Das auf Rüstungssoftware spezialisierte Start-up Helsing hat in der jüngsten Finanzierungsrunde 1,8 Milliarden Dollar eingesammelt und damit deutlich mehr als angepeilt. Mit einer Bewertung von 18 Milliarden Dollar ist Helsing nun das teuerste Rüstungs-Start-up in Europa. Erstmals engagierten sich bei dem 2021 gegründeten Unternehmen mit JP Morgan Chase und der zu Goldman Sachs zählenden Fondsgesellschaft Goldman Sachs Alternatives zwei Wall-Street-Häuser. Das Geschäft mit Rüstungssoftware auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) steht also weiterhin hoch im Kurs, während die Rüstungsaktien an der Börse unter Druck stehen.Erst vor wenigen Wochen gab der ebenfalls in München sitzende Helsing-Wettbewerber Quantum Systems eine Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden Dollar bekannt. Das im Jahr 2015 von dem ehemaligen Bundeswehroffizier Florian Seibel gegründete Unternehmen wird mit acht Milliarden Dollar bewertet. Auch andere junge Unternehmen aus dem Technologiebereich wie der Robotikspezialist Neura oder das Kernfusions-Start-up Proxima Fusion locken die Investoren an.Hohe InvestorennachfrageNeura erhielt eine Kapitalspritze in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar, während Proxima Fusion mit 411 Millionen Euro die größte Finanzierungsrunde Europas im Bereich der als Zukunftstechnologie geltenden Kernfusion erzielte. Der Berliner Hersteller von Kampfdrohnen Stark Defence sammelte in seiner Finanzierungsrunde vor wenigen Wochen 500 Millionen Euro ein. Nach Angaben von Helsing überstieg in der nun abgeschlossenen Finanzierungsrunde die Investorennachfrage das verfügbare Volumen deutlich. Das unterstreiche das hohe und wachsende Vertrauen in KI-gestützte und softwarebasierte Verteidigungstechnologie.Bundekanzler Friedrich Merz unterhält sich auf der Berliner Luft- und Raumfahrtmesse ILA mit Helsing-Gründer und -Vorstand Gundbert Scherf.ReutersHelsing betonte, weiterhin mehrheitlich in europäischem Besitz zu bleiben. Auch der Verwaltungsrat des Unternehmens bleibe unverändert. Ko-Vorsitzende sind Spotify-Gründer Daniel Ek und der ehemalige Airbus-Chef Tom Enders. Dem Gremium werden weiterhin die Helsing-Gründer Torsten Reil, Gundbert Scherf und Niklas Köhler angehören. In der jüngsten Finanzierungsrunde engagierten sich nach Angaben von Helsing bestehende und neue Investoren. Dazu zählen unter anderem Dragoneer Investment Group, Lightspeed Venture Partners, Disruptive, Iconiq, der kanadische Pensionsfonds CPP Investments, General Catalyst, Plural und Stepstone.Kooperation mit etablierten UnternehmenAuch wenn Helsing nun das teuerste Rüstungs-Start-up in Europa ist, wird es schon seit einiger Zeit ebenso wie Quantum Systems zu den „Neo Primes“ gezählt. Diese Unternehmen sind schon über den Start-up-Status hinaus und stehen als softwarezentrierte Jungunternehmen in Konkurrenz zu etablierten Rüstungskonzernen wie Rheinmetall oder Airbus. Allerdings arbeitet Helsing schon mit Rheinmetall zusammen, um die Waffensysteme und Fahrzeuge mit der KI-Software zu verbinden.Auch Quantum und Airbus kooperieren: Die Kampfhubschrauber von Airbus sollen mit dem Drohnenabfangsystem von Quantum ausgestattet werden. Helsing ist ebenso wie Quantum als Drohnenhersteller groß geworden. So stattet Helsing die ukrainischen Streitkräfte mit Kampfdrohnen aus. Doch die Produktpalette ist deutlich ausgeweitet worden. Im Mittelpunkt steht seit einiger Zeit der unbemannte Kampfjet CA-1, der zusammen mit Grob Aircraft entwickelt wird. Seit einem Jahr arbeitet Helsing zudem an Unterwasser-Aufklärungsdrohnen.Reklame für Helsing GmbH in MünchenGettyMedienberichten zufolge spielt Helsing nach dem Aus des europäischen Kampfjet-Projekts FCAS eine zentrale Rolle in den Überlegungen des Bundesverteidigungsministeriums für ein Nachfolgesystem. Die Softwarearchitektur (CFSN) soll Helsing liefern. Der Vertrag hat nach Informationen des Rüstungsportals „Hartpunkt“ ein Volumen von 220 Millionen Euro.Durch die Übernahme des spanischen Robotikunternehmens Keybotic ist Helsing vor Kurzem auch auf dem Gebiet der Bodensysteme tätig. Ziel ist eine Plattform für vierbeinige Militärroboter und autonome Landsysteme. Die Mittel aus der jüngsten Finanzierungsrunde will Helsing in die Entwicklung neuer KI-Plattformen investieren. Diese sollen in die Verteidigungsfähigkeiten einer wachsenden Zahl von Partnerländern integriert werden.Investitionen auf AllzeithochDie erfolgreichen Finanzierungsrunden von Helsing und Quantum zeigen, dass junge Rüstungsunternehmen mit KI-Technologie von den Investoren weiterhin als chancenreich bewertet werden. Dagegen ist der Höhenflug der Rüstungsaktien an der Börse in diesem Jahr zu Ende gegangen. Der Aktienkurs von Rheinmetall hat sich in den vergangenen zwölf Monaten halbiert, steht aber noch immer um ein Vielfaches höher als vor fünf Jahren. Der Aktienkurs des Radar- und Sensorspezialisten Hensoldt hat in den vergangenen zwölf Monaten 30 Prozent verloren, sich aber in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht.Nach einer Studie des NATO Innovation Fund erreichten die Investitionen in europäische Rüstungs-Start-ups im vergangenen Jahr mit 8,7 Milliarden Dollar ein Allzeithoch. Das Investitionsvolumen hat sich binnen eines Jahres um 55 Prozent erhöht und innerhalb von fünf Jahren vervierfacht. Mehr als die Hälfte des Kapitals stellten europäische Investoren bereit. Der Anteil nordamerikanischer Investoren ist zwischen 2023 und 2025 von 14 auf 38 Prozent gestiegen.Die meisten Investitionen flossen im vergangenen Jahr mit 2,9 Milliarden Dollar in britische Rüstungs-Start-ups. Deutschland kam auf 2,1 Milliarden Dollar. Dahinter folgen Frankreich mit 869 Millionen Dollar und Finnland mit 636 Millionen Dollar.
Helsing steigt zu Europas teuerstem Rüstungs-Start-up auf
Das Münchner Unternehmen sammelt 1,8 Milliarden Dollar ein und wird nun mit 18 Milliarden Dollar bewertet. Erstmals beteiligen sich Wall-Street-Banken.











