Die Hitze in Deutschland stellt manche Menschen vor ungewohnte Fragen. Was tun mit dem angebrochenen Morgen nach dem Durchlüften um 5.30 Uhr? Je länger die hohen Temperaturen anhalten, desto mehr wird das „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF zum treuen Begleiter nach dem Aufwachen.Das muss man den Öffentlich-Rechtlichen lassen, sie bemühen sich redlich um die jüngere Zielgruppe – was mal besser und mal schlechter funktioniert, wie der Auftritt der Berliner Rapperin Ikkimel im ZDF zeigte. Mit ihrem Vortrag über „Fußballmänner, alles Penner“ sorgte sie für Verwirrung in deutschen Wohnzimmern und Begeisterung in den USA.Zu den Traditionen im ARD-„Morgenmagazin“ gehört ein Blick in die Social-Media-Trends, also der Transfer vom kleinen zum großen Bildschirm. Welche Trends sollten auch die Boomer kennen? Was feiern die jungen Leute gerade im Internet, welche Memes gehen viral, worüber wird sich lustig gemacht? Im Zweifel über Kanzler Merz, klar, aber aktuell wird Erling Haaland gehypt. Zwar schießt er nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft keine WM-Tore mehr, aber er trifft einen Nerv in den Sozialen Medien.Sein jüngster Instagram-Beitrag, ein Foto von seiner Rückkehr nach Norwegen, zeigt ihn mit einer sehr stylishen Tasche über der Schulter und einem ausgestopften Waschbären in der Hand auf der Flugzeugtreppe. Der Waschbär hält eine Glasflasche umklammert. Es wirkt, als kehre Haaland von einem Glampingtrip aus den Rocky Mountains zurück.Angeblich hat er das flauschige Souvenir in einem Western Store in Dallas gekauft, samt Cowboyhut und Stiefeln. Der Laden soll nach dem Besuch des Stürmers von Haaland-Fans gestürmt worden sein. Man kann davon ausgehen, dass auch die Tasche weltweit längst vergriffen sein wird, wenn die Leser der jüngsten F.A.Z.-Ausgabe in den Briefkasten greifen.Denn der Hype um den Norweger geht um die ganze Welt. Alle wollen kaufen, was Haaland gekauft hat. Kinder wollen sein wie er, Eltern wollen, dass ihre Babys so werden wie er – zumindest tragen in Peru schon mehr als 500 Kinder seinen Namen, und morgen früh sind es womöglich ein paar Dutzend mehr. Und eine Frau hat das „Wie-Erling-Haaland-Sein“ schon erreicht, ohne eigenes Zutun. Damit ist sie auf Instagram bekannt geworden.Auch das lernt man im „Moma“: Das Model Anastasia Kostromitina sieht dem Fußballer zum Verwechseln ähnlich. Ein Video auf ihrem Account, in dem die Russin Gesten und Mimik des Fußballers imitierte, wurde über 120 Millionen Mal aufgerufen. Es folgten Jobangebote und neue Werbeverträge, sagt sie.Das freut die Werbepartner am meisten: Nicht nur der Fußballer selbst generiert mit dem Hype um seine Person Reichweite. Auch andere Menschen profitieren davon, weil sie ihn nachmachen oder etwas anbieten, was ihm gefällt.Erling Haaland war schon vor der WM ein Star, weil er einer der besten Torjäger ist, weil er als empathisch und bodenständig wahrgenommen wird. In den WM-Wochen aber sind seinem Instagram-Account noch einmal rund 22 Millionen neue Follower zugewachsen. Norwegens Viertelfinal-Aus hat in diesem Spiel keine Relevanz. Das Erfolgsrezept ist einfach: Erling Haaland muss einfach nur Erling Haaland sein. Und die Hitzewelle noch ein bisschen länger die Menschen vor die Bildschirme locken.