Warten auf Red Bull, das ist die aktuelle Devise beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Bundestrainerfrage. Die Verbandsoberen Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke haben sich zwar mit dem Lager des Wunschkandidaten Jürgen Klopp grundsätzlich geeinigt. Aber abzuwarten bleibt, unter welchen Bedingungen der Brausekonzern seinen leitenden Angestellten ziehen lässt. Das Denkmodell, dass Klopp Markenbotschafter bleiben könnte, hat schon einen großen Sturm ausgelöst; und das Fachmagazin Kicker hat nun den originellen Ansatz eingeführt, „dass Klopp abseits des nicht immer zeitaufwendigen Bundestrainer-Lebens mit seiner Expertise hin und wieder der umfangreichen Sport-Welt des Konzerns zur Verfügung stehen darf“ – wobei man sich fragen darf, ob das wirklich so viel besser wäre als ein Job als Markenbotschafter.Die Beteiligten haben sich öffentlich bisher nicht dazu geäußert. Aber je nach konkretem Ergebnis könnte das noch viele Debatten auslösen. Und in jedem Fall steht nach dem Feedback von Red Bull eine weitere Schleife an: die Gremien des DFB, die dem Vertrag zustimmen müssen. Und da wird es ein bisschen unübersichtlich, wie das alles technisch abläuft.Jürgen Klopp und der DFB:Zwang zur EinigungIn einem nicht sehr geheimen Geheimtreffen verständigt sich die DFB-Spitze mit Jürgen Klopp grundsätzlich auf die Übernahme des Bundestraineramtes. Heikel bleibt die Frage nach seinem Zweitjob bei Red Bull.Früher war für solche Fragen einfach das Präsidium zuständig. Aber das hat sich vor einigen Jahren formal geändert. 2022 gliederte der Verband – nicht zuletzt auf Druck der Finanzbehörden und mit Blick auf steuerliche Fragen – die Nationalmannschaft und seine anderen großen Einnahmequellen wie den DFB-Pokal in eine eigene Tochtergesellschaft aus: die DFB GmbH und Co. KG. Für Personalentscheidungen rund um die Nationalmannschaft sind seither die Gesellschafterversammlung respektive der Aufsichtsrat dieser DFB GmbH und Co. KG zuständig.Das klingt nach Vokabeln aus der großen Unternehmenswelt, tatsächlich mischen ausschließlich Fußballfunktionäre mit. Das eine Gremium ist die sogenannte Gesellschafterversammlung. Diese bilden gerade mal vier Personen, die auch alle im DFB-Präsidium sitzen: Neben Präsident Neuendorf und Bundesliga-Boss Watzke sind es Ronny Zimmermann, als oberster Vertreter der Amateure der Erste Vizepräsident im Verband, sowie aus dem Profibetrieb der Freiburger Finanzvorstand Oliver Leki. Das zweite Gremium wiederum ist der Aufsichtsrat. Darin sitzen aber, anders als im Gründungsprozess der DFB-GmbH von verschiedenen Seiten immer wieder gefordert, keine wirklich externen Kräfte.Aus den Reihen der Amateure kamen schon deutliche Einlassungen zur BundestrainerfrageInsgesamt zählt dieses Gremium 14 Personen, zehn von ihnen kommen aus dem DFB-Präsidium und dazu vier weitere aus dem Fußballbetrieb – so zum Beispiel der Vorstandschef des VfB Stuttgart, Alexander Wehrle. Der hat auch den Vorsitz im Aufsichtsrat inne, die Mehrheit aber liegt bei den Vertretern des Amateurlagers um die Landes- und Regionalchefs wie Ralph-Uwe Schaffert (Nord), Peter Frymuth (West), Hermann Winkler (Nordost), Thomas Bergmann (Südwest) oder Christoph Kern (Bayern). Also bei der Gruppe, die soeben auch eine zentrale Rolle im Krach um die gescheiterte Regionalliga-Reform spielte, die Präsident Neuendorf eine peinliche Niederlage bescherte.DFL-Ligapräsident Hans-Joachim Watzke (li.) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf würden gerne zeitig offiziell den neuen Männer-Bundestrainer präsentieren. Florian Wiegand/dpaAus den Reihen der Amateure kamen schon deutliche Einlassungen zur Bundestrainerfrage. Der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Uwe Döring, wollte zwar ausdrücklich nicht als Mitglied eines DFB-Gremiums sprechen, wie er dem Sportinformationsdienst erklärte, sondern „als Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli“. Und da tätigte er ein Statement, das es in sich hatte. Er habe das Engagement von Jürgen Klopp bei Red Bull „nie verstanden, Geld kann es ja eigentlich nicht mehr sein“, sagte Döring: „Aber vielleicht liege ich da auch falsch, dieser ganze Irrsinn bei Trainergehältern und Abfindungen, die auch bei Nichtleistungen gezahlt werden, stößt mich nur noch ab. Hoffentlich wird die Schraube nicht überdreht, es wenden sich jetzt schon viele ab.“So offensiv wie Döring, der nicht Teil des DFB-GmbH-Aufsichtsrats ist, hat sich bisher zwar niemand hervorgewagt. Aber ein gewisses Grummeln über die Abläufe und die inhaltlichen Eckdaten bei der Bundestrainersuche ist in den Weiten des DFB und seiner Landesverbände schon vernehmbar.Die Mitglieder der beiden relevanten Gremien dürften jedenfalls bald zusammenkommen. „Ein möglicher Vertrag muss final in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG beschlossen werden“, heißt es in der Stellungnahme des DFB. Dann allerdings spielt es keine Rolle mehr, wer in dem einen Gremium sitzt und wer in dem anderen. Denn laut DFB erfolgt eine gemeinsame Abstimmung der Mitglieder aus Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat; faktisch ist es dann doch wieder so etwas wie ein erweitertes DFB-Präsidium.Üblicherweise musste sich die DFB-Spitze in diesem Kreis keine Sorgen machen. Bei früheren Personalentscheidungen, zum Beispiel bei der Trennung von Hansi Flick nach der enttäuschenden WM 2022 sowie bei den diversen Beschlüssen zu Julian Nagelsmann, fielen die Voten immer einstimmig aus. Ob das nun auch so kommt, hängt wohl auch von den Bedingungen ab, die Red Bull stellt.
DFB: Wer entscheidet, ob Jürgen Klopp Bundestrainer wird?
Nach der prinzipiellen Einigung zwischen DFB und dem Klopp-Lager geht es noch um Red Bull und dessen Bedingungen. Doch danach kommen auch die DFB-Gremien ins Spiel.













