Beim Umzug, beim Ausmisten oder aus karitativen Gründen abgeben – Altkleider finden sich beinahe in jedem Haushalt. Münchnerinnen und Münchner müssen seit geraumer Zeit jedoch länger nach Altkleidercontainern suchen. Denn: Die Stadt verzeichnet einen starken Rückgang der Altkleidercontainer.Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) hat seit Anfang 2025 die Zahl seiner Altkleidercontainer auf öffentlichen Wertstoffinseln in etwa halbiert. Aktuell stehen in München noch 326 Container an 240 Standorten. Zum Vergleich: Wertstoffinseln gibt es in München momentan 860, der Bestand bleibt seit Jahren konstant. Hintergrund ist eine Vorgabe der Bayerischen Staatsregierung, laut der eine Dichte von bis zu einem Container je 2000 Einwohnern einzuhalten ist.Gründe für den Rückgang seien laut AWM vor allem der Boom von Fast Fashion, der Wegfall wichtiger Absatzmärkte, steigende Personal- und Logistikkosten sowie immer mehr Fehlwürfe: In den Containern landet, was dort nicht hineingehört. Oder es landet gänzlich neben den Sammelbehältern. Dadurch seien die Kapazitäten vollständig ausgelastet, so eine Sprecherin.Die gesammelten Textilien werden nicht vom AWM sortiert, sondern von sogenannten Verwerterbetrieben. Im Durchschnitt könne so rund die Hälfte wiederverwendet oder weiterverwertet werden – also an gewerbliche Secondhand-Läden verkauft, an die Katastrophenhilfe gespendet, oder als Dämmstoff beziehungsweise zur Fasergewinnung genutzt werden. Stark verschmutzte oder zerschlissene Kleidung wird dagegen verbrannt.Der Rückgang von Altkleidercontainern in München ist aus Sicht des Bund Naturschutz Ausdruck eines grundlegenden Problems: Immer mehr minderwertige Kleidung erschwere die Wiederverwertung, so eine Sprecherin. Zwar sollen Alttextilien seit Anfang 2025 EU-weit getrennt gesammelt werden, doch die neue Regelung habe die Mengen auf dem Markt zusätzlich erhöht. Gleichzeitig sei die Qualität der abgegebenen Kleidung gesunken. „Es kommen viel mehr Billig-Textilien minderer Qualität auf den Markt“, erklärt Waltraud Galaske, Sprecherin des Landesarbeitskreises Abfall und Kreislaufwirtschaft beim Bund Naturschutz.Hinzu kommt, dass viele Container mit verschmutzten oder stark beschädigten Textilien befüllt werden, die nach der Sortierung entsorgt werden müssen und das Sammelsystem belasten. „In vielen Städten werden Altkleidercontainer eingezogen, speziell in Gegenden, in denen mehr Abfall als verwertbare Altkleider eingeworfen werden“, so Galaske.Kleidung sollte daher möglichst lange genutzt werden, hochwertige Stücke sollten repariert, weitergegeben oder getauscht werden, bevor sie im Container landen. Auf direktem Wege könnten Menschen ihre Kleidung auch bei Secondhand-Läden und Gebrauchtwarenhäusern abgeben. Stark verschmutzte oder zerrissene Textilien gehörten dagegen direkt in den Restmüll.Als Alternative zu den schwindenden Containern können Alttextilien auch an den zwölf Münchner Wertstoffhöfen abgegeben werden; hier wird je nach Zustand eingeworfen.Langfristig sieht der Bund Naturschutz auch die Hersteller in der Pflicht. Das Recycling von Textilfasern sei bislang teuer und gegenüber neuen Fasern wirtschaftlich im Nachteil. Deshalb brauche es mehr Verantwortung von Industrie und Handel für funktionierende Kreislaufsysteme, so die Sprecherin. Galaske kritisiert zudem die Folgen der Fast Fashion: Der Textilmarkt dürfe „nicht weiter ein Ramschmarkt bleiben, bei dem sogar neuwertige Kollektionen zu Abfall werden“.
Altkleidercontainer in München: Warum es immer weniger gibt
In München wurden seit Anfang 2025 die Hälfte der Altkleidercontainer abgebaut. Was dahintersteckt – und wo man Alttextilien noch abgeben kann.






