AnalyseJens Ehrhardt ist bei einem Übernahmekandidaten eingestiegen. Christian Krahe setzt auf selbstfahrende LKW, Christian Reindl auf deutsche Satellitentechnik. Raik Hoffmann kauft Kursvervielfacher Singulus, bei dem über eine Kooperation mit Tesla spekuliert wird.Die von The Market vierteljährlich befragten Fondsmanager haben ihre Portfolios im zweiten Jahresviertel kräftig umgestellt. Jens Ehrhardt stieg mit seinem UBAM Dr. Ehrhardt German Equity bei der Commerzbank ein. «Europäische Banken sind nicht teuer, im historischen Vergleich», sagt der Gründer des Vermögensverwalters DJE Kapital.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Commerzbank-CEO Bettina Orlopp habe viel unternommen, um Gewinn und Kurs zu steigern und die Übernahme durch UniCredit-CEO Andrea Orcel abzuwehren. «Das wird wohl leider nicht gelingen, Orcel könnte durchkommen», sagt der Fondsmanager. Die italienische Bank gab am 8. Juli bekannt, die Kontrolle über 47% der Commerzbank-Stimmrechte zu besitzen. «Bei der HypoVereinsbank hat Orcel 40% der Stellen gestrichen und ein gutes Geschäft gemacht, das ist die Blaupause», sagt Ehrhardt.Die grösste Position im Fonds ist nun die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS, deren Anteil aufgrund der positiven Kursentwicklung wuchs. «Die Ertragslage der DWS ist gut und dürfte sich weiter positiv entwickeln», sagt Ehrhardt. Das MDax-Mitglied sei stark im Geschäft mit ETF und auch die aktiv geführten Fonds hätten vielfach eine gute Performance gezeigt.Die Deutsche Telekom, Ende März noch die Topposition im Fonds mit 9,4%, hat Ehrhardt auf 2,5% vermindert, da er die kolportierten Fusionspläne von CEO Timotheus Höttges mit der Tochter T-Mobile US kritisch sieht.Ebenfalls verkauft hat der Fondsmanager die Aktien des Baukonzerns Hochtief, die ihren Kurs seit seinem Einstieg ungefähr verdoppelt hatten: «Die Bewertung war schon etwas hoch, ausserdem schwindet in den USA die Begeisterung für den Bau von Rechenzentren für die künstliche Intelligenz.» Das Kurs-Gewinn-Verhältnis war Anfang Mai über 40 gestiegen; zuletzt lag es wieder knapp über 30, gemessen am für die kommenden zwölf Monate geschätzten Gewinn.Zugegriffen hat Ehrhardt auch beim Versorger RWE, der kürzlich seine Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion von 20 auf 55% erhöht hat und dafür 3,6 Mrd. € zahlt. «Die Übernahme von Amprion sollte für RWE wertsteigernd sein», urteilt er.Aufgestockt hat DJE Kapital bei Deutsche Post DHL, die neu in den Top 5 zu finden sind. «Der Gewinn von DHL wächst erfreulich», sagt Ehrhardt.Etwas aufgestockt auf 1,7% hat Ehrhardt auch bei Siemens Energy, dem Hersteller von Gasturbinen und Generatoren: «Siemens Energy sollte weiter gut verdienen an den gefragten Stromgeneratoren, auch die laut Presseberichten geplante Abspaltung der kleinsten Sparte könnte mittelfristig den Wert steigern.»InhaltsverzeichnisChristian Krahe: neu engagiert bei selbstfahrenden TrucksChristian Reindl: deutsche Raumfahrt statt SpaceXRaik Hoffmann: Überflieger Singulus ersetzt LufthansaChristoph Gebert: Trendwende bei Optikspezialist BaslerChristian Krahe: neu engagiert bei selbstfahrenden TrucksDie grösste Fondsposition im Deutsche Aktien Total Return von Christian Krahe war bis kurz vor Ende Juni die Tech-Holding Rocket Internet mit ihrem Grossaktionär Oliver Samwer. Zum Monatsende schüttete das Unternehmen jedoch eine Dividende von 7.36 € pro Aktie aus, wodurch der Fondsanteil auf 6,4% geschrumpft und der Titel auf den zweiten Rang im Portfolio gerutscht ist. Rocket Internet hält über einen Fonds indirekt fast 6 Mio. Aktien von SpaceX und zudem Anteile am Prognosemarktplatz Kalshi. «Es ist gut möglich, dass der Nettoinventarwert von Rocket Internet nun mehr als 40 € pro Aktie beträgt», kalkuliert Krahe. Der Aktienkurs liegt bei 21 €.Auf Platz eins im Fonds aufgerückt ist der Wohnungsverwalter Vonovia. «Dass die deutsche Bundesregierung die Enteignung von Wohnungskonzernen per Gesetz verbieten will, hat die Aussichten für Anleger nochmals verbessert», sagt der Fondsmanager.Aufgestockt hat Krahe beim Versicherer Wüstenrot & Württembergische, wo er im Mai auf dem Aktionärstreffen die seit Jahren nur wenig gestiegene Dividende per Gegenantrag kritisiert hatte. «Wüstenrot könnte leicht eine doppelt so hohe Ausschüttung leisten, wir werden uns weiter aktiv dort engagieren», kündigt der Geschäftsführer des Vermögensverwalters GS&P an.Neu eingestiegen ist Krahe bei dem vom Dax-Konzern Continental abgespaltenen Autozulieferer Aumovio: «Bei selbstfahrenden Trucks ist Aumovio mit seiner Technologie vorn dabei.» Das Unternehmen sei bei der Abspaltung finanziell sehr solide ausgestattet worden und habe das Potenzial, die Effizienz zu steigern.Testvorrichtung für Kameras und Sensoren bei Aumovio in IngolstadtZVGVerkauft hat der Investor dagegen den erst im März in den Börsenhandel gestarteten Rüstungswert Vincorion: «Der Kurs von Vincorion hat sich seit dem Börsengang enttäuschend entwickelt, auch wegen der Abkehr der Anleger von der Rüstungsbranche.»Christian Reindl: deutsche Raumfahrt statt SpaceXChristian Reindl hat das Gebrauchtwagenportal Auto1 zur grössten Position seines UniDeutschland XS ausgebaut. Der Kursrutsch aufgrund der Angst vor Konkurrenz durch KI-Anbieter hatte die Gelegenheit zum kräftigen Aufstocken geboten. Seit dem Zwischentief unter 15 € ist der Kurs auf zuletzt fast 25 € geklettert.Das MDax-Unternehmen erwirbt Fahrzeuge über das Portal wirkaufendeinauto.de, bereitet sie auf und bietet Käufern auch die Finanzierung an. Für den Verkauf nutzt Auto1 das europaweite Händlernetzwerk, aber auch die eigene Plattform AutoHero.de. Der seit Herbst amtierende CFO Christian Wallentin bringe wertvolle Erfahrung aus der Finanzbranche mit. «Der Kapitalmarkttag am 17. Juni war ein Erfolg», sagt Reindl.Nochmals leicht aufgestockt hat der Union-Investment-Manager beim IT-Dienstleister Bechtle. «Das Chance-Risiko-Verhältnis dort ist derzeit mit am attraktivsten in Deutschland», sagt Reindl. Der Kursrückgang sei auch dem sehr zurückhaltenden Ausblick des Ende des Jahres ausscheidenden CEO Thomas Olemotz geschuldet. Das Geschäft laufe 2026 gut. «Alles deutete darauf hin, dass die Kunden aus der öffentlichen Verwaltung ihre Rahmenverträge mit Bechtle jetzt nutzen und IT-Leistungen abrufen», sagt Reindl. Er erwartet im Laufe des Jahres eine Erhöhung der Jahresprognose.Reindl hat auch seine Position bei Redcare Pharmacy erhöht. Die Onlineapotheke habe beim elektronischen Rx-Rezept einen Internet-Marktanteil von zwei Dritteln. Sie schneidet damit im Vergleich zum Schweizer Rivalen DocMorris stärker ab als erwartet. Auf dem Kurs laste immer wieder die Angst, Grosskonzerne wie die Drogeriemarktkette Rossmann oder der Tech-Konzern Amazon könnten in das Geschäft einsteigen.Der im November gestartete CFO Hendrik Krampe wechselte von Amazon, wo er als Leiter des europäischen Marktplatzgeschäfts nach Angaben von Reindl gleich zweimal gegen einen Einstieg in den Onlinehandel mit Medikamenten entschied. «Selbst für Amazon ist die Logistik rund um Medikamente komplex», sagt Reindl. Zudem habe Krampe die Finanzkommunikation bereits spürbar verbessert und verlässlicher gestaltet.Aufgestockt hat Reindl beim Prothesenhersteller Ottobock. Der sei seinem skandinavischen Konkurrenten Embla bei allen Produktkategorien ein bis zwei Jahre voraus, sagt Reindl. Der Umsatz wachse, und dies besonders in Geschäften mit höherer Marge. Ottobock sei die bessere Investition in die günstige Medizintechnikbranche als etwa Augenheilspezialist Carl Zeiss Meditec, der unter der Konsumschwäche und der Konkurrenz in China leidet.Neu eingestiegen ist Reindl beim Börsen-Comeback des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB Ende Juni. Durch die stärkeren Bestrebungen der Europäischen Union für eine eigene Raumfahrtindustrie stehe nun mehr Kapital für Satellitensysteme und Raketen zur Verfügung, sagt der Fondsmanager, der auch die erfreuliche Entwicklung des Unternehmens lobt: «OHB hat sich vom Zulieferer zum Systemanbieter entwickelt.» Dem neuen Satelliten-Joint-Venture von Airbus, Leonardo und Thales sieht der Fondsmanager gelassen entgegen. Zusammenschlüsse brächten oft Unruhe, sagt Reindl und fügt hinzu: «Die Regierungen in Europa wollen nicht von einem einzigen Anbieter von Satelliten abhängig sein.»Ebenfalls neu im Fonds ist 2G Energy. Das Unternehmen stellt Blockheizkraftwerke für die dezentrale Energieversorgung her und verkauft auch die darin eingesetzten kleinen Gasmotoren, die seit Kurzem auch bei der Stromversorgung von Rechenzentren eingesetzt werden. «Der erste Auftrag für Gasmotoren zum Einsatz bei einem Rechenzentrum ist eingegangen und es werden weitere folgen», sagt Reindl.Verkauft hat der Union-Investment-Fondsmanager die Aktien von Lufthansa: «Wir haben den Kursanstieg, als der Ölpreis nach der zeitweiligen Beruhigung des Iran-Konflikts sank, für Gewinnmitnahmen genutzt.»Raik Hoffmann: Überflieger Singulus ersetzt LufthansaMit Profit seine Lufthansa-Aktien verkauft hat auch Raik Hoffmann mit seinem FPM Funds Stockpicker Germany Small Mid Cap. Noch Ende März war die Airline die viertgrösste Fondsposition mit gut 5% Anteil am Kapital gewesen.Nun hat Hoffmann einen anderen Überflieger im Fonds: Topwert ist Singulus Technologies. Der Maschinenbauer beliefert Halbleiter- oder Solarmodulhersteller mit seiner Beschichtungstechnologie. Der Aktienkurs hat sich seit Ende Februar von 1.50 € zeitweilig auf mehr als 11 € vervielfacht. Auslöser war die Unternehmensmeldung vom 23. März über die «langfristige Zusammenarbeit mit einem weltweit führenden Technologieunternehmen» im Bereich Solar, die «einen wesentlichen Umsatzbeitrag in den nächsten Jahren leisten wird». Der US-Partner verhalf der zuvor klammen Gesellschaft mit lediglich 77 Mio. € Börsenwert sogar zu einer Finanzierung, um die bisherige Anleihe und Kredite des chinesischen Grossaktionärs Triumph abzulösen.Anleger spekulieren in Onlineforen, ob der Partner Elon Musks Unternehmen Tesla sein könnte, das zwei Grossfabriken («Gigafactories») für Solarmodule baut. In einer Präsentation schreibt Singulus, dass es bei der Kooperation um kristalline Solarzellen gehe, was den ebenfalls in Spekulationen genannten US-Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen First Solar wohl ausschliesst.«Die Übernahme der Finanzierung lässt erwarten, dass der neue Partner Grosses mit Singulus vorhat», sagt Fondsmanager Hoffmann. Er hatte seine Position bei Kursen von durchschnittlich unter 4 € nochmals verdoppelt. Zwischenzeitlich musste er verkaufen, da der Kursanstieg den Anteil am Fonds über die per EU-Vorschrift vorgegebene Maximalhöhe von 10% katapultiert hatte.Falls der neue Partner eine grosse Fabrik für kristalline Solarmodule plane, seien vielleicht sogar 100 Mio. € Umsatz pro Jahr möglich, kalkuliert Hoffmann; dazu kämen vielleicht 50 Mio. € aus dem übrigen Geschäft. Die bei Bloomberg erfassten Analysten prognostizieren einen Umsatzanstieg von 48 Mio. € 2025 auf 88 Mio. im laufenden Jahr und dann schon 141 Mio. im Jahr 2028. Nach einem Verlust von 14 Mio. im vergangenen Jahr soll schon 2026 mit einer schwarzen Null und 2027 mit einem Gewinn von 4 Mio. enden. Gemessen am für 2027 geschätzten Gewinn ist Singulus auch nach der Kursexplosion nur mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bewertet.Am 15. Juni hat der chinesische Singulus-Grossaktionär Triumph angekündigt, seinen Anteil von 16,75% der Aktien zu verkaufen. Falls der neue US-Partner kaufen sollte, müsste er seine Identität aufdecken, um den Transparenzvorschriften der Börse zu genügen.Christoph Gebert: Trendwende bei Optikspezialist BaslerFondsmanager Christoph Gebert freut sich ebenfalls über einen besonders starken Kursgewinner im ELM Deutschland: Der Sensoren- und Kamerahersteller Basler hat den Kurs binnen sechs Monaten fast verdoppelt. «Die Lager der Kunden haben sich geleert und Basler wächst kräftig», sagt Gebert. Die Spezialkameras der Norddeutschen werden unter anderem zur Qualitätskontrolle bei der Halbleiterfertigung genutzt, aber auch zur Lagerautomatisierung, unter anderem bei Amazon.Analyst Malte Schaumann vom Finanzdienstleister MPCM erwartet, dass der Umsatz bis 2028 jährlich im Schnitt um mehr als 15% zulegt und der Jahresüberschuss sogar um 55% per annum.Auch Union-Investment-Fondsmanager Reindl ist bei Basler engagiert. Der zu Jahresanfang zum CEO beförderte Hardy Mehl habe die Kosten bereits gesenkt. Und: «Das Wachstum kommt durch», sagt auch Reindl.Fondsmanager Gebert vom Vermögensverwalter Ehrke & Lübberstedt ist neu beim Apothekengrosshändler Medios eingestiegen, der das margenstarke Geschäft mit Spezialmixturen unter anderem für Krebspatienten von derzeit rund 10% ausbauen möchte.Gebert investierte zudem erstmals in GFT Technologies. Der IT-Dienstleister für Banken hatte wie viele andere Tech-Titel unter der Anlegerangst vor Disruption durch die KI gelitten. «Künstliche Intelligenz wird Kernbankensysteme nicht ersetzen», hält Gebert dagegen.
Banken, Raumfahrt, Robotrucks: Diese deutschen Aktien kaufen die Fondsmanager
Jens Ehrhardt ist bei einem Übernahmekandidaten eingestiegen. Christian Krahe setzt auf selbstfahrende LKW, Christian Reindl auf deutsche Satellitentechnik. Raik Hoffmann kauft Kursvervielfacher Singulus, bei dem über eine Kooperation mit Tesla spekuliert wird.






