Russisch als Muttersprache: Nicht nur die Sprache des Aggressors, sondern auch meine

Die Abkehr vom Russischen wird als Teil der Dekolonialisierung dargestellt. Selbst wenn dies bedeutet, sich selbst zu verleugnen.

In Aserbaidschan, der Heimat der Autorin, gehört Russisch zum Alltag dazu

Arne Dedert/dpa

I m Jahr 2022, nach dem Beginn der groß angelegten Invasion Russlands in der Ukraine, war es plötzlich fast unanständig, Russisch zu sprechen. Fast so, als wäre man Kollaborateur*in. In den postsowjetischen Republiken wurde mit neuer Vehemenz darüber gesprochen, dass Russisch eine Sprache der Kolonialisierung sei, die unseren Vorfahren vor zweihundert Jahren aufgezwungen wurde. Und im Prinzip stimmt das auch.