Für Markus Söder ist es eine Art Heimspiel. Hier weiß er, worüber er spricht – er hat den Beruf schließlich selbst einmal ausgeübt.Nach seinem Jurastudium sammelte er erste Berufserfahrung auf einer Stelle für Staatsverwaltungs- und Kirchenrecht. Da habe er sich irgendwann gefragt, „kommt da noch was?“, und sich beim Bayerischen Rundfunk beworben, erst für eine Hospitanz, dann für ein Volontariat. Die Mutter sei entsetzt gewesen. Im Journalismus werde doch lediglich der Intendant ordentlich bezahlt, aber das habe ihn nicht abhalten können. So erzählt es der Ministerpräsident am Samstagabend vor mehreren hundert Gästen in der Aula der Hochschule für Fernsehen und Film in München.Letztlich habe ihn lediglich die Aussicht, ein unerwartet vakant gewordenes Landtagsmandat im Stimmkreis Nürnberg-West erringen zu können, in die Politik geführt. Bei der Wahl dort 1994 gaben einige hundert Stimmen den Ausschlag. „Sie können sich jetzt entscheiden, ob Sie diesen zwei-, dreihundert heute noch danken wollen, oder nicht“, so Söder zu den Festgästen, die in dem kinoartigen Raum zusammengekommen sind, um einen runden Geburtstag zu begehen: den 80. Geburtstag des Bayerischen Journalistenverbandes (BJV).Zur Eröffnung haben Franziska Rabl (Mezzosopran), Maharani Chakrabarti (Piano) und Hans-Jürgen Huber (Trompete) Georg Friedrich Händels „Let the Bright Seraphim“ vorgetragen und Verena Hafner und Mads Poschardt, zwei der jüngeren BJV-Mitglieder, sehr launig begrüßt („Das letzte Mal, dass ich vor so vielen Menschen geredet habe, war beim Abi-Abschluss“). Festlich zurückschauen und gleichzeitig die Zukunft unverkrampft in den Blick nehmen: Dieses Spektrum soll die Feierstunde bieten.Söders Rede passt dazu. Er trägt nicht nur persönliche Anekdoten vor. Er gibt ein politisches Versprechen, findet aber auch mahnende Worte – an seine einstigen Kollegen gerichtet, aber auch an deren Arbeitgeber, die Verleger.Söders Versprechen: Unterstützung für Journalisten, die bedrängt werden. „Eine freie, unabhängige Presse muss das oberste Ziel unserer freiheitlichen Demokratie sein.“ „Ohne sie“, ruft er den BJV-Mitgliedern zu, „wäre unsere Demokratie nie entstanden.“ Für ihn stehe deshalb außer Frage, dass Journalisten geschützt werden müssen. Der Freistaat werde diesen Schutz immer gewähren.Söders Mahnung an die Journalistinnen und Journalisten: Die Weimarer Republik habe auch unter der aggressiven Presse gelitten, die es damals gab. Eine Presse, die sich in großen Teilen als Teil politischer Strömungen verstanden habe und der es auch darum gegangen sei, politische Gegner zu diskreditieren. Erst mit dem Neustart nach dem Krieg habe das angelsächsische Prinzip der Trennung von Nachricht und Kommentar Einzug gehalten. Dieses Prinzip sei elementar für ihn, so Söder: „Hier der Bericht. Da die Einordnung.“Seine Mahnung an die Verleger: Die Zeichen der Zeit nicht nur zu sehen, sondern auch auf diese zu reagieren. „Social Media ändert alles“, so der 59-Jährige. Was auf diesem Gebiet alles kommen könne, sei noch nicht abzusehen: „Das ist wie ein Türspalt, durch den etwas Licht durchschimmert.“ Die klassischen Medien müssten sich auch auf diesem Feld engagieren und mit ihren Inhalten mehr Präsenz zeigen – als Gegengewicht zu den Wirrköpfen, die dort sonst das große Wort führten. Von einem Verbot von Plattformen hält Söder nichts. Er wünscht sich stattdessen mehr Transparenz, nach welchen Algorithmen was ausgespielt wird.Es ist eine engagierte Rede, die viel Beifall findet – und das sicher nicht nur, weil der Freistaat die Rechnung für den Abend übernimmt, was BJV-Präsident Harald Stocker statt von einem „Festakt“ gleich von einem „Staatsakt“ sprechen lässt.Erwiderung: So war der Beitrag des BJV-Vorsitzenden im Programmheft angekündigt. Und Stocker hält Söder tatsächlich einiges entgegen. Er erinnert daran, dass dessen Polit-Idol, Franz Josef Strauß, in der Spiegel-Affäre, bei der 1962 die Grundsätze der freien Presse in Frage gestellt wurden, eine Schlüsselrolle spielte.Er führt aus, dass die bayerischen Ermittlungsbehörden Gespräche zwischen Journalisten und der Gruppe „Letzte Generation“ abhörten und der Deutsche Journalisten-Verband dagegen Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt hat. Und Stocker erlaubt sich den Hinweis, dass im Moment viel über die Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetztes auf Bundesebene gesprochen wird, Bayern ein solches Gesetz aber noch gar nicht habe.Das Informationsfreiheitsgesetz regelt den Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen. Damit Behörden mit zu vielen Anfragen nicht lahmgelegt und ausgespäht werden können, will der Bund es strenger fassen. Wenn da eine gute Lösung gefunden sei, könne man sich doch mal zusammensetzen, um für Bayern eine Lösung zu finden, schlägt Stocker Söder vor – was der zumindest nicht gleich rundherum ablehnt.Bevor der Festakt mit dem Absingen von Bayern- und Nationalhymne in einen Häppchenempfang mit Tombola für einen guten Zweck übergeht, gibt Söder noch ein launiges Versprechen: Zum 100. Geburtstag komme er gerne wieder.