Martin Ang wird in den nächsten Wochen und Monaten viel zu tun haben. Was genau auf den Spieleautor und Geschäftsführer des Verlags Tabletoys aus Indonesien zukommen wird, kann er noch gar nicht einschätzen. „Wir müssen jetzt einen Boost generieren“, sagt der Fünfunddreißigjährige. Medien, Youtuber, Influencer, alle sollen sie von seinem Erfolg hören, um Brettspiele in seinem Land bekannter zu machen.Am Sonntag ist Ang in Berlin für sein Partyspiel „Dito“ mit dem „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet worden. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein Spiel aus dem globalen Süden für den wichtigsten Preis der Brettspielbranche nominiert war. Dass es auch gewonnen hat, sei eine riesige Ehre, so Ang.In der Kategorie „Kennerspiel des Jahres“ siegte das Spiel „Rebirth“ (Frosted Games / Mighty Boards) von Reiner Knizia. Das „Kinderspiel des Jahres“ ging an „Die Insel der Mookies“ (Kosmos) von Autor Florian Sirieix. Der Preis bedeutet eine Vervielfachung des Produktabsatzes für die Titel, vor allem für das „Spiel des Jahres“. Das Urteil der Jury, die den Preis seit 1979 vergibt, gilt als Qualitätssiegel.Von „Dito“ werden nun mindestens 200.000 Exemplare gedrucktVor knapp zwei Jahren setzte Martin Ang alles auf eine Karte. Er fuhr mit den Spielen „JinxO“, wie „Dito“ im Original heißt, und „That’s you“ zur „Spiel“ nach Essen. Für die Präsentation seiner Spiele auf der weltweit größten Publikumsmesse für Brettspiele hatte er die letzten Ersparnisse von Tabletoys ausgegeben. „Wenn es für die Spiele keine Bestellungen gegeben hätte, hätten wir das Unternehmen schließen müssen“, sagt Ang. Es ist anders gekommen. 2025 hat er „JinxO“ nach Korea, Thailand, Ungarn, Spanien – und damit auch in den südamerikanischen Markt – und Deutschland verkaufen können.In Deutschland hat der Nürnberger Verlag Game Factory zugeschlagen. „Wir wussten sofort, dass wir eine Perle haben“, sagt Frank Weiß, leitender Redakteur bei Game Factory. In allen Spielrunden – und das komme sehr selten vor – sei das Spiel super angekommen. „Dito“ ist ein kompetitives Wortassoziationsspiel, bei dem man als Mitspieler versucht, auf dieselben Gedanken zu kommen.Martin Ang freut sich über den Preis für „Dito“ bei der Preisverleihung in Berlin.dpaDer größte Erfolg von Game Factory war bislang die Auszeichnung „Kinderspiel des Jahres“ für „Die magischen Schlüssel“ vor zwei Jahren. Das „Spiel des Jahres“ wird dem Verlag Wachstum bescheren. „Wir rechnen jetzt damit, 200.000 bis 250.000 Stück von ‚Dito‘ produzieren zu dürfen“, sagt Weiß. Die erste Auflage war 4000 Exemplare groß und ist komplett vergriffen. Ende August soll „Dito“ im Handel wieder verfügbar sein.In Indonesien sind Brettspiele eine absolute NischeDie Auszeichnung „Spiel des Jahres“ bringt Angs Verlag Tabletoys finanzielle Planungssicherheit, da er pro verkauftem Spiel einen Anteil bekommt. „Wir können nun hoffentlich jedes Jahr ein gutes Spiel machen“, sagt Ang. Er hofft, dass sein Erfolg andere Südostasiaten dazu inspirieren wird, ebenfalls Spiele zu entwickeln.Martin Ang entdeckte Brettspiele für sich, als er 16 Jahre alt war. Ihn habe vor allem fasziniert, dass jedes Spiel einzigartig sei – im Gegensatz zu digitalen Spielen. 2015 begann Tabletoys als kleine Brettspiel-Community in Surabaya, einer Hafenstadt auf der Insel Java mit rund drei Millionen Einwohnern. Ang, der eigentlich Chemieingenieurwesen studiert hat, organisierte monatliche Spieletage in Cafés und verkaufte gelegentlich auch importierte Brettspiele online. 2016 eröffnete er eine eigene Spielebibliothek.Zwei Jahre später gründete Ang schließlich den Verlag, um eigene Spiele für den lokalen Markt zu entwickeln. Zwar leben fast 300 Millionen Menschen in dem Inselstaat. Doch die Nachfrage nach Brettspielen ist überschaubar. Tausend verkaufte Exemplare für ein Spiel seien schon ein riesiger Erfolg, so Ang. In Indonesien hat er von „JinxO“ bislang nur 600 Exemplare drucken lassen. „Der Preis ist relativ hoch für den indonesischen Markt mit rund 20 US-Dollar“, sagt der Verleger. Normal seien fünf bis zehn US-Dollar für ein Spiel.Langfristig war der indonesische Markt zu klein, um Angs Unternehmen tragen zu können. Deswegen begann er 2022, international zu denken. Seine Wette auf „Dito“ ist damit letztlich aufgegangen.
Martin Ang: Wie sein Spiel Dito das Spiel des Jahres wurde
Zum ersten Mal überhaupt hat ein Spiel aus dem globalen Süden den wichtigsten Preis der Brettspielbranche gewonnen. Dabei stand der Verlag des Indonesiers Martin Ang schon fast vor der Schließung.











