Grossbrand im Wald von Fontainebleau: zwei Verdächtige wegen Brandstiftung festgenommenFrankreich kämpft seit Jahren gegen schwere Waldbrände im Sommer. Aber vor allem im Süden des Landes. Dass nun aber ausgerechnet vor den Toren von Paris die Flammen lodern, ist eine Zäsur.14.07.2026, 14.50 Uhr3 LeseminutenDer Waldbrand am Montag im Wald von Fontainebleau bei Noisy-sur-École, südlich von Paris.Frank Desprez / EPAFontainebleau – mit diesem Namen verbinden die Franzosen eines der berühmtesten Schlösser des Landes. Über Jahrhunderte war es die Residenz französischer Monarchen. Napoleon Bonaparte bezeichnete die Burganlage vor den Toren von Paris als sein «wahres Zuhause». In den angrenzenden Wald von Fontainebleau mit seinen markanten Sandsteinfelsen strömen jedes Jahr Millionen Besucher – zum Wandern, zum Klettern oder einfach, um der Metropole zu entfliehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch am Sonntag und Montag loderten dort die Flammen. Im westlichen Teil des Waldmassivs, bei Noisy-sur-École, kämpften mehr als fünfhundert Feuerwehrleute gegen einen Grossbrand, der für die Region aussergewöhnlich ist. Nach Angaben der Behörden wurden rund 1300 Hektaren Wald zerstört, das Feuer konnte am Montagabend unter Kontrolle gebracht werden. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte von zwei Canadair-Löschflugzeugen, zwei Dash-Maschinen und mehreren Löschhelikoptern. Mehr als tausend Anwohner und Touristen mussten vorsorglich ihre Häuser oder Unterkünfte verlassen.Zehn Brandherde entdecktAusgebrochen war das Feuer am Rand einer Autobahn. Begünstigt durch Hitze, Trockenheit und Wind, breitete es sich rasch aus. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf Brandstiftung. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erklärte bei einem Besuch im Einsatzgebiet am Montagmorgen, innerhalb eines Umkreises von rund einem Kilometer seien zehn Brandherde entdeckt worden. «Das lässt vermuten, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde.» Am Montagabend vermeldete Nuñez schliesslich die Festnahme von zwei verdächtigen Personen wegen «vorsätzlicher oder fahrlässiger Brandstiftung», darunter ein 18-Jähriger. Die Nachlöscharbeiten werden laut Nuñez noch «Tage, vielleicht sogar mehrere Wochen» dauern.Der Grossbrand fällt in die inzwischen dritte Hitzewelle, die Frankreich seit Ende Mai erlebt. Weite Teile des Landes leiden unter extremer Trockenheit und Temperaturen von teilweise mehr als 40 Grad. Zu Wochenbeginn verhängte der staatliche Wetterdienst für 37 Départements angesichts der Hitze die höchste Warnstufe Rot. Die ausgedörrte Vegetation begünstigt die Entstehung und Ausbreitung von Bränden. Seit Jahresbeginn wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums bereits rund 32 000 Hektaren Wald und Vegetation zerstört – mehr als im gesamten Jahr 2025.Französische Feuerwehrleute im Einsatz gegen die Flammen.Benoit Tessier / ReutersFür Fachleute kommt die Entwicklung dennoch nicht völlig überraschend. Seit 2023 wird die Region Île-de-France von den Behörden offiziell als «neues Feuergebiet» eingestuft. Nach den verheerenden Waldbränden in Südwestfrankreich im Sommer 2022 weitete der Staat den Waldbrandschutz auch auf Regionen aus, die bis dahin als weniger gefährdet galten. Im Wald von Fontainebleau läuft inzwischen sogar ein Pilotprojekt mit künstlicher Intelligenz, das Rauch und Hitzeherde frühzeitig erkennen soll. «Wir haben vergessen, dass die Wälder der Île-de-France brennen können», sagte Jean-Emmanuel Savatte von der staatlichen Forstbehörde der Zeitung «Le Figaro».Der Mensch als BrandursacheHistorisch ist die Gefahr auch nicht ganz neu. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kam es rund um Fontainebleau zu grösseren Waldbränden. Ein Feuer dieser Grössenordnung hat die Hauptstadtregion jedoch in jüngerer Zeit nicht erlebt. Weil die verbrannte Fläche die Marke von 1000 Hektaren überschreitet, ist es das erste sogenannte Megafeuer in der Geschichte der Île-de-France.Nach Angaben der Behörden gehen neun von zehn Waldbränden in Frankreich auf menschliches Handeln zurück – sei es durch Fahrlässigkeit oder vorsätzliche Brandstiftung. Für die Franzosen gehören die Feuer fast schon zum Bild des Sommers. Aber sie verbinden sie in der Regel mit den Wäldern in der Provence, in Korsika und im Südwesten des Landes. Dass sich diese Gefahr nun bis vor die Tore von Paris verlagert hat, ist eine Zäsur.Sollte die verbrannte Fläche die Marke von 1000 Hektaren überschreiten, wäre es das erste Megafeuer in der Geschichte der Île-de-France.Benoit Tessier / ReutersPassend zum Artikel