München vor der Bayerischen Staatsoper. An einem heißen Samstagmittag posiert ein Mann auf einem roten Sofa. Er hat für die temporäre Verkleidung der Säulen des Theaters gesorgt; sie erscheinen brüchig, bröckelnd als Symbol für Vergänglichkeit. Der Mann ist Jeff Koons, 71, US-Künstler, hochdotiert und streitbar.Die Fotosession ist der Beginn einer Serie mit Bildern von Menschen auf der roten Couch, die an relevanten Plätzen auftauchen soll, etwa in der Ukraine. Das Konzept hatte vor mehr als 40 Jahren in den USA Erfolg. Zeit für ein längeres Gespräch.Herr Koons, Ihr Bestreben war immer, sich mit einer eigenen Plattform dem für Sie wichtigsten Thema überhaupt zu widmen: der Macht der Kunst. Aber was kann Kunst schon bewegen angesichts der Macht von Politikern, Diktatoren, Superinvestoren oder digitalen Monopolunternehmern wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg oder Elon Musk?Ich mag den amerikanischen Philosophen John Dewey …… der sich sehr für eine Demokratisierung aller Lebensbereiche sowie für eine Pädagogik im Sinne von „Learning by doing“ einsetzte …Ja. In seinem Buch „Kunst als Erfahrung“ schreibt er von der wahren Kommunikation. Sie ist in ihrer einfachsten Form ein einzelliger Organismus, der von seiner Umgebung beeinflusst wird. Dadurch verändert er sich, überschreibt seine DNA. Dies wiederum hat einen Effekt auf die Umwelt. Dieses Vor und Zurück, diese Interaktion, das ist Kultur. Alles, was wir sehen, repräsentiert Kultur, vom Straßenasphalt bis zur Zierpflanze. Es geht nicht um eine Elite oder eine Hierarchie, die uns machtlos macht und die zu Abgrenzungen führt.
Jeff Koons: „Wir sollten die Technologien für mehr Menschlichkeit nutzen“
Der US-Kunststar spricht im Handelsblatt über Kunst im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, seinen Optimismus – und darüber, warum ihm der Rekordpreis für seine Skulptur „Rabbit“ egal ist.






