Götz Aly, Wie konnte das geschehen (2025)Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2025. 768 Seiten, 34 Euro. E-Book: 22,99 Euro. S.Fischer VerlagKaum ein Buch passt besser zur Veröffentlichung der NSDAP-Mitgliederkartei als Götz Alys großes Alterswerk. Der Historiker und Politikwissenschaftler hat den Großteil seines Lebens der Erforschung der NS-Geschichte gewidmet, „Wie konnte das geschehen?“ ist eine Synthese aus politisch-historischer Analyse und einer Mentalitätsgeschichte der deutschen Gesellschaft unter Diktaturbedingungen. Aly schreibt wie immer pointiert und zugänglich. Nicht allen Thesen muss man zustimmen. Doch die Lektüre, wie die Deutschen erst zu einer Mitmachgesellschaft unter Adolf Hitler und schließlich zur Verbrechensgemeinschaft wurden, könnte vielen die Augen öffnen, die bisher der Ansicht waren, die Vorfahren wären nur „Mitläufer“ gewesen und hätten „ja gar nichts gemacht“. 700 Seiten, die sich unbedingt lohnen.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Ines Geipel, Landschaft ohne Zeugen (2026)Ines Geipel: Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2026. 336 Seiten, 25 Euro. E-Book: 19,99 Euro. S. FischerWie wurde eigentlich in der DDR an die NS-Zeit und den Holocaust erinnert? Die kurze Antwort lautet: gar nicht. Die Schriftstellerin Ines Geipel hat sich auf den Weg gemacht und am Beispiel des einstigen KZ Buchenwald bei Weimar recherchiert, was nach 1945 im SED-Staat und nach 1990 in Ostdeutschland gewusst und verschwiegen wurde. In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald jedenfalls wurde der antifaschistische Staatsmythos der DDR über Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Noch heute glauben viele an kommunistische Helden. Geipel fragt: „Ist nicht längst alles gesagt, geschrieben, ausgetauscht, das Feld ausgeschritten? Prozesse, Zeugen, Quellen, Bücher, Filme, Debatten. Achtzig Jahre lang!“ Nach der Lektüre weiß man: offenbar noch lange nicht.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Sybille Steinbacher, Hitler (2025)Sybille Steinbacher: Hitler. Geschichte eines Diktators. C. H. Beck Wissen, München 2025. 128 Seiten, 12 Euro. E-Book: 9,99 Euro. C.H. Beck WissenEs gibt sehr viele und auch ausgezeichnete Hitler-Biografien. Die meisten sind sehr dick. Das Büchlein der Historikerin Sybille Steinbacher ist sehr dünn – und gerade deshalb geeignet, sich in die „Geschichte eines Diktators“ und den aktuellen Forschungsstand einzulesen. Wobei es sich eigentlich nicht um eine Biografie handelt, sondern vielmehr um eine Verzahnung der Person Adolf Hitler mit einer Gesellschaftsgeschichte zwischen 1933 und 1945. Steinbachers Buch ist ausgezeichnet geschrieben, mit Tempo, ohne zu dicht zu sein; kurze Sätze scheut sie nicht. Absoluter Lesetipp.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.M. Rainer Lepsius, Soziologie des Nationalsozialismus (2026)M. Rainer Lepsius: Soziologie des Nationalsozialismus. Hrsg. von Tilman Allert und Maurizio Bach. Klostermann Verlag, Frankfurt 2026. 208 Seiten, 24,80 Euro. Klostermann Rote ReiheMit der bahnbrechenden Studie „Das Modell der charismatischen Herrschaft und seine Anwendbarkeit auf den ‚Führerstaat‘ Adolf Hitlers“ überraschte der Soziologe M. Rainer Lepsius 1986 die Historiker mit der Anwendung des Charisma-Theorems von Max Weber auf die Naziherrschaft und eröffnete ganz neue Blickwinkel auf die Zeit zwischen 1918 und 1934. Die dieser Studie auch zugrunde liegende Vorlesung „Soziologie des Nationalsozialismus“ aus dem Jahr 1983 an der Uni Heidelberg liegt nun erstmals aus dem Nachlass vor. Lepsius’ (1928–2014) Mission bestand darin, die „deutsche kognitive Selbstverschleimung, die im Nationalsozialismus seinen Höhepunkt erreicht“ habe, zu analysieren und sich von ihr zu befreien. Dieser Text ist ein fulminanter Beitrag zur Entschleimung Deutschlands.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Philipp Ruch / Thomas Weber, Wenn das Gestern anklopft (2025)Philipp Ruch, Thomas Weber (Hrsg.): Wenn das Gestern anklopft. Weimar und die Wiederkehr der Geschichte. Herder Verlag, Freiburg 2025. 288 Seiten, 22 Euro. HerderHier werben Philipp Ruch vom Zentrum für Politische Schönheit und der Historiker Thomas Weber streitlustig für neue Ansätze der Geschichtswissenschaft zur Rettung der Demokratie. Der einleuchtende Forschungsansatz der beiden lautet: „Es ist wenig sinnvoll, in jedem Rechtspopulisten einen Wiedergänger Hitlers zu entdecken oder zu erwarten, dass die Demokratie dieses Mal genauso zusammenbrechen wird wie 1933. Es nützt nichts, nach neuen Reichstagsbränden zu suchen. Vielmehr muss das Augenmerk auf dem liegen, was man die Motoren des Zusammenbruchs nennen könnte.“ Die Aufsätze mehrerer Forscher sind teils getragen vom Ansatz einer angewandten Geschichte. Vieles ist wie bei Ruch üblich provokativ, viel mehr aber ist eindeutig nachdenkenswert.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Michael Wildt, Zerborstene Zeit (2022)Michael Wildt: Zerborstene Zeit. Deutsche Geschichte 1918–1945. Verlag C. H. Beck, München 2022. 638 Seiten, 32 Euro. C.H.BECKDer Historiker Michael Wildt zählt zu den besten Kennern der NS-Geschichte in Deutschland. Vor einigen Jahren hat er ein Opus magnum über die etwa 30 Jahre zwischen der Revolution von 1918 und dem Zusammenbruch des NS-Staats 1945 vorgelegt. Dabei geht es ihm nicht um eine glatte Meistererzählung, sondern um den Blick und die Empfindungen der Zeitgenossen. Mithilfe von Tagebüchern bekannter und wenig bekannter Menschen gelingt es Wildt, ein Gespür für die Offenheit historischer Prozesse und Erfahrungen, für Brüche und Widersprüche zu vermitteln. Eine grandiose „Geschichte von unten“ über das Zeitalter der Extreme, verwoben mit den großen Linien der Politik. (Ausgezeichnet mit dem Preis des Historischen Kollegs 2022.)Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Lutz Hachmeister, Hitlers Interviews (2024)Lutz Hachmeister: Hitlers Interviews. Der Diktator und die Journalisten. Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2024. 384 Seiten, 28 Euro. E-Book: 24,99 Euro. KiWiDer Publizist und Filmemacher Lutz Hachmeister widmete sich in seinem letzten Buch vor seinem viel zu frühen Tod den etwas mehr als 100 Interviews, die Adolf Hitler zwischen 1922 und 1944 ausländischen Journalisten gegeben hat. Das Ergebnis dieser aufwendigen Recherche ist für den Berufsstand beschämend. Kaum jemand fragte zu Hitlers Judenpolitik, viele zeigten sich zahm im Angesicht des Schwadroneurs. Das brillante Buch handelt von der Korrumpierbarkeit in der Nähe der Mächtigen und davon, wie leicht nötige Kritik vor inszenierter Macht in die Knie geht. Lehrreich, nicht nur für Journalisten.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Tatjana Tönsmeyer, Unter deutscher Besatzung (2024)Tatjana Tönsmeyer: Unter deutscher Besatzung. Europa 1939–1945. Verlag C. H. Beck, München 2024. 652 Seiten, 38 Euro. E-Book: 28,99 Euro. C.H. BeckBis zu 230 Millionen Menschen mussten zwischen 1939 und 1945 unter deutscher Besatzung zurechtkommen. Die Historikerin Tatjana Tönsmeyer erzählt das konsequent aus der Perspektive der Betroffenen. Sie will den Opfern eine Stimme geben, was zweifellos ausgezeichnet gelingt. Zahllose Aufzeichnungen und Erinnerungen veranschaulichen, wie Krieg die betroffenen Menschen zu Statisten degradierte und zur Passivität zwang. Die nötige Differenzierung zwischen besetzten Ländern in West- und Osteuropa hingegen fehlt an vielen Stellen. Dennoch ein Lehrstück, was passiert, wenn Recht und Humanität verachtet werden.Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.Wolfgang Benz, Exil (2025)Wolfgang Benz: Exil. Geschichte einer Vertreibung 1933–1945. Verlag C. H. Beck, München 2025. 407 Seiten, 36 Euro. E-Book: 27,99 Euro. C.H.BeckDer Historiker Wolfgang Benz erzählt diverse Einzelschicksale des deutschen Exils, auch hier meist nicht die der Prominenten. Benz hat es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, die Vertreibung zwischen 1933 und 1945 in ihrer Ganzheit zu betrachten. In den Fokus rückt er dabei die ganz gewöhnlichen Deutschen, die entweder aus politischen Gründen oder weil sie Juden waren, vor dem neuen Regime flohen. Und er richtet den Blick auf die Staaten, die allesamt nur sehr widerwillig diese Menschen aufnahmen. Eine eindringliche Analyse, die auch zeigt, wie schwer es die Rückkehrenden nach 1945 hatten, in ihrer Heimat wieder Fuß zu fassen.Die ausführliche Rezension lesen Sie hier.
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