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Als die Wiener mit ihm fertig waren, war Shakespeare nicht mehr Shakespeare. Die Stadt gehörte zu den ersten im deutschsprachigen Raum, in dem es die Dramen des Briten in deutscher Übersetzung auf die Bühne schafften, die erste Aufführung war wohl Richard III. im April 1770 im Kärntnertortheater. Aber das, was da gespielt wurde, war nicht der Shakespeare, den die ganze Welt heute kennt. Vor allem nicht am Ende der Stücke.

Romeo und Julia etwa, das unglückseligste aller unglückseligen Liebespaare der Geschichte: In Wien überlebten sie, in letzter Sekunde gerettet von einem Gegengift, und lebten glücklich bis an ihr Lebensende. So wie Hamlet, den die Klinge von Laertes verschont; so wie King Lear, der ab der Premiere im Burgtheater 1780 in 67 Vorstellungen mit dem Leben davonkommt, bis er erst 1851 zum ersten Mal auf der Bühne stirbt.