Milliarden für Helsing: Noch nie hat ein deutsches Startup auf einmal so viel Geld eingesammeltWährend in der Rüstungsbranche Konzerne wie Rheinmetall an der Börse schwächeln, feiern Startups Erfolge. So wie Helsing: Bei der Münchner Firma haben gerade die US-Finanzriesen JP Morgan und Goldman Sachs investiert.14.07.2026, 16.49 Uhr3 LeseminutenSo soll der Kampfjet der Zukunft aussehen: Das unbemannte Luftkampfsystem CA-1 an einer Präsentation im September 2025.NZZ – Agentur ReutersFrohe Kunde für eines der ambitioniertesten Unternehmen Deutschlands: Die Münchner Firma Helsing, die sich auf Software und Künstliche Intelligenz (KI) für Anwendungen im Rüstungssektor spezialisiert, hat in der jüngsten Finanzierungsrunde neues Kapital im Umfang von 1,8 Milliarden Dollar eingesammelt. Das teilte die Firma Anfang Woche mit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit dieser Summe knackt Helsing einen Rekord. Die Finanzierungsrunde gilt als die grösste, die jemals einem deutschen Startup gelungen ist.Beteiligt haben sich unter anderem die Grossbank JP Morgan Chase sowie eine Fondsgesellschaft der Investmentbank Goldman Sachs. Die beiden amerikanischen Finanzinstitute gelten als Geldgeber mit hohen Ansprüchen, nur die vielversprechendsten Startups der Welt schaffen es in ihr Portfolio. Helsing gewinnt also nicht nur neues Geld, sondern auch Prestige.Kometenhafter Aufstieg von HelsingDie Gesamtbewertung des Münchner Defence-Tech-Unternehmens beläuft sich nun auf 18 Milliarden Dollar. Das ist beinahe die Hälfte von dem, was der Megakonzern Volkswagen an den Kapitalmärkten zusammenbringt.Dabei gibt es Helsing erst seit 2021, die drei Gründer sind bis heute am Unternehmen beteiligt. Das Hauptprodukt von Helsing ist KI-gestützte Software, die verschiedene unbemannte Waffensysteme steuert. So beliefert das deutsche Startup unter anderem die ukrainischen Streitkräfte mit Flugdrohnen. Seit vergangenem Jahr stellt Helsing aber auch Unterwasserdrohnen her – und tüftelt an einem unbemannten Kampfjet. Damit das Startup seine ambitionierten Ziele erreicht, ist es Partnerschaften mit traditionsreichen Industrieunternehmen wie Airbus oder Schaeffler eingegangen.Der einflussreichste Geldgeber hinter Helsing ist der Spotify-Gründer Daniel Ek. Seine Investmentgesellschaft ist seit 2021 am Münchner Startup beteiligt, Ek ist bis heute sogar Chef des Verwaltungsrats. Mit der jüngsten Finanzierungsrunde und dem Einstieg amerikanischer Finanzinstitute ist die Eigentümerschaft von Helsing nun noch internationaler geworden. Die Mehrheit der Anteile bleibt nach Angaben des Unternehmens jedoch in europäischem Besitz.Was von Hype um Rüstungshersteller übrig bleibtHelsing ist nicht das einzige deutsche Startup aus dem Rüstungssektor, dem in den letzten Wochen eine erfolgreiche Finanzierungsrunde gelungen ist. So sammelte Quantum Systems, ein Hersteller von Überwachungsdrohnen mit Sitz in Oberbayern, anfangs Juli eine Summe von 1,2 Milliarden Dollar. Und die Berliner Firma Stark Defence, die unter anderem hochmoderne «Kamikazedrohnen» baut, erhielt im Juni neues Kapital im Wert von 500 Millionen Euro.Die Zahlen belegen, dass Rüstungsstartups aus Deutschland bei Investoren aus aller Welt hoch im Kurs sind.Anders sieht es für viele der etablierten Unternehmen in der Branche aus. So verzeichnet der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall zwar volle Auftragsbücher, musste an der Börse jedoch Kurseinbussen hinnehmen. Der Wert Wert einer Aktie hat sich seit vergangenem Jahr halbiert. Viele Anleger bezweifeln nämlich, ob Rheinmetall all die angehäuften Aufträge fristgerecht erfüllen kann.Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Hensoldt, einem Hersteller vor Radar- und Sensortechnologie. Die Aktie des Unternehmens hat im Verlauf des vergangenen Jahres einen Drittel seines Wertes verloren.Die Bewertungen dieser Unternehmen betragen zwar noch immer ein Vielfaches von jenem vor der russischen Invasion in der Ukraine. Doch der Börsenhype um die Rüstungskonzerne ist verflogen.Das bemerkten zuletzt auch die Eigentümer des Panzerbauers KNDS, die Holding der Familien Bode und Braunbehrens sowie der französische Staat. Die deutschen Privateigentümer wollten eigentlich ihren Anteil am Unternehmen loswerden. Einen Teil sollte der deutsche Staat übernehmen, den anderen wollten sie noch diesen Sommer an die Börse bringen. Anfang Juli verschoben sie diesen Schritt jedoch auf einen unbestimmten Zeitpunkt.Passend zum Artikel