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Seit vielen Jahren suche ich nach Spuren. Ich suche nach dem Ort, an dem das Leben meiner Urgroßmutter ein gewaltsames Ende fand. Sie lebten in Wilejka, damals Polen, heute Belarus. Chaya Silberman war eine fromme Jüdin, die Tochter eines Schneiders, die früh zur Witwe wurde und ihre fünf Kinder allein großzog. Drei von ihnen kamen mit der Mutter im Holocaust um. Das einzige schriftliche Zeugnis, betrifft ihren Sohn Rafael – ein Dokument, das seinen Tod im Ghetto von Vilnius 1941 belegt.

Ich besitze noch Fotos von Chaya und ihren Kindern. Ich blicke oft auf diese Gesichter und frage mich: Was für ein Leben hätten sie geführt, wenn sie nicht ermordet worden wären? Diese Bilder zeigen mir keine historischen Figuren, sondern Mitglieder meiner Familie, deren Zukunft ausgelöscht wurde. Chayas Name und die Namen ihrer Kinder stehen nicht auf der Liste der ermordeten Juden aus Wilejka in Yad Vashem. Doch die Liste ist unvollständig; die Gedenkstätte forscht weiter, und es kommen ständig neue Namen hinzu. Ich weiß nur aus Erzählungen einer Verwandten, dass sie dort gemeinsam starben. Aber bis heute bleibt ihr genauer Todesort ein schmerzhaftes Rätsel.