Im Bundesarchiv lagern an verschiedenen Standorten insgesamt 91 laufende Kilometer NS-Dokumente mit einem Umfang von 1,1 Milliarden Seiten. Zu dieser Sammlung gehören auch die Unterlagen aus dem früheren von den Amerikanern betriebenen Berlin Document Center (BDC), die das Bundesarchiv 1994 übernommen hat: rund 76 Millionen Seiten, darunter Hunderttausende SA- und SS-Personalakten. Die Amerikaner haben die Akten vor der Übergabe auf Mikrofilm kopiert, sie lagern heute im US-Nationalarchiv. Teile der bereits digitalisierten Unterlagen zu SA und SS hat die ZEIT nun erstmals online zugänglich gemacht und für eine Personensuche aufbereitet. Das Bundesarchiv hat uns bei dieser Arbeit mit seiner archivalischen Expertise unterstützt.
Seit vielen Jahren digitalisiert das Bundesarchiv auch seine eigenen Bestände: »Unser Ziel war, ist und bleibt es, das gesamte Archivgut des Bundes zu digitalisieren und damit auch alle NS-Dokumente«, sagt der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann.
Bis dieses Ziel erreicht ist, werden wohl noch Jahrzehnte vergehen. Denn anders als das US-Nationalarchiv digitalisiert das Bundesarchiv nicht Mikrofilme, was vergleichsweise schnell und einfach geht, sondern Originalakten: Viele Unterlagen sind fragil; sie müssen vor dem Scannen von Hand gereinigt, von Metallklammern befreit und stabilisiert werden. Entsprechend hoch, sagt Hollmann, seien die Kosten. Geschätzt 168 Millionen Euro würden benötigt, um beispielsweise die Personalakten der Wehrmacht vollständig zu digitalisieren. Der jährliche vom Bund gewährte Etat für Digitalisierungen habe zuletzt bei 2,5 bis 3 Millionen Euro gelegen.








