Interview«Wir erreichen nie wirklich den Schutzfaktor, der auf der Sonnencrème-Packung steht. Bei der Angabe 50 haben wir maximal einen 30er-Schutz», sagt ein Experte der SuvaWer im Freien arbeitet hat ein deutlich höheres Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Im Interview erklärt Roland Krischek, UV-Fachmann der Suva, wie sich Bauarbeiter aber auch Büroangestellte und Kinder in ihrem Alltag am besten schützen.14.07.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenVorbildlich gekleidet: Ein Dachdecker trägt trotz Sonnenschein lange Hose und Langarm-Shirt. Auch Ohren und Nacken sind vor der Sonne geschützt.Gaetan Bally / KeystoneInzwischen gilt es als Allgemeinwissen: Sich ohne Sonnencrème auf die Badi-Wiese zu fläzen, ist keine gute Idee. Hautkrebs ist lebensbedrohlich. In der Schweiz erkranken jährlich rund 3500 Personen am gefährlichen Schwarzen Hautkrebs, der sehr schnell streut und anderes Gewebe angreift. Weiteren 25 000 Personen wird jährlich Weisser Hautkrebs diagnostiziert. Auch wenn dieser vorerst gutartig ist, kann er ohne Behandlung mit dem Tod enden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Besonders gefährdet sind Menschen, die im Freien arbeiten. Laut Studien bekommt ihre Haut mehr als doppelt so viel UV-Strahlung ab, als in Freizeit und Ferien zusammen. Oft sind aber Gerüstbauern und Dachdeckern die Gefahren zu wenig bewusst. Das zeigen die Fälle, die bis zur Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt Suva gelangen: Sie sind weitaus zu gering, gemessen an den vermuteten Zahlen.Während das Land unter einer neuen Hitzewelle ächzt und die Gartenbauer oben ohne Bodenplatten verlegen, startet nun eine neue Präventionskampagne. Roland Krischek ist bei der Suva Fachexperte für UV-Schutz. Im Interview erklärt er, worauf Bauarbeiter und Betriebe achten müssen – und was Kinder und Büroangestellte am Strand beherzigen sollten.Herr Krischek, seit Wochen brennt die Sonne unerbittlich. Erleben Arbeiterinnen und Arbeiter im Freien gerade die gefährlichste Zeit?Keine Frage: Tage wie derzeit sind belastend für die Haut. Aber wir müssen uns bewusst werden, dass die UV-Strahlung nur bei komplett geschlossener Wolkendecke geringer ist und es nur bei regnerischem Wetter keinen Sonnenschutz braucht. Sobald es hell ist und die Sonne durchdrückt, sollten wir reagieren. Wenn Wolken durchziehen, ist die UV-Belastung wegen der Reflexion mindestens so hoch, wie bei wolkenlosem Himmel und kann sogar noch höher sein.Hitze und strahlendes Blau sind also nicht die einzigen Alarmsignale?Sie korrelieren manchmal nicht mit der eigentlichen Gefahr. Viele Menschen haben bereits im Mai einen starken Sonnenbrand, wenn es noch nicht besonders warm ist. Es ist heimtückisch, sich nur bei Hitze vor der Sonne zu schützen. Dann ist es meistens zu spät.Wann sind die gefährlichsten Zeiten?Wir weisen die Arbeitenden draussen darauf hin, sich von April bis September zu schützen. Am intensivsten ist die UV-Strahlung im Juni und Juli, weil die Tage am längsten sind. Stark ist die Sonneneinstrahlung auch im Mai und im August. Im Winter kann sie in den Bergen und mit dem Schnee ebenfalls hoch sein.Welche Berufsleute sind laut Erfahrung der Suva am stärksten dem Risiko von Hautkrebs ausgesetzt?Dachdecker, Bauarbeiter, Gartenbauer – alle Menschen, die regelmässig draussen arbeiten. Auch Leute in der Landwirtschaft sind sehr betroffen, so wie alle Berufe, die mit der Gebäudehülle zu tun haben, wie Gerüstbauer, Spengler, aber auch Leitungs- oder Gleisbauer.Müssen sich auch Bus- und Tramfahrer Sorgen machen?Die meisten Frontscheiben wehren die gefährlichen UVA- und UVB-Strahlen ab. So etwa auch bei Kranführern. Diese sind in der Regel in ihren Kabäuschen rundum gut abgeschirmt. Bei Autos und Lastwagen kann es aber sein, dass die Seitenscheiben nur bedingt gegen UVA-Strahlung schützen. Dermatologen kennen Fälle von Taxifahrern, die auf der linken Gesichtsseite deutliche Zeichen von sonnenbedingter Hautalterung aufweisen. Vor einigen Jahren ist ein eindrückliches Bild eines Lastwagenchaffeurs erschienen, das zeigt, wie sehr seine linke Gesichtsseite wegen der Seiteneinstrahlung markante Falten aufweist und schneller gealtert ist.Das ist William Edward McElligott. Er ist 28 Jahre lang LKW gefahren, wie man sieht herrscht in den USA Rechtsverkehr.So jetzt packt euch alle wieder am Strand in die pralle Sonne. 🌞Oder nehmt zumindest Sonnencreme mit hohem LSF! pic.twitter.com/joUionmSat— eli (Eisfluencer) 🍦 (@Elitiker) June 6, 2022