Adi Hütter muss niemand erklären, wie das Maskottchen Attila aussieht, wie sich der Comedian Hendrik „Henni“ Nachtsheim anhört oder wie ein Apfelwein schmeckt. Der neue Trainer von Eintracht Frankfurt ist schließlich ein alter Bekannter, der in dem aufgeregten und anspruchsvollen Umfeld dieses Traditionsvereins bereits prägende Erfahrungen gesammelt hat. Hütter, 56, kehrt zu jenem Arbeitgeber zurück, der ihn selbst einst international bekannt gemacht hat. Am Sonntag bestätigten die Hessen seine Verpflichtung offiziell, Hütter hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben.„Für mich ist es etwas ganz Besonderes und emotional, wieder Trainer der Eintracht zu sein. Die Zeit, die wir gemeinsam in Frankfurt hatten, hat mich geprägt und habe ich nie vergessen. Rückblickend hatte ich immer das Gefühl, noch nicht fertig zu sein“, ließ der gebürtige Vorarlberger wissen, der am Montag im Proficamp vorgestellt wird. Der prinzipientreue, verbindliche Fußballlehrer arbeitete bereits von 2018 bis 2021 in Frankfurt, nachdem er zuvor Young Boys Bern zum Schweizer Meister gemacht hatte.Trainerentlassung beim FC Liverpool:Umbruch ohne Arne SlotDer FC Liverpool will die Turbulenzen hinter sich lassen und traut Arne Slot nicht zu, das Team wieder auf Titelkurs zu bringen. Nun hat der Klub Zeitdruck – der Kader muss grundlegend überdacht werden.Gleich in seiner ersten Bundesligasaison stürmten die Hessen mit einem begeisternden Umschaltfußball bis ins Halbfinale der Europa League. Der Stil, der ein intensives Pressing beinhaltete, passte perfekt zum Standort und zur Mannschaft. Erst im Elfmeterschießen scheiterte die Eintracht damals am FC Chelsea. Luka Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller hatten als sogenannte „Büffelherde“ auf den Bühnen in London, Mailand und Lissabon so viel Eindruck hinterlassen, dass im Sommer 2019 keiner aus dem Trio in Frankfurt blieb.Hütter beklagte sich nicht, er baute mithilfe von Sportvorstand Fredi Bobic das Team um, entwickelte die Spielweise weiter und qualifizierte sich 2021 erneut für die Europa League, weshalb sein Weggang zu Borussia Mönchengladbach gerade bei Vorstandschef Axel Hellmann auf einiges Unverständnis stieß. Dabei hatten die SGE-Bosse doch jene Ausstiegsklausel für 7,5 Millionen Euro Ablöse gestattet, die Hütter den Wechsel an den Niederrhein ermöglichte. Die Kommunikation des damaligen Trainers wirkte gleichwohl ungeschickt. „Den Abgang von damals hätte ich mir ganz anders gewünscht“, räumte er rückblickend ein.Hellmann und Hütter haben sich bereits am Rande des Europa-League-Halbfinals 2022 gegen West Ham United ausgesprochen, als der Ex-Coach einer Einladung ins Waldstadion folgte. Hütter hat viele Fürsprecher im Klub, was Sportvorstand Markus Krösche die Verhandlungen erleichterte. „Adi Hütter steht für mutigen Offensivfußball, Klarheit und Disziplin. Er hat bei seinen Stationen gezeigt, dass er temporeichen Umschaltfußball mit Ballbesitz vereinen kann“, ließ der Manager nun wissen. Ihm imponiere, wie Hütter zuletzt bei AS Monaco ein junges Ensemble zum Spitzenteam geformt habe.Der Österreicher bekam im Fürstentum trotz der Vizemeisterschaft 2024 und Platz drei in der darauffolgenden Saison im Herbst vergangenen Jahres den Laufpass. Für diesen Sommer hatte sich Hütter fest vorgenommen, wieder einen Klub mit Ambitionen zu übernehmen. Er bringt zwei Landsleute als Co-Trainer mit. Zum einen Christian Peintinger, der bereits seit vielen Jahren an Hütters Seite arbeitet. Zum anderen Klaus Schmidt, der erst in Monaco hinzukam. Mit dieser Troika soll auf der Frankfurter Trainerbank wieder Kontinuität einkehren. „Es ist ein Vorteil, dass Adi die Strukturen, das Umfeld und Personen im und um den Klub herum kennt und es keiner besonderen Eingewöhnungszeit bedarf“, sagte Krösche, der nach dem kolossalen Irrtum mit dem spanischen Exzentriker Albert Riera kein Experiment mehr wagen wollte.Sportvorstand Krösche hat sich selbst ein schlechtes Zeugnis ausgestelltDer Sportvorstand hatte nach einer verkorksten Saison mit dem frühen Scheitern im DFB-Pokal, dem schnellen Aus in der Champions League durch eine Blamage bei Karabach Agdam und dem unbefriedigenden achten Platz in der Liga sich selbst ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: „Wir haben keines unserer Ziele erreicht. Das ist meine Verantwortung.“ Die Saisonabschlusspressekonferenz geriet kürzlich zur Selbstanklage, als Krösche, 45, bekannte: „Ich bin mit mir selbst unzufrieden, das kann ich schwer akzeptieren. Ich habe in den letzten vier Monaten nicht wirklich viel geschlafen.“ Ein mit den Gegebenheiten gut vertrauter Trainer könnte ihm zwar bessere Nachtruhe bescheren, die Bastelarbeiten am Kader aber gehen weiter.Das zu selbstgefällige und in der Zusammenstellung für die Ansprüche nicht ausreichende Aufgebot braucht eine Vielzahl frischer Impulse, zudem sollen einige Gutverdiener von der Gehaltsliste gestrichen werden, denn durch das Verpassen des Europapokals müssen Kaderkosten und -größe zwingend angepasst werden. Zudem soll ein Transferüberschuss von mindestens 50 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Und vielleicht muss Hütter zumindest noch erklärt werden, dass die Eintracht bei Angeboten für den deutschen WM-Fahrer Nathaniel Brown bis weit in den August hinein gesprächsbereit bleiben wird.
Adi Hütter über die Rückkehr zu Eintracht Frankfurt: "Ich hatte das Gefühl, noch nicht fertig zu sein."
Sein Weggang vor fünf Jahren stieß auf Unverständnis, trotzdem verpflichtet Eintracht Frankfurt den Trainer Adi Hütter nun ein zweites Mal.










