Als Donald Trump zum ersten Mal als Präsident kandidierte, bezeichnete Lindsey Graham ihn als „Demagogen“. Trump sei ungeeignet für das Amt, sagte er damals. Graham strebte das Amt 2015 ebenfalls an, beendete den Wahlkampf aber vorzeitig und sprach sich für Trumps Konkurrenten aus. Nachdem Trump sich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner durchgesetzt hatte, erklärte Graham, er werde für Evan McMullin stimmen, der als Unabhängiger antrat.Doch dann machte der Senator eine erstaunliche Wandlung durch. Nach der Wahl Donald Trumps änderte er seine Meinung komplett. Fortan verteidigte er den Präsidenten und wurde zu einem seiner wichtigsten Unterstützer. Graham lobte Trump nun mit so viel Eifer, dass die Demokraten, die ihn lange respektiert hatten, ihn mit Verachtung straften.Trump, mit dem Graham gelegentlich Golf spielte, schätzte Grahams Loyalität. Am Sonntagmorgen sprach der US-Präsident auf der Plattform Truth Social seine Anteilnahme aus und lobte den Verstorbenen. Graham sei einer der großartigsten Menschen und Senatoren gewesen, die er je gekannt habe. „Ein wahrer Patriot.“Wenn es Differenzen zwischen Trump und Graham gab, betrafen sie die Außenpolitik. Lindsey Graham war ein Falke, er befürwortete eine interventionistische, auf militärischer Stärke basierende US-Politik. Trumps frühere Versprechen, die USA aus Konflikten herauszuhalten, entsprachen ihm nicht.Graham trat für die Unterstützung Israels und der Ukraine einVon Trumps neuem Interventionismus in der zweiten Amtszeit war er hingegen begeistert, namentlich vom Krieg gegen Iran. Graham befürwortete das militärische Vorgehen dezidiert. Zuletzt warnte er davor, ein ungenügendes Friedensabkommen zu schließen. Ein Abkommen genüge nur dann, wenn „jedes Gramm“ des hochangereicherten Urans von den USA kontrolliert und aus Iran entfernt werde.Graham sprach sich stets entschieden für die Unterstützung Israels und der Ukraine aus. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu schrieb nach der Nachricht über seinen Tod: „Israel hat einen seiner größten Freunde verloren.“ Lindsey Graham habe verstanden, dass die Sicherheit Israels und Amerikas untrennbar miteinander verbunden seien.Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bezeichnete Graham als einen „wahren Verfechter der Freiheit und der Werte, die unsere Welt sicherer machen“. Vergangene Woche erst hatte Graham die Ukraine besucht und sich mit Selenskij getroffen. Danach sagte er zu Reportern, eine parteiübergreifende Gruppe von Senatoren habe mit dem Weißen Haus eine Einigung über neue Sanktionen gegen Russland erzielt.John Thune, der Mehrheitsführer im Senat, schrieb, Graham sei ein „starker Verbündeter der freiheitsliebenden Länder auf der ganzen Welt“ gewesen. „Er glaubte an die Kraft Amerikas, Gutes in der Welt zu bewirken.“Bei den Republikanern hatte er den Ruf eines gewieften StrategenGraham war aber nicht nur ein einflussreicher Außenpolitiker. Während Trumps erster Amtszeit spielte er als Vorsitzender des Justizausschusses eine Schlüsselrolle bei der Neugestaltung der Bundesgerichte und der Bestätigung konservativer Richterinnen und Richter, namentlich von Amy Coney Barrett für den Obersten Gerichtshof. Er trug dazu bei, dass es den Republikanern gelang, die Nominierung des Wunschkandidaten von Barack Obama zu blockieren, was ihm bei den Republikanern den Ruf eines gewieften Strategen eintrug.Graham kritisierte nach Trumps erster Amtszeit auch das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn wegen des Sturms auf das Kapitol. Aus seiner Sicht war das Verfahren politisch motiviert. Zuletzt leitete Graham den Haushaltsausschuss des Senats. In dieser Funktion spielte er eine entscheidende Rolle bei Trumps „One Big Beautiful Bill“.Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Lindsey Graham Senator für den Staat South Carolina. 1994 war er ins Repräsentantenhaus gewählt worden, die Wahl in den Senat folgte 2002. Vier Amtszeiten absolvierte er, und er strebte eine fünfte an. Im Juni gewann er die Vorwahlen in South Carolina.Lindsey Graham wurde am 9. Juli 1955 in Central geboren, einer Stadt in South Carolina. Seine Eltern betrieben ein Café, in dem er und seine Schwester während ihrer Kindheit mitarbeiteten. In seinen Memoiren „My Story“ beschrieb Graham, wie sich sein Leben änderte, als seine Eltern beide innerhalb einer kurzen Zeitspanne starben. Graham, der damals Student war, wurde zum Vormund seiner 13-jährigen Schwester. Nach seinem Jura-Studium war er als Jurist bei der Luftwaffe tätig, bevor er seine politische Laufbahn begann.Sein Tod wurde in der Nacht auf Sonntag bekannt. Laut seinem Büro starb Graham am Samstagabend nach einer kurzen und plötzlichen Erkrankung, kurz nach seinem 71. Geburtstag. Der Gouverneur von South Carolina kann nun einen vorübergehenden Nachfolger ernennen. Bei der Vorwahl der Republikaner hatte Mark Lynch den zweiten Platz belegt.
Tod von Lindsey Graham: Erst Trumps Gegner, dann loyaler Verbündeter – ein Nachruf
Lindsey Graham gehörte zu den Gegnern von Donald Trump. Dann wurde er sein Verbündeter. Nun ist der republikanische Senator mit 71 Jahren gestorben.











