PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungQueeres KreuzfahrtschiffWer in solchen Ländern noch Urlaub macht, dem sind Menschenrechte gleichgültigStand: 16:36 UhrLesedauer: 3 MinutenDie „Scarlet Lady“ hat schließlich ihren Kurs geändert und ist nach Kreta gefahrenQuelle: Gerard Bottino/SOPA Images via ZUMA Press Wire/picture allianceDem Kreuzfahrtschiff „Scarlet Lady“ wurde erst in der Türkei, jetzt auch in Ägypten das Anlegen verweigert. Der Grund: die queeren Passagiere. Wer in solchen Ländern noch Urlaub macht, dem sind Menschenrechte gleichgültig.Auf der Website des Unternehmens Atlantis Events sind praktisch nur Männer zu sehen: muskulös, lächelnd, zwischen jung und mittelalt. Ob daher die Bezeichnung LGBTQ+-Kreuzfahrt zutrifft, wie es in der Berichterstattung heißt, lässt sich aus der Entfernung nur schwer beurteilen. Und es ist auch nur ein Nebenaspekt, was Sprachregelungen und Realität betrifft. Was aber feststeht: Nachdem die „Scarlet Lady“, ein von Atlantis Events für die Mittelmeerkreuzfahrt gecharterten Schiff, in der Türkei das geplante Anlegen verweigert wurde, durfte sie auch in Ägypten nicht einlaufen. Eine offizielle Begründung gab es nicht. Die türkische Regierung hatte auf „moralische Werte“ des Landes und die 1860 Passagiere verwiesen, deren „Verhaltensweisen nicht zu unserer Gesellschaftsstruktur passen“. Drastisch formuliert: Schwule müssen draußen bleiben. Oder besser: an Bord und unter sich. In beiden Ländern ist Homosexualität nicht verboten, aber starken und schlimmer werdenden Repressionen ausgesetzt. 2025 rief Recep Erdoğan ein „Jahr der Familie“ aus und eiferte gegen die „perverse Ideologie“ der LGBTQ+-Community. Unter dem ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi werden Homosexuelle unter Berufung auf ein Gesetz gegen „Prostitution und Ausschweifung“ systematisch verfolgt. Wobei man Touristen meist in Ruhe lässt. Die demonstrativen Gesten beider Länder lassen nur eine Interpretation zuDer Journalist und Schriftsteller David Foster Wallace schrieb 1995 eine XXL-Reportage über seine Reise auf einem (vorwiegend heterosexuellen) Kreuzfahrtschiff, die sofort zum Klassiker des Genres wurde: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“. Auch ich bevorzuge andere Formen des Reisens, und ein Kreuzfahrtschiff voller Schwuler klingt für mich nicht nach „unendlichem Spaß“, um einen anderen Titel des Autors zu zitieren. „Die besten Partys an Land und auf See, mit empörenden Themen (sic!) und erstklassigen Produktionen für jeden Musikgeschmack“, heißt es auf der Website von Atlantis, ebenso aufgedreht wie bedrohlich. Und: „Kommen Sie an Bord des ersten Schiffes, das speziell für hyper-sozialen, endlos interaktiven, originellen Spaß gebaut wurde …“Aber Spaß beiseite. Die demonstrativen Gesten beider Länder lassen nur eine Interpretation zu: Ihre Regierungen können nicht ertragen, dass andere Menschen andere Leben führen. Denn es geht ja (leider) nicht um die sexuelle, ideologische, ästhetische Unterwanderung und Überfremdung. Die 1860 queeren Menschen (laut Atlantis sind 5 bis 10 Prozent der Gäste Frauen) hätten sich in Istanbul oder Alexandria vermutlich Sehenswürdigkeiten angeschaut, Drinks und Souvenirs erstanden und wären brav und pünktlich wieder an Bord gedackelt (Kreuzfahrtschiffe warten nicht). Sicherlich wäre die Tank-Top-Dichte für ein paar Stunden gestiegen, aber davon hätte man sich erholt. Lesen Sie auchWie übrigens in den Jahren davor, als diese Schiffe noch problemlos anlegen durften. Wenn also diese Länder ihre Politik verschärfen, dann sollten sie vorerst keine Urlaubsdestination mehr sein. Nicht für die LGBTQ+-Community, aber auch für niemanden sonst. Lesen Sie auchDenn queere Rechte sind Menschenrechte. Wer gedankenlos an solche Orte reist, der ist kein Freund der freien Welt. Die „Scarlet Lady“ hat dann ihren Kurs geändert und ist nach Kreta gefahren. Die Pyramiden oder die Hagia Sofia müssen warten, bis man dort wieder zur Besinnung kommt. Sie haben schon andere Irrungen überdauert.
LGBTQ+-Kreuzfahrt: „Scarlet Lady“ abgewiesen – Keine Einreise für Schwule - WELT
Dem Kreuzfahrtschiff „Scarlet Lady“ wurde erst in der Türkei, jetzt auch in Ägypten das Anlegen verweigert. Der Grund: die queeren Passagiere. Wer in solchen Ländern noch Urlaub macht, dem sind Menschenrechte gleichgültig.















