Alles gelogen: Kentuckys Senator Mitch McConnell, 84, der vier Wochen von der Bildfläche verschwunden war und sich am Sonntag mit einem Foto aus dem Krankenhaus meldete, ist in Wirklichkeit längst hirntot. Und Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, der am Samstag im Alter von 71 Jahren an einem Aortenriss starb, hat der israelische Geheimdienst Mossad umgebracht. Oder Putin. Oder iranische Kräfte. So zumindest behaupten es Leute, für die nichts mit rechten Dingen zugeht.Breakdance im KrankenhausAuf Elon Musks Dienst X trenden Deepfakes, die McConnell beim Breakdancen im Krankenhaus zeigen, beim Aerobic mit Jane Fonda und auf einer Cabrio-Spritztour mit Joe Biden. Auch die Late-Night-Satiriker können sich Witze nicht verkneifen. „Wie um aller Welt ist es möglich, dass Lindsey Graham vor Mitch McConnell starb?“, fragte Jon Stewart in einer beißenden Kritik an der Überalterung in der US-Politik. Jimmy Kimmel, zurzeit in der Sommerpause, leitete das McConnell-Foto mit seinem eigenen Kopf auf den Schultern des Senators und den Worten weiter: „Für alle, die sich gefragt haben, mir geht es prima!“In der Ära der KI-Deepfakes ist die Prüfung von Fakten um eine Größenordnung schwieriger geworden. Die Grenze zwischen Verballhornungen und Verschwörungstheorien verschwimmt. Hinter den Witzen über Alter und Gesundheit McConnells und den Herztod von Graham baut sich eine Welle der Desinformation auf.In Liegestühlen am PoolMan kann dabei zusehen, wie eine Unwahrheit die nächste hervorbringt. So stellte ein Instagram-Influencer namens Justinthenickofcrime dem von McConnell veröffentlichten Bild ein weiteres, KI-generiertes zur Seite, in dem der Senator und seine Frau in derselben Haltung in Liegestühlen am Pool zu sehen sind – angeblich „zur Illustration, wie leicht es geworden ist, authentisch wirkende Bilder zu erstellen“.Prompt begann das getürkte Foto als vermeintlich echt zu zirkulieren, aufgenommen angeblich 2023 und jetzt als Vorlage für McConnells „gefälschtes Lebenszeichen“ benutzt. Behauptungen, es handele sich um einen verbrieften Fake, wurden bedenkenlos weiterverbreitet. Dabei hatte sich unter anderem die „Washington Post“ die Mühe gemacht, das von McConell gepostete Bild zu überprüfen. Der Blick auf die Metadaten und das Urteil eines Experten für Digitialforensik ergab: Es ist echt. Auch die BBC veröffentlichte ein Video, in dem erklärt wurde, warum man das Bild nach Überprüfung für authentisch befand.Laura Loomer weiß es mal wieder am besten: „offiziell hirntot“Da hatte die Rechtsaußen-Kommentatorin und Trump-Flüsterin Laura Loomer mit Verweis auf eine „gutplatzierte Quelle im Weißen Haus“ längst trompetet, McConnell sei „offiziell hirntot“. Das jetzt veröffentlichte Bild sei „bullshit“, die Tatsache, dass McConnell die Sonntagsausgabe der „Washington Post“ auf dem Schoß hält, verwarf sie mit Hinweis auf die „verschwommene Schrift“ als Anzeichen für KI. Viele ihrer 1,9 Millionen Follower griffen das dankbar auf und verbreiteten es im Netz. Und dann war da der tragische Herztod von Lindsey Graham. „Wurde er von einem unserer Feinde im Ausland oder bei seiner Rückkehr vergiftet?“, fragte Loomer. Gemunkel, Graham sei „aus dem Weg geräumt“ worden, verbreitete sich wie ein Lauffeuer, der texanische Senator John Cornyn griff Loomers Forderung nach einem „toxikologischen Bericht“ auf, „um ein Verbrechen auszuschließen“. Derweil wurden online bereits die Iraner, die Russen, der Mossad als mögliche „Täter“ gehandelt.Als Beweis für ihre irren Thesen ist den Verschwörern nichts zu abwegig. Loomer verwies auf eines der iranischen Lego-Videos. Auf X schrieb jemand, Graham hätte gar nicht am Samstagabend in seinem Haus sterben können, der Ukraine-Trip plus Rückkehr mache eine zeitgemäße Ankunft um 20.30 Uhr unmöglich: „Pentagon-Insider kennen die Wahrheit. Er starb in Kiew. Die Vertuschungsgeschichte wird durch den Kalender zunichte gemacht“, so der Mann, dem Zeitzonen offenbar fremd ist.Dass FBI-Chef Kash Patel, selbst Fan und Verbreiter von Verschwörungstheorien, seinem Nachruf auf Graham den Satz hinzufügte, seine Behörde „assistiert Beamten vor Ort und macht alle notwendigen Ressourcen verfügbar“, wurde direkt als Beleg dafür gewertet, dass hier was nicht ganz koscher sei. Und als Trump dazu sagte, „das FBI verschwendet seine Zeit“, wurde man auf der Linken hellhörig. „Trump will nicht, dass wir Fragen stellen“, hieß es auf X, „genau wie beim gefakten ‚Attentatsversuch‘ von Butler.“ Jemand anderes bemerkte, „wenn Trump sagt, Hingucken sei Zeitverschwendung, heißt das, dass es das definitiv nicht ist“.So dreht sich das Karussell der Gerüchte und Verschwörungen munter weiter, während der US-Präsident die Demokratie aushöhlt und die Welt in Brand setzt. Oder ist er es überhaupt? Zu einem Bild Trumps bei seinen Kommentaren zu Grahams Tod stand bei X: „Dies ist nicht mehr Trump. Sie haben ihn durch ein Reptil ersetzt.“
US-Gerüchteküche kocht über: Haben die Russen oder Iraner Graham ermordet?
Der US-Senator Lindsey Graham ist verstorben, der Senator Mitch McConnell lebt. Oder ist er auch tot? Wurde Graham vom Mossad, den Iranern oder den Russen ermordet? In den USA gehen Verschwörungstheorien durch die Decke.















