Fünf Jahre hat Adi Hütter keinen Eintracht-Trainingsplatz mehr betreten. Die inoffiziellen Regeln sind ihm aber noch bekannt: Kurz pausieren, wenn über dem Platz ein Flugzeug dröhnend Richtung Süden abhebt. Dann lächeln. Und winken, wenn 2000 Trainingsgäste „Adi, Adi“ rufen.„Es hat sich vertraut angefühlt“, sagte Hütter, braune Haut, graues Trainingsshirt, um den Hals eine Stoppuhr. Der neue, alte Eintracht-Trainer stand in der Mitte des Trainingsplatzes, er redete lange mit Nnamdi Collins und Jonathan Burkardt. Nur selten unterbrach der Trainer die Einheit. Danach gab Hütter ein paar Ziele vor: Seine Mannschaft solle begeisternden Fußball spielen, zu den laufstärksten in der Liga gehören – und: „Von der ersten Minute an nach vorne spielen.“Fingerzeig: Adi Hütter erläutert Jonathan Burkardt seine Pläne.dpaEs werde sich in den nächsten Wochen noch einiges tun, sagte Hütter noch. Auch er, der Wechsel gewohnt ist, rechnet noch mit mehreren Transfers: „Wir stehen vor einem größeren Umbruch“, sagte der Österreicher. Bevor neue Spieler kommen und alte gehen, schaute sich der Trainer aber die an, die aktuell noch da sind. 25 Feldspieler und fünf Torhüter waren es. Die ersten Ergebnisse seines Castings:In der nächsten RundeKeita Kosugi (20): Der Japaner galt einmal als eines der Talente im schwedischen Fußball. Bei Djurgarden entwickelte er sich so schnell, dass die Eintracht im Winter 6,5 Millionen Euro überwies. Aber Kosugi spielte kein einziges Mal. Seinen ehemaligen Trainer Albert Riera fragte er mehrmals, was er denn verbessern könne. Eine Antwort gab es nicht. Am Montag spielte Kosugi so, wie er es in Skandinavien gezeigt hatte: dynamisch, schnell über die linke Außenbahn, mit klugen, scharfen Pässen in die Spitze.Elias Baum (20): Ein Running Gag in Frankfurt geht so: Der beste Rechtsverteidiger der Zweiten Fußball-Bundesliga im Jahr 2024/25 war zu schlecht für den Tabellenachten der Liga darüber. Das kann doch nicht wahr sein, zumal Elias Baum auch noch aus der Region stammt und sich wunderbar vermarkten ließe. Baum aber überzeugte weder Toppmöller noch Riera – und auch sonst wenige im Verein. Er könne die Eintracht verlassen, hieß es. Bei Hütters erstem Training spielte Baum wie der beste Linksverteidiger der zweiten Liga, flink, mit genauen Flanken.Die Eintracht-Spieler vor 2000 Zuschauern beim Trainingsauftakt: Wer schafft’s in den Recall?dpaNiko Ilicevic (15): Ein Casting war das nur für die Öffentlichkeit. Länger schon trainiert Niko Ilicevic bei der Männermannschaft mit, zu sehen war er bisher nicht. Die Zuschauer aber erkannten nun einen Spieler, der im herkömmlichen Leistungsvergleich nicht herausstach. Wenn man sich allerdings fragt, wie gut man selbst im Alter von 15 Jahren die Dinge konnte, die man als Erwachsener zu beherrschen glaubt – dann weiß man, wieso Real Madrid und der FC Bayern Ilicevic verpflichten wollten. Er blieb, weil die Eintracht ihm versprach, ihn schon im Herbst (wenn Ilicevic 16 wird) in der Bundesliga einzusetzen. Es könnte sein Jahr werden.Alex Meier (43): Der Letzte auf dem Trainingsplatz soll Alex Meier gewesen sein, zumindest als er noch mit der Innenseite seines rechten Fußes Tore für die Eintracht schoss. Heute ist er der Erste: Der neue Assistenztrainer winkte zu den Fans, stellte Pylonen auf, klatschte Ilicevic ab, er schrieb die meisten Autogramme. Einmal rief ein junges Mädchen, kaum zehn Jahre alt: „Hallo Fußballgott.“ Sie wird sich kaum an Meiers Tore erinnern. Vermutlich hat ihr aber jemand von einem Spieler erzählt, der früher nicht nur die Hütchen aufstellte und im Eckchen mitspielte, sondern noch ein paar Schussvarianten übte.AusgeschiedenAuf dem Trainingsplatz trainierten erst alle 25 anwesenden Spieler gemeinsam, dann ließ Hütter ein Zehn gegen Zehn trainieren. Fünf mussten also gehen. Die Stürmer Noel Futkeu (23), Michy Batshuayi (32), Jessic Ngankam (25) sowie die Außenspieler Niels Nkounkou (25) und Junior Dina Ebimbe (25) sprinteten im Schatten des Waldstadions auf und ab. Als Hütter sie zurückrief, kamen sie mit hängenden Köpfen zurück. Sie haben das Casting nicht überstanden, Hütter sagte später: „Ein paar Spieler haben uns signalisiert, dass ihre Berater neue Vereine suchen.“ Kein Recall für die Fünf.Noch nicht erschienenElye Wahi, Ayoube Amaimouni-Echghouyab, Ritsu Doan, Can Uzun, Farès Chaibi, Ellyes Skhiri, Aurèle Amenda, Arthur Theate: Die Frankfurter WM-Delegation liegt noch am Strand. Die meisten werden in ein paar Wochen zurückkehren, bis dahin soll der Eintracht-Kader schon ausgedünnter sein. Amenda allerdings wird nach England fliegen, er steht vor einem Wechsel zum Aufsteiger Coventry.Beobachter: Adi Hütter schaut bei seinem Kader genau hin.dpaUnd was ist mit Uzun? Der Spielmacher war für die neue Saison als der zentrale Akteur vorgesehen. Galatasaray Istanbul hat aber Kontakt zu ihm und seinen Beratern aufgenommen, Uzun kann sich einen Wechsel gut vorstellen. Die Eintracht fordert 60 Millionen Euro. Der 20 Jahre alte Deutsch-Türke sei ein phantastischer Spieler, lobte Hütter. Einen, den man heute nur noch selten sehe, der auch aus der Distanz schießen könne. Ob er denn schon mit ihm telefoniert habe, wurde Hütter gefragt. Nein, antwortete der Trainer, lächelte und fügte hinzu: „Das sagt ja auch schon etwas aus.“Zwischen den CastingsIn den kommenden Wochen werden die Castings weitergehen, bis zum Pokalspiel am Niederrhein sind noch ein paar Monate Zeit. Ein paar Fragen aber wird Hütter früher klären.Die erste: Wer wird Kapitän der neuen Eintracht-Elf? Hütter bestimmt ihn selbst, er lässt nicht die Mannschaft wählen. Innenverteidiger Robin Koch war in der vergangenen Saison mit dem Amt überfordert. Vieles spricht für Stürmer Jonathan Burkardt.Die zweite: Wer wird Torhüter? Als Hütter darüber laut nachdachte, nannte er die Vorzüge des Brasilianers Kaua Santos: „Wir haben mit ihm einen Tormann, der ein großes Talent ist.“ Ein paar Spiele seien nicht so gewesen, wie sich das alle vorgestellt hätten. Das aber habe Gründe: die Verletzungen, die Leiden eines jungen Spielers.Über alle Torhüter sagte er: „Vorerst haben wir Vertrauen. In der Transferzeit kann viel passieren.“ Das klang schon für Santos so, als müsse er noch ein paar Bewerbungsrunden hinter sich bringen. Für einen anderen klang es noch schlechter: Michael Zetterer, der das Eintracht-Tor in der vergangenen Saison häufiger zu schützen versuchte. Ihn erwähnte Hütter mit keinem Wort.
Eintracht Frankfurt: Die Gewinner des ersten Trainings mit Adi Hütter
Die erste Übungseinheit nach fünf Jahren leitet Eintracht-Trainer Adi Hütter souverän. Einige Spieler überzeugen, fünf sind schon aussortiert. Die Erkenntnisse des Trainingsauftakts.








