Rums! Das schlug ein wie Gewitter in der französischen Sommerhitze. Sauer sei er, der Remco Evenepoel, und zwar zu Recht. Weil sein deutscher Teamkollege Florian Lipowitz sein Fähnchen nach Auffassung des Belgiers etwas zu wenig in den Wind hing und lieber sein ganz eigenes Rennen rauf nach Gavarnie-Gèdre fuhr.Bei Red-Bull-Bora-Hansgrohe war man zwar schnell dabei, den Krach wieder einzufangen, aber schon nach der ersten Woche scheint die spannendste Frage bei der Tour nicht zu sein, wer gewinnt (Pogačar), sondern wann es bei Red Bull so richtig kracht. Doppelspitze ist eben nicht immer doppelt spitze.Doch liegt ein Ausweg aus dieser selbst geschaffenen Misere nicht nahe? Bundestrainer in spe Jürgen Klopp lässt grüßen. Der könnte, so mutmaßte kürzlich Lothar Matthäus, bald mit Red-Bull-Kappe beim DFB auf der Bank sitzen. Beflügelnde Vorstellung!Also einfach ab mit einem der Streithähne zu einem neuen Rennstall – mit besten Empfehlungen aus Raublingen und vor allem einem hübschen Helm mit zwei Bullen drauf.Red-Bull-Kappe? Alter Hut!Endlich mal wieder eine Sportart, die irgendwas vom Fußball lernen kann? Pustekuchen! Im Radsport nämlich werden sie rufen: Das mit Kappe ist doch ein alter Hut!Schließlich fahren Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) und Tom Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling) völlig unabhängig von ihren Arbeitgebern schon lange mit Red-Bull-Helmen durch die Radsportwelt. Dass Pidcock für Lipowitz deswegen nun Flaschen holen geht oder van Aert ein Leadout für Evenepoel fährt, wurde bislang trotzdem nicht beobachtet.Den Teamsponsor auf der Brust und den eigenen auf dem Kopf: Visma-Profi Wout van AertAFPZumindest im Fall van Aerts sah man sich bei Visma 2024 aber angesichts des prickelnden Interesses der Deutschen am Belgier offenbar zu einem noch süßeren Gegenangebot genötigt. Seitdem kann van Aert völlig frei über sein Vertragsende bei den Niederländern bestimmen. Lease a Bike, but buy the rider. Zu derlei Offerten scheint man sich beim DFB im Werben um Klopp (noch) nicht genötigt zu sehen.Und die beiden Lokführer vom Taurinexpress? Müssen wohl doch andere Wege finden, den Zwist beizulegen. Sonst könnte es bei Red-Bull-Bora-Hansgrohe noch vor der Fahrt über die Champs-Élysées ein weiteres Mal teamintern auf die Mütze geben.Im Falle Klopps könnte selbige im Übrigen weiterhin ohne Red-Bull-Schriftzug auskommen. Dem Vernehmen nach soll eine Rolle als Werbebotschafter vom Tisch sein. Nur auf seine Expertise will man bei Red Bull offenbar „hin und wieder“ zurückgreifen. Einen Tipp hätten wir da schon: Im Fußball steht immer nur ein Kapitän auf dem Platz. Kann der Radsport also doch noch was lernen.