Der Logistik- und Hafenbetreiber DP World plant der Financial Times (FT) zufolge den Bau eines neuen Hafens und Containerterminals an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Damit könnte Dubai die Abhängigkeit von seinem wichtigsten Drehkreuz Jebel Ali an der Westküste verringern, von dem aus die Route durch die Straße von Hormus führt. Ein neuer Hafen am Golf von Oman – jenseits der Meerenge – würde es Containerschiffen ermöglichen, die VAE anzulaufen und zu verlassen, ohne die Straße von Hormus durchqueren zu müssen.Dubais bisheriger Containerhafen Jebel Ali ist der größte der Region. Nachdem Iran die Straße von Hormus als Reaktion auf Angriffe der USA und Israels gesperrt hatte, brach das Umschlagvolumen dort um 90 bis 95 Prozent ein, heißt es in der FT, die sich auf Insiderinformationen bezieht. Deshalb führe der in Dubai ansässige, staatlich kontrollierte Hafenbetreiber DP World nun Gespräche über die Entwicklung eines neuen Mehrzweckhafens im Küstengebiet von Fudschaira sowie über ein neues Terminal im bestehenden Hafen des Emirats. SZ-GrafikDie Pläne von DP World sind Teil einer umfassenderen Strategie der VAE: Das Land will seine Wirtschaft unabhängiger von der Straße von Hormus machen und damit widerstandsfähiger gegen künftige Konflikte mit Iran. Iranische Drohnen- und Raketenangriffe haben die Schifffahrt durch die Meerenge massiv eingeschränkt. Vor dem Krieg passierten täglich rund 135 Schiffe die Straße von Hormus; auch nachdem diese im Zuge eines vorläufigen Waffenstillstands zwischen den USA und Iran kurzzeitig wieder für befahrbar erklärt wurde, stieg die Zahl der täglichen Durchfahrten auf kaum mehr als 40.Der neue Hafen könne innerhalb von anderthalb Jahren fertiggestellt werden, heißt esDer Aufstieg Dubais zum internationalen Handels- und Finanzzentrum ist untrennbar mit dem Wachstum des Containerhafens Jebel Ali verbunden, das der Krieg im Nahen Osten nun bedroht. Im März war dort nach einem iranischen Raketenangriff ein Feuer ausgebrochen. Vertreter aus der Golfregion betonen, dass die Investitionen an der Ostküste nicht als Ersatz für Jebel Ali gedacht seien. Der Standort, der über Jahrzehnte gewachsen ist, verfügt über eine weitläufige Freihandelszone. „Jebel Ali wird weiter Jebel Ali bleiben“, sagte ein hochrangiger Unternehmensvertreter der Financial Times. „Es wird nie verkleinert werden.“Das neue Projekt würde die Präsenz von DP World am Golf von Oman allerdings ausbauen. Es wäre dann möglich, Container ins Land und aus dem Land heraus zu bringen, ohne die Meerenge passieren zu müssen. Die Ware könnte dann auf dem Landweg per Lastwagen nach Dubai, Abu Dhabi und in benachbarte Golfstaaten transportiert werden oder aus ihnen heraus. Der neue Hafen könne binnen anderthalb Jahren fertiggestellt werden, heißt es in dem Bericht. Allerdings gebe es über Struktur und Finanzierung bislang keine abschließende Entscheidung. DP World wollte Einzelheiten zu etwaigen Projekten an der Ostküste nicht bestätigen.Mit der Sperrung der Meerenge hat Iran die Welt geschockt. Weil die Passage so eng ist, ist es leicht, den Schiffsverkehr zu stören. Nun versuchen die Anrainer, ihre Abhängigkeit von der Route zu verringern. Iran könnte einen Hafen an der Ostküste der VAE ebenfalls angreifen, aber die Auswirkungen auf den internationalen Schiffsverkehr wären längst nicht so weitreichend wie bei der Hormus-Blockade. Iran würde mittelfristig ein Druckmittel verlieren.Auch Saudi-Arabien, der Irak und Kuwait prüfen AusweichroutenAuch andere Anrainerstaaten ziehen Konsequenzen aus der Krise. Saudi-Arabien plant eine weitere Pipeline zum Roten Meer, um seine Exportinfrastruktur unabhängiger von der Straße von Hormus zu machen. Eine zusätzliche Leitung würde es dem Königreich erlauben, einen größeren Teil seiner Energieexporte über Häfen an der Westküste abzuwickeln – und damit einen alternativen Korridor außerhalb des unmittelbaren iranischen Einflussbereichs zu erschließen. Auch der Irak und Kuwait prüfen Ausweichrouten. Diskutiert werden vor allem Pipelines, die über Syrien ans Mittelmeer führen könnten.