Das alte Lied: Als Erste hatte es eine jenseits der Grenzen ihres Landes wenig bekannte paraguayische Senatorin angestimmt, als sie Kylian Mbappé, den Kapitän der französischen Fußball-Nationalmannschaft, nach dem Sieg der Franzosen über Paraguay im Achtelfinale dieser Weltmeisterschaft im Internet auf eine so üble Weise rassistisch beschimpfte, dass man ihre Worte in Gänze nicht wiedergeben möchte. Von Kokosnüssen und Schimpansen war die Rede.Nach demselben Spiel hatte auch eine Politikerin aus Argentinien auf der Plattform X zunächst die paraguayischen Nachbarn gelobt und dann die Franzosen als eine „afrikanische Mannschaft“ bezeichnet. Zuletzt nun gab der ehemalige Ministerpräsident von Spanien zwar zu, von Fußball nicht viel zu verstehen. Eine Meinung zum Gegner der spanischen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Halbfinale äußerte Mariano Rajoy aber trotzdem, als er auf der Website „El Debate“ schrieb, der französische Kader sei von sehr hohem Niveau, verfüge aber über „keinen einzigen französischen Spieler in seinen Reihen“.Rassismus ist im französischen Fußball allgegenwärtigDie Reaktionen auf all diese unverblümt rassistischen Äußerungen ließen nicht lange auf sich warten und zeichneten sich durch die gebotene Deutlichkeit aus. Vom Präsidenten Emmanuel Macron über den französischen Innenminister Laurent Nuñez bis zum Präsidenten des französischen Fußballverbandes, Philippe Diallo, meldeten sich alle zu Wort, die sich zu Wort melden müssen. Auch Naïma Moutchou, die französische Ministerin für Überseegebiete, gab zu bedenken, dass nach jedem Sieg der „Bleus“ dieselben rassistischen Obsessionen und Beleidigungen wieder auftauchten, und wies völlig zu Recht darauf hin: „Das sind keine Ausrutscher.“Es reicht ein kurzer Blick in die Geschichte, um zu sehen, wie zuverlässig Erfolge und Misserfolge der französischen Fußball-Nationalmannschaft auch im Land selbst immer wieder mit Fragen über die Herkunft ihrer Spieler verknüpft werden. Man erinnere sich an die Euphorie, als Frankreich 1998 zum ersten Mal Weltmeister wurde und sich das halbe Land auf den Champs-Élysées „Black, blanc, beur“ skandierend in den Armen lag. Oder an den als „Fiasko von Knysna“ in die Fußballgeschichte eingegangenen Streik der Spieler, die 2010 in Südafrika gegen den Ausschluss von Nicolas Anelka aus der Mannschaft protestierten und sich in der Folge mit rassistischen Stereotypen bezeichnet sahen, unter denen das von den „Vorstadt-Rüpeln“ noch eines der harmlosen war.Auch die sogenannte „Quotenaffäre“ trug zum Bild einer Spaltung nicht nur in der Mannschaft, sondern auch innerhalb des Verbandes wesentlich bei: 2011 war enthüllt worden, dass im Verband darüber nachgedacht wurde, eine Quote einzuführen, um den Anteil der Spieler mit migrantischem Hintergrund in der Landesauswahl zu reduzieren.Frankreich pflegt seit jeher eine sehr konjunkturanfällige Beziehung zu seiner Fußballmannschaft. Dieser Tage ist aus dem Land wenig zu hören von den alten Ressentiments, Sieger mögen alle. Aber die innen momentan verblasste Hässlichkeit kommt von außen zurück, als Echo, das nicht die Mannschaft beschämt, sondern das Land.
Rassismus-Eklat bei WM rund um Frankreichs Fußballnationalmannschaft
Warum sieht sich die französische Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft wie keine andere mit rassistischen Ausfällen aus dem Ausland konfrontiert? Die Spur führt ins Land selbst.










