Wie wir erinnern, ist ein Mysterium. Nun blickt neueste Forschung in die Tiefen des Gehirns. Was, wenn wir entscheiden könnten, was wir erinnern?

E s beginnt mit einem Kribbeln im Bauch, das langsam hinaufkriecht in den Kopf. Es macht die Lippen und die Zunge taub, steigt die Nase hinauf und dringt schließlich zwischen den Augen tief hinein in den Schädel. „Dann fühlt es sich an, als würde ich einen Schritt von der echten Welt wegrücken“, sagt Mejreme. „Meine Augen verlieren den Fokus und drehen sich weg. Meine Beine krampfen und zucken. Ich habe keine Kontrolle über meinen Körper. Wenn es endlich vorbei ist, bin ich müde und verwirrt – und irgendwie auch beschämt, weil ich mich nicht erinnern kann, was passiert ist.“

Wenn Mejreme von ihrem Empfinden und ihren Erfahrungen als Epileptikerin erzählt, möchte sie das lieber nur mit ihrem Vornamen tun. Trotz der Anfälle arbeitete sie zunächst weiter als Bankangestellte, das Kribbeln und das Zucken war selten und dauerte nur ein paar Sekunden. Der Alltag funktionierte noch. Doch als ihre Töchter auf die Welt kamen, wurden die epileptischen Anfälle häufiger und stärker.

„Meine große Tochter ist fünf, die nimmt das ganz cool, sie kennt Mama nicht anders“, sagt Mejreme. „Sie hält meine Hand, passt auf mich auf und erzählt mir später, was geschehen ist. Aber die Kleine, sie ist jetzt drei, die bekommt Panik und rennt vor mir davon. Als würde sie ihre Mutter nicht wiedererkennen. Das geht so nicht weiter.“