KommentarDie Bürgerlichen dürfen den Klimaschutz nicht den Grünen überlassenDie Hitzewelle und ihre Folgen bringen die Klimafrage wieder aufs politische Parkett. Die Bürgerlichen sollten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen – und nun von Beginn an eine aktive Rolle spielen.12.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBewegte vorübergehend die Massen: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg im Januar 2020 bei einem Auftritt in Lausanne.Gabriel Monnet / KeystoneHier gehen gerade Wahrzeichen unseres Landes den Bach runter: Die schneearmen Winter und heissen Sommer, die wir derzeit erleben, verändern das Bild der Schweizer Alpen für immer. Zum Beispiel die Lenzspitze oberhalb von Saas-Fee: Die Nordostflanke gehörte bisher zu den prächtigsten Eiswänden der Alpen, ein Klassiker für ambitionierte Bergsteiger. Nun schmilzt das Eis in rasantem Tempo weg, bald ist die legendäre Wand Geschichte. Und auch das Matterhorn ist inzwischen praktisch eisfrei, wegen Steinschlaggefahr wird von einer Besteigung abgeraten. Dabei hätte die Saison am Berg eben erst begonnen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Alpinisten wissen, dass sich die Berge schon immer verändert haben und man sich daran anpassen muss. Aber das hier sind neue Dimensionen.Natürlich ist es toll, wenn man Rudi Carrells Frage «Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?» unumwunden mit «Jetzt!» beantworten kann. Und wir uns nach einer weiteren mediterranen Fussballnacht mit einer Abkühlung im See wieder bürotauglich machen. Doch man muss kein Miesepeter sein, um auch die Kehrseite zu sehen. Ein Gespräch mit einem Bauern, der sich gerade überlegt, ob er teures Futter zukaufen oder seine Tiere schlachten will, genügt.Die Grünen sind die Ersten, die auf dieses zwischen Leichtigkeit und Besorgnis oszillierende Gefühl in der Bevölkerung reagieren. Am Montag starten sie mit einer Kampagne, die wegen der Nähe zu den Corona-Plakaten des Bundes irritiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Offenbar hat die Partei gelernt, dass der Furor einer Greta Thunberg zwar kurzfristig die Massen mobilisieren und für einen Wahlsieg sorgen kann. Nachhaltig politisches Kapital schlagen lässt sich daraus aber nicht.Trotzdem dürfte der Klimawandel erneut zum Wahlkampfthema werden, wenn es auch im Wahljahr 2027 zu einer anhaltenden Hitzewelle kommt. Interessant wird sein, wie die Parteien darauf reagieren.Ein gebranntes Kind ist die FDP. Beeindruckt von der grünen Welle vollzog Parteichefin Petra Gössi im Frühling 2019 eine Kehrtwende und versuchte, den Freisinn ökologischer zu positionieren. Doch der Kurswechsel war parteiintern zu wenig abgesprochen und vermochte die Wähler nicht zu überzeugen: Die FDP gehörte ein halbes Jahr später zu den Wahlverlierern.Nun war Gössis Vorgehen suboptimal, inhaltlich lag sie aber richtig mit der Feststellung, dass der Umweltschutz eigentlich zur freisinnigen DNA gehört. Darauf kann die Partei bauen, ebenso wie die Mitte und sogar Teile des bäuerlichen Flügels der SVP. Historisch betrachtet, haben sich diese Parteien immer wieder für einen vernünftigen Umgang mit natürlichen Ressourcen oder den Kulturlandschutz eingesetzt.Die Bürgerlichen dürfen deshalb nicht erneut warten, bis eine weitere grüne Welle sie zum Handeln zwingt. Vielmehr sollten sie jetzt ihre Konzepte für eine bürgerliche Umweltpolitik vorstellen. Eine solche setzt auf Eigenverantwortung, Anreize und vor allem Innovation – bei der Stromproduktion, beim Verkehr sowie der Haus- und Speichertechnik. Das alles entspricht der Stossrichtung des vom Volk angenommenen Klimaschutzgesetzes. Und hilft dem Klima entschieden mehr als Technologieverbote oder juristische Spitzfindigkeiten von Klimaseniorinnen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»