Es war ein Moment, der symptomatisch ist für vieles, was mit dem ZDF-„Fernsehgarten“ nicht stimmt. Am vergangenen Sonntag, während einer Ausgabe unter dem ausgelutschten Motto „90er Dance Party“, hielt Moderatorin Andrea Kiewel eine japanische Pokémon-Karte in die Kamera, bezeichnete sie als „chinesisch“ und imitierte die Schriftzeichen mit der Lautfolge „Ching Chong Chaang“. Ein so müder wie überkommener Joke, doch in den sozialen Medien folgte die erwartbare Empörung. Der Sender reagierte pflichtschuldig und erklärte, die Aussage sei „der Live-Situation geschuldet und keinesfalls rassistisch gemeint“ gewesen. Was auch immer das bedeuten soll. Damit schien die Sache für das ZDF erledigt.

Seltsame Laissez-faire-Haltung

Man kann das so hinnehmen. Die Empörung darüber schien mal wieder größer als der Vorfall selbst, aber es wäre ein passender Moment gewesen, um grundsätzlich über das viele Jahrzehnte alte Format der Sendung nachzudenken – nicht nur über einen dümmlichen Versprecher, sondern über das Format selbst, über die immer überdrehte Moderatorin, über die Frage, was ein öffentlich-rechtlicher Sender eigentlich seinen Zuschauern (und Gebührenzahlern) schuldig ist.

Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Sendung um Andrea Kiewel Kritiker auf den Plan ruft: Bereits vor ein paar Wochen hatte das ZDF bekannt gegeben, dass auf dem Gelände des „Fernsehgarten“ in dieser Saison kein Alkohol mehr ausgeschenkt werde. Der Grund: Das Publikum hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend als unkontrollierbar erwiesen – Junggesellenabschiede, Geburtstagsfeiern, Besäufnisse live während der Übertragung. Ein virales Video aus dem Jahr 2025 zeigte einen Zuschauer, der hinter Kiewel demonstrativ ein Bier auf ex leerte. Dass es so weit kommen konnte, ist keine Kleinigkeit, sondern das Ergebnis einer seltsamen Laissez-faire-Haltung gegenüber dem Quoten-Zugpferd „Fernsehgarten“.