PfadnavigationHomePanorama15 Häuser, 24.000 QuadratmeterIn Thüringen steht ein ganzes Dorf zum VerkaufStand: 09:28 UhrLesedauer: 3 MinutenMit dieser Anzeige sucht der Verkäufer einen neuen Eigentümer für ein ganzes DorfQuelle: Kleinanzeigen; Screenshot WELTEs klingt wie ein Schnäppchen: In Thüringen steht ein ganzes Dorf für 390.000 Euro zum Verkauf. Doch die Sache hat einen Haken, wenn man genauer liest.Es liegt idyllisch in der Nähe eines Sees mitten im Wald. Und der Preis stimmt auch: In Kamsdorf im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (Thüringen) wird ein ehemaliges Jugenddorf für 390.000 Euro zum Verkauf angeboten. Ein Preis, für den man andernorts nicht einmal eine Einzimmerwohnung kaufen kann.Vermarktet wird das rund 24.000 Quadratmeter große Gelände nahe dem Hohenwarte-Stausee über die Plattform „Kleinanzeigen“ als „Anlage mit Entwicklungspotenzial“. Früher gehörte es der ehemaligen Stahl- und Hüttenwerksgesellschaft Maxhütte. Solche Anlagen wurden in der DDR häufig von Betrieben als Ferien- und Erholungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche ihrer Beschäftigten betrieben.Zu dem angebotenen Jugenddorf gehören 15 eingeschossige Gebäude in massiver Bauweise mit jeweils etwa 100 Quadratmetern Grundfläche sowie ein zentrales Hauptgebäude mit einem früheren Speisesaal von mehr als 300 Quadratmetern, berichtet die „Bild“-Zeitung. Strom- und Trinkwasseranschlüsse sind vorhanden. Die Entwässerung erfolgt derzeit über eine Sammelgrube. Die Gebäude wurden bereits entkernt.Lesen Sie auchIst das Angebot also ein Schnäppchen? Immerhin wirbt der Eigentümer damit, dass „ein Objekt dieser Art“ äußerst selten am Markt zu finden sei. Doch etwas Entscheidendes fehlt für die künftige Nutzung: ein genehmigter Bebauungsplan. „Wir hatten die Vorstellung, dass wir uns das schön herrichten, gingen davon aus, dass es Wohngenehmigungen gibt“, sagte Eigentümer Franz Eberitsch der „Bild“-Zeitung. Doch dazu sei das Landratsamt in Saalfeld nicht bereit.Eberitsch habe nach eigenen Angaben das Gelände 2014 erworben und ursprünglich auf eine künftige Wohnnutzung gehofft. Diese ist ohne Bebauungsplan aber nicht gesichert. Die Anlage liegt nämlich im Außenbereich des Ortes, wodurch kein Bebauungsplan für dauerhaftes Wohnen besteht. Zudem verfügen die Gebäude nicht über einen gesicherten Bestandsschutz. „Die Anlage liegt gerade mal 200 Meter vom Zentrum in Kamsdorf entfernt. Wir reden in Deutschland doch über Reformen. Es ist einfach so schwierig, hierzulande neue Projekte umzusetzen“, so Eberitsch.Lesen Sie auchWelche Nutzungsmöglichkeiten künftig realisiert werden können, müsse ein potenzieller Käufer mit den zuständigen Behörden abstimmen. Der Eigentümer sieht dennoch Potenzial für verschiedene Konzepte, darunter Mehrgenerationenprojekte, Gesundheits- und Freizeitangebote oder gemeinschaftliche Wohnformen. Entscheidend sei für ihn, „dass dieses kleine Dorf wieder lebt“, zitiert ihn die „Bild“-Zeitung weiter. Gesucht werde deshalb nicht nur ein „Käufer für ein Grundstück, sondern jemand mit Vision, der das Potenzial erkennt, an diesem Ort etwas Außergewöhnliches zu schaffen“, heißt es in der Anzeige. In der wirbt der Verkäufer dann auch gleich für die eigenen Dienste: „Ein besonderer Vorteil dieses Grundstücks ist die Möglichkeit, sämtliche Bau-, Ausbau- und Außenanlagenarbeiten direkt über die angeschlossene Baufirma des Eigentümers realisieren zu lassen.“Aber selbst wenn die Gemeinde das Gelände künftig für eine Wohnnutzung entwickeln wollte, dürfte dies Zeit in Anspruch nehmen. Die Aufstellung von Bebauungsplänen dauert in Deutschland nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Durchschnitt mehrere Jahre.kami