In einer Nische der Metal-Szene hat Friesack einen Namen von Weltrang erlangt. Musikliebhaber reisen aus den Niederlanden, der Türkei, den USA oder Chile an. Auf der Bühne stehen Bands aus Skandinavien ebenso wie aus Malaysia oder Japan. So viel Internationalität trifft sich selten im Havelland und erst recht nicht in der 2500-Einwohner-Gemeinde. Doch zum „Under The Black Sun“-Festival (UTBS) herrscht im Ort für drei Tage Ausnahmestimmung.

Die Finger werden zur Pommesgabel

Auf dem Gelände findet sich alles, was das Musikherz begehrt: eine große Bühne mit riesigen Lautsprechern und knalliger Lichttechnik, ein Getränkestand und Merchandise. Doch wer eine feierwütige Masse erwartet, täuscht sich. Steht Metal sonst für Headbangen und extrem lauten Sound, geht es beim UTBS eher ruhig zu. Am Geländer vor der Bühne wippen manche Fans mit oder tanzen, gelegentlich recken die Besucher die Faust und formen die Finger zur Pommesgabel, auch als Mano cornuta bekannt. Doch die meisten stehen eher gemütlich mit etwas Abstand zur Band und nippen gelegentlich an ihren Getränken.

Genau für diese Atmosphäre hat Oscar zwölf Stunden Fahrt auf sich genommen. „Es ist ein bisschen was Religiöses“, sagt er über die Black-Metal-Szene, eine Nischengemeinschaft innerhalb der Metal-Fans. Bei den Klängen, die manch einer als tosenden Krach empfinden dürfte, komme er mental und emotional zur Ruhe. „Du kannst deinen Geist leer machen“, sagt der Niederländer und vergleicht den Zustand mit einer Trance. Es gebe ihm ein gutes Gefühl, sich nur mit sich und der Gemeinschaft um ihn herum zu beschäftigen.