arbeitsplätze in den Hotels bleibt erhalten“, sagt de Bruyn im Gespräch mit der F.A.Z.Als weitere Übernehmer nennt er die israelische Leonardo-Gruppe, die schon in Deutschland vertreten ist, die französische Günstigmarke B&B sowie die Kette Motel One. Lediglich für eine kleine Zahl an Häusern sieht die Zukunft düsterer aus, auch die mehr als 400 Beschäftigungsverhältnisse in der bisherigen Revo-Zentrale werden nicht fortgeführt werden können.Erst forsche Expansion – nun die ZerlegungDie Insolvenzserie unter 138 Einzelgesellschaften der Revo-Gruppe war zu Jahresbeginn ein Schlag in der deutschen Hotellerie. Der Name Revo ist Reisenden wenig geläufig, dahinter verbarg sich aber einer der größten Mehr-Marken-Hotelbetreiber Deutschlands, der als Partner für bekannte Namen wie Steigenberger, Dorint, Mövenpick oder Ibis Unterkünfte führte. Dazu kamen die H-Hotels mit den Namen H2, H4 und Hyperion, die Revo erst 2025 übernommen hatte. Damals hatte das Unternehmen noch geprahlt, die Branche „nicht nur neu definieren, sondern neu erfinden“ zu wollen.Nun kommt die Zerlegung des Unternehmens, das 2008 mit einem Haus begonnen hatte. Obwohl die Branche in Deutschland über im internationalen Vergleich niedrige Zimmerpreise bei gleichzeitig gestiegenen Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel klagt, fanden sich zahlreiche mögliche Übernehmer. „Das Interesse war überraschend groß“, sagt Geiser. „Wir hatten mehr als 100 Anfragen und letztlich 20 konkrete Angebote vorliegen. Trotz der aktuellen Marktlage gibt es diverse Hotelgesellschaften, die einen klaren Expansionswillen zeigen.“Das trifft für die Prism-Gruppe zu, die international schon 22.000 Hotels betreibt, sich in Deutschland bislang aber unter dem Namen Oyo weitgehend auf Ferienwohnungen beschränkt hatte. Nun sind die Inder, an denen der japanische Softbank-Konzern beteiligt ist, einer der größten Investoren für die Zukunft bisheriger Revo-Häuser. Die Israel-Canada-Gruppe sicherte sich für ihren deutschen Markteintritt bisherige H-Hotels am Münchner Messegelände, in Hamburg und Leipzig sowie das Centro-Park-Hotel in Berlin. Der Kaufpreis beträgt nach Angaben der beratenden Wirtschaftskanzlei FPS 15,8 Millionen Euro.„Bei Hotels ergibt sich ein mehrdimensionales Puzzle“Zu Motel One ist derweil bekannt, dass zwei Hotels in Kiel, die Revo unter den Marken Ibis Styles und Adagio Access für den Accor-Konzern geführt hatte, gepachtet werden. Beim Bundeskartellamt hat Motel One zudem die Übernahme von zehn ungenannten deutschen Betrieben angemeldet. Zudem sollen Revo-Häuser in Wien, Salzburg, Krakau und Budapest zu Motel One gelangen, wie aus Informationen der österreichischen Wettbewerbsbehörde hervorging.Für de Bruyn und Geiser, die als Restrukturierer auch an der Verwertung von Teilen der Signa-Gruppe um den Galeria-Warenhauskonzern beteiligt waren, brachten die Revo-Insolvenzen viel Arbeit. „Mit 138 Gesellschaften, für die Insolvenzen in Eigenverwaltung beantragt wurden, war die Revo-Gruppe ein besonders komplexer Fall“, sagt de Bruyn. „Während meist am Ende von Einzelinsolvenzverfahren ein Verkäufer und ein Käufer stehen, ergibt sich bei Hotels ein mehrdimensionales Puzzle aufgrund der engen Verflechtungen von Immobilieneigentümern, Hotelbetreibern und Franchisemarkengebern.“ Hotelgebäude werden oft gepachtet, Betriebsgesellschaften führen Unterkünfte für Konzerne, deren Marke am Haus hängt. „Diese Herausforderung hatten wir 175-mal“, sagt de Bruyn.Auch das Pullman-Hotel Schweizerhof in Berlin wurde bislang von Revo betrieben.RevoDazu kam, dass es sich um in der Ausstattung und Ausrichtung sehr unterschiedliche Betriebe handelte. „Die Revo-Gruppe war sehr stark gewachsen – mit einem Portfolio von Zwei-Sterne- bis zu Fünf-Sterne-Hotels“, sagt Geiser. „Zuletzt war auch noch die Übernahme der H-Hotels-Gruppe dazugekommen, deren Integration nicht abgeschlossen war.“ Es gab wohl teure Doppelstrukturen, während sich die Hotels in einem umkämpften, margenschwächeren Umfeld bewähren mussten. Die Preistransparenz im Hotelmarkt sei verglichen mit anderen Branchen sehr hoch, sagt Geiser. „Das ist für Kunden gut, für Unternehmen wird es dadurch aber schwieriger, Zimmerpreise an die Kostensteigerungen anzupassen.“ Für die Revo-Gruppe schien die Aufgabe nach einer forschen Expansion wohl zu schwierig.Das Sammelsurium an Hotels machte Paketlösungen für jeweils eine größere Zahl an Standorten unmöglich. „Der Verkauf von Hotelportfolios schied aus“, sagt Geiser. „Hinter den Immobilien stehen mehr als 100 verschiedene Verpächter. Und Investoren schauen mit sehr unterschiedlichen Interessen, welche Standorte zu ihnen passen können. Wir mussten für jedes Hotel separat nach Auswegen suchen.“ Die Prism-Gruppe suchte zwar nach zahlreichen Häusern, tendenziell aber kleineren. Die Israel-Canada-Gruppe wählte größere Standorte, für die Budgetkette B&B waren im gehobenen Marktsegment verortete Häuser unpassend.„Trotz der Komplexität war Eile geboten“, sagt Geiser. Je länger die Zukunft eines Standorts im Unklaren geblieben wäre, desto mehr wären die Chancen geschwunden. „Im Geschäft rund um Messen und Tagungen verlangen Geschäftskunden Planungssicherheit, ob ein Hotel auch im nächsten Jahr besteht und ob Buchungen Bestand haben. Dafür müssen Hotels schnell das Verfahren hinter sich lassen können“, sagt er. Ursprünglich sollten schon im Juni Auswege gefunden sein, nun steht im Juli die Zukunft für die Mehrzahl der bisherigen Revo-Häuser fest. De Bruyn ist für weitere Standorte hoffnungsvoll: „Es gibt noch einen sechsten Großinvestor, mit dem die Gespräche aber noch laufen.“
Revo-Gruppe: Zerlegung der deutschen Hotelgruppe
Zweites Leben für Hotels nach der Großinsolvenz: Für viele Häuser der Revo-Gruppe geht es unter neuen Namen weiter. Die Zerteilung des Konzerns nutzen auch ausländische Ketten für den Sprung nach Deutschland.







