PfadnavigationHomeRegionalesHamburgStadtentwicklungDomachse wird Promenade – Hamburgs historische Mitte im WandelStand: 16:12 UhrLesedauer: 4 MinutenDer Hammaburg-Platz soll zum Park weiterentwickelt werden – ein Projekt innerhalb der Aufwertung der Domachse von der Innenstadt zur SpeicherstadtQuelle: Marcus Brandt/dpaHamburg plant die historische Domachse neu. Aus der autogeprägten Verbindung zwischen Binnenalster und Elbe entsteht eine „Alster-Elbe-Promenade“ mit mehr Grün, breiten Wegen und großem Park an der Keimzelle der Stadt – doch der Umbau zieht sich über Jahre.Wer heute vom Jungfernstieg durch die Innenstadt zur Speicherstadt läuft, überquert breite Fahrbahnen, wartet an engen Ampeln und passiert Orte, deren historische Bedeutung kaum noch erkennbar ist. Der Hamburger Senat will das ändern. Aus der Domachse soll eine Promenade von der Binnenalster bis an die Elbe werden, der Hammaburg-Platz zu einem der größten Parks der Innenstadt. Doch bis die Pläne Realität werden, dürften noch viele Jahre vergehen.Mit dem nun vorgestellten Rahmenplan haben Stadtentwicklungsbehörde und Verkehrsbehörde ihre Vision für die rund einen Kilometer lange Verbindung zwischen Altstadt und HafenCity vorgestellt. Entlang der Bergstraße, der Schmiedestraße, des Alten Fischmarkts und der Brandswiete sollen breitere Gehwege, neue Radwege, zusätzliche Bäume und deutlich mehr Aufenthaltsflächen entstehen. Herzstück des Projekts ist der Hammaburg-Platz, die historisch belegte Keimzelle Hamburgs. Dort soll durch den Wegfall eines Teils der heutigen Domstraße die Fläche um bis zu 40 Prozent wachsen und zu einem Park umgestaltet werden, in dem es auch Spielgeräte geben soll. Lesen Sie auchSeit 2023 plant der Senat Lösungen für die Verbindung, die unter anderem an der St. Petrikriche, an der Scientology-Kirche und am Domplatz vorbeiführt. Diese Achse, die in den Plänen schon als „Alster-Elbe-Promenade“ benannt wird, gehört schon heute zu den meist genutzten Verbindungen zwischen den beiden Innenstadtflüssen. Nach Angaben von Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) nutzen täglich rund 65.000 Menschen den Weg. Seit der Eröffnung des Westfield-Überseequartiers in der HafenCity habe die Bedeutung der Route noch einmal zugenommen. Zahlen belegten das sehr deutlich.„Die Domachse zählt zu den wichtigsten Verbindungen zwischen der historischen Innenstadt und der HafenCity“, sagte Pein. Der Rahmenplan zeige, wie diese Wegeverbindung durch mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer zu einer durchgehenden, von Bäumen gesäumten Promenade aufgewertet werden könne. Das „absolute Highlight“ werde der deutlich vergrößerte Hammaburg-Platz. Heute vom Verkehr dominiertOberbaudirektor Franz-Josef Höing begründete die Pläne auch mit der besonderen Geschichte des Quartiers. Entlang der Achse lägen Orte wie der Alte Fischmarkt, der Vorplatz von St. Petri oder der Hammaburg-Platz, die einst zu den prägenden Stadträumen Hamburgs gehört hätten, heute jedoch vielfach vom Verkehr dominiert würden. Ziel sei es, diesen Orten wieder eine eigene Bedeutung zu geben und sie zu Arealen zu machen, an denen sich Menschen gerne aufhalten.Lesen Sie auchBesonders sichtbar wird das am Hammaburg-Platz. Die östliche Domstraße soll künftig entfallen und in die Parkfläche integriert werden. Dadurch entstehe mitten in der Innenstadt ein neuer zusammenhängender Grünraum. Geplant sind zusätzliche Bäume, Sitzgelegenheiten sowie Spiel- und Bewegungsangebote. Auch der Alte Fischmarkt, der heute nur noch der gleichnamigen Straße als Name dient, aber nicht mehr als Platz erkennbar ist, soll als eigenständiger Platz wieder erkennbar werden. Möglicherweise werde er auch wieder – wie historisch belegt – einen markanten Brunnen erhalten.Engstellen für Fußgänger werden wenigerVerkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sieht in dem Projekt zugleich einen Baustein der Mobilitätswende in der Innenstadt. Die Domachse werde auch künftig für den Autoverkehr passierbar bleiben, die Fahrbahnen würden aber schmaler und neu geordnet. Entlang der Strecke sollen rund 1,4 Kilometer neue Radwege entstehen. Gleichzeitig sollen schwierige Kreuzungen und Engstellen für Fußgänger entschärft werden, etwa im Bereich der Mönckebergstraße und an der Kornhausbrücke.Ein unmittelbarer Baustart für die gesamte Achse ist allerdings nicht in Sicht. Der Rahmenplan dient zunächst als Leitbild für die kommenden Jahre. Konkrete Kosten kann die Stadt deshalb bislang nicht nennen. Fest steht lediglich die Reihenfolge der nächsten Schritte: Bereits im September soll der Umbau der Steinstraße beginnen. Dort entsteht eine sogenannte Kommunaltrasse für Busse, Taxis und Moia-Fahrzeuge. Sie gilt als wichtige Voraussetzung für die spätere Umgestaltung der Domachse. Anschließend soll die Promenade folgen. Für den Hammaburg-Platz sind zunächst weitere Planungsverfahren vorgesehen.Lesen Sie auchKritik kommt aus der Opposition. Die CDU bemängelt, der Senat denke die Verbindung in Richtung Speicherstadt und HafenCity nicht konsequent genug zu Ende. Die Kornhausbrücke, an der die Promenade aktuell enden wird, ist eine sehr enge Brücke über der Elbe, mit nur schmalen Fußgängerwegen. Die Linke begrüßt zwar die Umverteilung des Straßenraums zugunsten von Fußgängern und Radfahrern, kritisiert aber die aus ihrer Sicht weiterhin zu starke Versiegelung großer Flächen. So sieht etwa die Neugestaltung des Vorplatzes von St. Petri nicht vor, die Fläche zu entsiegeln. Bisher wäre der Platz weiter überwiegend mit Steinen bedeckt. Lediglich einige zusätzliche Pflanzungen sind angedacht. Beide Fraktionen fordern Nachbesserungen bei der weiteren Planung.Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik.