Trump will eine eigene Maut für die Strasse von Hormuz – und der Ölpreis setzt seinen steilen Anstieg fortEinen Wegzoll Irans lehnen die USA ab. Jetzt möchte der US-Präsident eine eigene Gebühr einführen. Die Höhe wirkt absurd.14.07.2026, 13.55 Uhr4 LeseminutenEr ist rechtzeitig rausgekommen: ein Öltanker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in der Anfahrt auf den Hafen von Seosan, Südkorea.Kim Soo-hyeon / ReutersIm Ringen um die Kontrolle der Strasse von Hormuz haben die USA einen überraschenden Vorstoss unternommen. Präsident Trump kündigte am Montag an, Amerika werde eine Maut von 20 Prozent für Durchfahrten von Frachtschiffen erheben. Damit sollten die USA für ihre Dienste als Schutzmacht über die strategisch wichtige Meerenge entschädigt werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Solch eine Maut sei ein Gebot der Fairness, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Die Einrichtung des Mautprozesses beginne sofort. Im selben Atemzug kündigte der Präsident an, erneut eine Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen zu verhängen. Diese Blockade war im Zuge des vor einem Monat erzielten Rahmenabkommens für Friedensverhandlungen mit Iran aufgehoben worden.Teurer als Irans MautversuchTrumps Maut wurde weitherum kritisiert. Die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) erklärte, für eine Maut fehlten die legalen Grundlagen. Tatsächlich ist ein Wegzoll für die Passage der Meerenge nicht vom Seerecht gedeckt. Er würde den freien Schiffsverkehr verhindern und könnte als gefährlicher Präzedenzfall für die Kontrolle weiterer Wasserwege gelten.Aus diesem Grund ist auch Irans Bestreben, eine Maut in der Strasse von Hormuz einzuführen, sehr umstritten – sogar dann, wenn sie keine substanziellen Mehrkosten brächte. Iran hatte im Frühjahr versucht, eine Gebühr von zwei Millionen Dollar pro Öltanker zu erheben. Relativ zum Wert der transportierten Ölmenge ist das ein verkraftbarer Betrag.Die USA hatten Irans Maut abgelehnt. Trumps Ankündigung von 20 Prozent übertrifft nun die iranische Gebühr bei weitem – auch wenn unklar ist, worauf sich der Präsident bezieht. Sollte eine Maut in Höhe von 20 Prozent des Frachtwerts gemeint sein, würde sie Transporte auf dem Wasserweg massiv verteuern.Bei einem grossen Öltanker betrüge diese Gebühr derzeit mehr als 30 Millionen Dollar. Beobachter vermuten, dass eine Maut in dieser Höhe nicht sinnvoll umgesetzt werden kann.Verkehr durch die Meerenge bricht wieder einTrumps Vorstoss darf als Zeichen der wachsenden Frustration über die Lage in der Meerenge gewertet werden. Teheran möchte Handelsschiffe nur entlang der eigenen Küstenlinie passieren lassen und so die Kontrolle über die Strasse von Hormuz erlangen.Die USA präferieren eine Schifffahrtsroute entlang der Küste von Oman und wollen dort verkehrende Frachter vor iranischen Attacken schützen – was mit der Maut abgegolten werden soll. Das Gebiet in der Mitte der Meerenge, das vor dem Krieg für Schiffspassagen genutzt wurde, gilt als vermint.In den vergangenen Tagen haben die iranischen Revolutionswächter immer wieder Handelsschiffe beschossen, welche die Route nahe Oman befuhren. Zwei Öltanker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wurden am Montag von iranischen Raketen getroffen. Ein Crewmitglied wurde getötet, acht wurden verletzt.Zur Vergeltung haben die USA drei Nächte hintereinander Ziele in Iran angegriffen. Die Zahl der Schiffsdurchfahrten in der Strasse von Hormuz ist am Wochenende eingebrochen und sank am Montag laut der Nachrichtenagentur Reuters auf den niedrigsten Wert seit zwei Monaten. Nach dem Abschluss des Rahmenabkommens hatten viele beladene Öltanker den Persischen Golf verlassen. Dieser Strom ist aufgrund der Sicherheitslage wieder versiegt.Der Rohölpreis kletterte auf den höchsten Stand, seit die USA und Iran vor rund einem Monat das Rahmenabkommen für Friedensverhandlungen vereinbart haben. Am Dienstagmittag verteuerte er sich für die Referenzsorte Brent auf 87 Dollar, ein Plus von fünf Prozent. Am Montag hatte der Brent-Preis um knapp 10 Prozent zugelegt, gemäss Reuters der grösste Sprung über einen gesamten Handelstag seit dem Frühjahr 2020.Durch die Flut an bereits beladenen und zuvor im Golf gefangenen Tankern, welche die Meerenge in den vergangenen vier Wochen verlassen konnten, hat sich der internationale Ölmarkt etwas Zeit erkauft. Doch bleibt die Sicherheitslage jetzt zu gefährlich, können Ölexporte aus der Golfregion über Pipelines die Transportausfälle auf dem Wasserweg nicht kompensieren.Muss China wieder zaubern?Damit gerät der Ölmarkt wieder in eine Schieflage, in der viel davon abhängt, wie sich die übrigen Produzentenländer, Importeure und Konsumenten verhalten – und ob der Preis die Nachfrage drückt. Eine wichtige Rolle kommt China zu, dem weltweit grössten Importeur von Rohöl. Das Land hat seine Einfuhren während der Iran-Krise unerwartet stark reduziert und so entscheidend mitgeholfen, den Angebotsmangel am Weltmarkt zu entschärfen.Chinas Flexibilität könnte wieder gefragt sein, wenn sich die Sicherheitslage am Golf nicht entspannt. Dort ist zu Wochenbeginn ein weiteres Risiko hinzugekommen: Die Huthi-Rebellen in Jemen haben am Montag saudische Ziele mit Raketen beschossen. Die Huthi sind Verbündete Irans. In den vergangenen Jahren hatten sie mit Angriffen auf Frachtschiffe im Roten Meer für einen Einbruch des Schiffsverkehrs durch den Suezkanal gesorgt.Im bisherigen Kriegsverlauf hatten sich die Huthi stark zurückgehalten – bis jetzt. Seit Kriegsbeginn ist der Exportweg über das Rote Meer für Saudiarabien sehr wichtig geworden, weil das Königreich nun grosse Mengen Rohöl über den dortigen Hafen von Yanbu statt durch den Persischen Golf exportiert. Sollten die Huthi auch diese Tanker angreifen, wäre es ein weiterer Schlag für die internationale Ölversorgung.Passend zum Artikel
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